20.09.1999

FILMINDUSTRIE

Gruseln bringt Geld

Kassensturz in Hollywood: Der Sommer ist gelaufen, und siehe da, ganz oben in den amerikanischen Erfolgscharts stehen zwei Filme, die am Saisonstart kein Mensch auf dem Zettel hatte. Wie durch Hexerei reüssierte nicht nur der kunstvoll verwackelte Pseudo-Dokumentarfilm "The Blair Witch Project" (SPIEGEL 33/1999), der bloß 35 000 Dollar kostete, aber bisher bereits 138 Millionen eingespielt hat, sondern noch ein weiterer subtiler Leinwandspuk: In "The Sixth Sense" (Deutschlandstart am 30. Dezember) spielt Bruce Willis einen von Schuldgefühlen gequälten Kinderpsychologen, der einem verstörten Jungen helfen will: Der Kleine hat die ausgesprochen lästige Gabe, Geister zu sehen. Fünf Wochen in Folge nahm der morbide Thriller jeweils mehr als 20 Millionen Dollar ein, ein Coup, der zuvor nur "Titanic" und "Star Wars" gelungen war. Insgesamt hat das Gespensteropus bislang 181 Millionen eingespielt. Sein Trick: ein höchst überraschender Schluss, der Zuschauer zum Zweit- oder Drittbesuch veranlasst. Nicht zu jeder Geisterstunde finden sich die Gruselfans zuhauf ein; "The Haunting" (Deutschlandstart als "Das Geisterschloss" am 14. Oktober), von Erfolgsregisseur Jan De Bont als teurer Blockbuster angelegt, kam auf vergleichsweise enttäuschende 90 Millionen Dollar. Aber der Hunger der Zuschauer nach Jenseitigem scheint in den USA ungestillt: Gerade startete der wirr mystische Vatikan-Thriller "Stigmata" mit einer Wochenendkasse von 18 Millionen. Die würde auch den Papst freuen.


DER SPIEGEL 38/1999
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

DER SPIEGEL 38/1999
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Bei Spodats erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

FILMINDUSTRIE:
Gruseln bringt Geld