23.07.2016

TunesienDie Rückkehr der Unerwünschten

Tunesien, in der jüngsten Vergangenheit von verheerenden Anschlägen erschüttert, kommt nicht zur Ruhe: Das eher kleine nordafrikanische Land und seine Hauptstadt Tunis könnten zu einer neuen Basis für islamistische Kämpfer werden. Zwei Gründe vor allem machen Terrorexperten für diese Entwicklung verantwortlich: Zum einen stellten Tunesier in der Vergangenheit die wohl größte Gruppe ausländischer Kämpfer im Irak wie auch in Syrien – die Schätzungen belaufen sich auf etwa 6000 Menschen, die aus Tunesien ins "Kalifat" gezogen seien, überwiegend zum "Islamischen Staat" (IS). Nachdem der IS militärisch unter Druck geraten ist, kehren nun über Libyen zahlreiche Kämpfer zurück, manche sprechen von 650 Mann. Ihre Rückkehr kommt dem Staat höchst ungelegen: Es sind kampferprobte Freischärler, und viele von ihnen schließen sich, so Experten, bewaffneten Gruppen an, unter anderem um den Ouergha-Berg. Der zweite Grund, der den Konflikt anheizen könnte: Einer der Anführer der berüchtigten Gruppe "Ansar al-Scharia", Bilal al-Shawashi, hat sich angeblich in der Hauptstadt Tunis niedergelassen – 37 festgenommene Terroristen, so ein Polizeisprecher, hätten ausgesagt, ihre Befehle von Shawashi bekommen zu haben. So beherrscht Terrorangst erneut das Land, hinzu kommt Hoffnungslosigkeit: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 15 Prozent; in manchen Regionen, vor allem im Landesinnern, beträgt sie rund 50 Prozent. Der Niedergang der Tourismusindustrie schadet zusätzlich: Die leeren Strände in der Hauptsaison führen den Tunesiern vor Augen, dass man sie meidet.
Von Red

DER SPIEGEL 30/2016
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Tunesien:
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