06.09.1999

KONZERNE

Hartmann ausgebremst

Veba-Chef Ulrich Hartmann musste vergangene Woche bei dem Spitzengespräch in der Bayerischen Staatskanzlei über die geplante Fusion mit der Münchner Viag-Gruppe eine herbe Niederlage einstecken. Der ehrgeizige Konzernchef hätte seinem Aufsichtsrat am liebsten schon am Mittwoch dieser Woche eine Einigung präsentiert. Bei der Sitzung soll auch sein Vorstandsvertrag verlängert werden. Doch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber machte dem Veba-Chef einen Strich durch die Rechnung. Der CSU-Chef möchte sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen und erst abwarten, ob Veba-Konkurrenten wie der französische Gigant Eléctricité de France bereit sind, für das 25,1-Prozent-Paket des Freistaats an der Viag einen höheren Preis zu zahlen. Der französische Energieriese will sich ohnehin um die geplante Privatisierung des baden-württembergischen Regionalversorgers EnBW bewerben und in Deutschland eine Südallianz bilden. Auch die Telekommunikationstochter Viag Interkom erwies sich bei dem Gespräch als Knackpunkt. Hartmann möchte sich aus der heiß umkämpften Branche langfristig zurückziehen, nachdem ihm das Telefongeschäft in der Vergangenheit Milliardenverluste beschert hat. Doch Stoiber und Viag-Chef Wilhelm Simson wollen, dass die Viag Interkom in einem fusionierten Konzern verbleibt und nicht verkauft wird. Derart unter Druck gesetzt, musste Hartmann schließlich einlenken. Die Düsseldorfer würden auf jeden Fall mitbieten, signalisierte Hartmann gegen Ende des Treffens, wenn der Freistaat sich gegen die Fusion entscheidet und sein Viag-Paket meistbietend verkauft.


DER SPIEGEL 36/1999
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