25.06.2016

Ökologie„Tabuzonen für Schleppnetze“

Henning von Nordheim, 62, Meeresexperte des Bundesamts für Naturschutz, über die Wiederansiedlung der Europäischen Auster in der Nordsee
SPIEGEL: Welchen Nutzen hätte die Europäische Auster für die Nordsee?
Nordheim: Noch bis vor 150 Jahren lebten vor unseren Küsten Abermillionen dieser Austern. Wir haben den Auftrag von der Europäischen Union, die Meere gesünder zu machen. Die Austern-Wiederansiedlung wäre ein Beitrag dazu. Austernbänke sind wichtige Ökosysteme und bieten vielen Fischen und Wirbellosen eine Heimat. Außerdem wirken Austern wie eine biologische Kläranlage für das Meer, weil sie ständig Nahrung und Schwebstoffe aus dem Wasser filtrieren.
SPIEGEL: Die Austern sind vor allem deshalb aus der deutschen Nordsee verschwunden, weil sie überfischt wurden. Der Hunger nach Nahrung aus dem Meer ist heute größer denn je – wie sollen die Tiere jetzt überleben können?
Nordheim: Wir brauchen unbedingt Tabuzonen für die Schleppnetzfischerei. Sonst haben die Austern keine Chance. In den Natura-2000-Gebieten der Nordsee soll es solche Zonen geben. Auch Windpark-Areale kommen eingeschränkt als Austerngrund infrage.
SPIEGEL: Wie lassen sich Austern wieder ansiedeln?
Nordheim: Wir wollen zunächst einige Hundert Tiere aus Zuchtanlagen in 20 bis 30 Meter Wassertiefe in Käfigen aussetzen. Sie könnten in ein oder zwei Jahren Larven produzieren, die sich dann hoffentlich weiterverbreiten. Auf Dauer wünschen wir uns, dass die Larven über die Grenzen der Schutzgebiete hinausschwimmen. Dann könnten auch die Fischer profitieren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es wieder Austernfischerei in der Nordsee geben wird, dann aber nachhaltig.
SPIEGEL: Pazifische Austern wachsen dort schon.
Nordheim: Ja. Und das hätte niemals passieren dürfen. Die Pazifische Auster ist eine aktiv eingeführte Art. Wir gehen aber davon aus, dass sie die Wiederansiedlung der heimischen europäischen Spezies nicht behindern wird.
SPIEGEL: Welche Auster schmeckt besser?
Nordheim: Kenner sagen: die Europäische. Kein Zweifel.
Von Phb

DER SPIEGEL 26/2016
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