18.06.2016

KommentarKuka ist nicht SAP

Die Bundesregierung überschätzt die Bedeutung des Roboterherstellers.
Es ist an der Zeit, etwas klarzustellen: Kuka ist zwar ein Roboterhersteller mit Weltruf. Aber Kuka ist nicht SAP. Oder Siemens. Die Bundesregierung tut gerade so, als ob sich an der Zukunft des Unternehmens, für das der chinesische Hausgerätehersteller Midea eine Milliardensumme bietet, das Schicksal der deutschen Wirtschaft und der Industrie 4.0 entscheide. Hinter den Kulissen wird sondiert, wie der Deal zu verhindern sei. Die Politik verschwendet damit ihre Energie. Im Fall Kuka ist ihr Einfluss nicht gefragt, dafür ist das Unternehmen eine Nummer zu klein.
Kuka ist ein Mittelständler, der im vergangenen Jahr 86 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet hat, so viel verdient SAP in zehn Tagen. Die Hälfte seines Umsatzes erzielt Kuka noch immer mit der Autoindustrie. Diese Abhängigkeit macht das Unternehmen anfällig für konjunkturelle Schwankungen.
Auf dem Zukunftsfeld der Servicerobotik wiederum hat Kuka einiges aufzuholen. Viel versprechen sich die Augsburger vom Modell Iiwa, einem gelenkigen Leichtgewicht, das Hand in Hand mit Menschen arbeiten kann. Erdacht wurde das Konzept indes nicht bei Kuka, sondern 70 Kilometer entfernt, am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. Ohne solch öffentlichen Beistand hätte es Kuka wohl kaum an die Weltspitze geschafft.
Kuka ist eben kein globaler Tech-Gigant, sondern ein gewöhnlicher Maschinenbauer, bei dem zerspahnt und gebohrt wird. Wahrscheinlich ist es die Faszination, die von den Produkten ausgeht, die den Betrieb so wertvoll erscheinen lässt. Roboter sind aber bloß der auffällige Teil der digitalen Wirtschaft. Von größerer Relevanz sind die nicht sichtbaren Komponenten, die Software und die Steuerung. Und die liefern SAP oder Siemens. Software und Steuerung sind das Hirn der Industrie 4.0, die Roboter nur die Muskeln. Die Chinesen können die Muskeln gern kaufen und einen irrwitzigen Preis zahlen. Erst wenn es ums Hirn geht, ist die Regierung gefragt.
Von Alexander Jung

DER SPIEGEL 25/2016
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