10.12.2016

Seuchen„Keine Passagiere anstecken“

Flughäfen zu Bollwerken gegen Infektionskrankheiten aufzurüsten, das fordert Wolfgang Sunder , 42, Architekt am Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen der TU Braunschweig.
SPIEGEL: Flughäfen seien Drehkreuze – nicht nur für Menschen, sondern auch für Krankheitserreger, sagen Sie ...
Sunder: ... Genau, Passagiere aus aller Welt geraten hier in engen Kontakt, zum Beispiel beim Schlangestehen oder beim Gang zur Toilette.
SPIEGEL: Wie wollen Sie das verhindern?
Sunder: Ein infektionssicherer Airport sollte zum Beispiel übersichtlich sein, kurze Wege haben, und man kann ihn leicht umbauen, wenn es sein muss. Für Infizierte müssten Isolierbereiche bereitstehen, die sie direkt vom Flugzeug aus erreichen können, ohne andere Passagiere anzustecken. Die Oberflächen dieser Räume sollten leicht desinfizierbar sein. Wie in Krankenhäusern.
SPIEGEL: Türklinken gelten als besondere Infektionsrisiken. Wollen Sie die ersetzen?
Sunder: Wenn das so einfach wäre. Automatische Türöffner zum Beispiel fallen oft aus, die Wartung ist teuer und langwierig. Sinnvoll sind Lösungen, die möglichst einfach sind.
SPIEGEL: Ihr Projekt "Hyfly" zur Verbesserung von Airports wird mit 2,6 Millionen Euro gefördert. Sollte man das Geld nicht lieber in den Ausbau von Kliniken investieren?
Sunder: Das darf man nicht gegeneinander ausspielen. Schauen Sie sich zum Beispiel die Ebola-Epidemie an: Wie fliegen wir die deutschen Ärzte, die sich angesteckt haben könnten, wieder sicher in die Heimat, ohne Mitreisende in Gefahr zu bringen? Hier müssen alle Beteiligten gut vorbereitet sein, um unüberlegtes Handeln zu verhindern. Daher arbeiten wir auch interdisziplinär mit Materialwissenschaftlern und Infektionsspezialisten zusammen.
SPIEGEL: Wann wird Ihr pandemieblockender Flughafen zu besichtigen sein?
Sunder: Wir müssen erst einmal Grundlagenforschung betreiben. Bauliche Infektionsprävention ist ja ein relativ neues Feld; es gibt bislang kaum Leitfäden oder Lehrpläne. 2019 wollen wir fertig sein.
Von Hild

DER SPIEGEL 50/2016
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