23.12.2016

EinwurfNein zur Rüssel-Unterhose

Schenken ist ganz einfach. Man darf sich nur nicht so viel Mühe geben.
Schon Wochen vor Weihnachten zermartere ich mir das Hirn, was ich den Liebsten Besonderes schenken könnte. Es ist eine furchtbare Zeit, deren Schrecken nur noch durch das Nahen runder Geburtstage übertroffen wird. Dabei sei Schenken ganz einfach, sagt die Wissenschaft. Man sollte sich nur nicht allzu ehrgeizig anstellen.
Die erste Erkenntnis: Ein Geschenk ist immer dann am besten, wenn es erwartet wird. Nicht umsonst fordert das Christkind eine Wunschliste ein. "Versuchen Sie niemals, Gedanken zu lesen", warnt Francis Flynn von der Stanford University. Wer exakt das schenkt, was gewünscht wird (und nicht etwa eine vermeintlich bessere, durchdachtere, teurere Variante), dem fliegen die Herzen zu. Auch der Versuch, etwas Sensationelles, Extravagantes zu schenken, sollte tunlichst unterbleiben. Forscher der Carnegie Mellon University haben herausgefunden, dass Präsente oftmals zu Enttäuschungen führen, weil der Schenker auf den Wow-Effekt beim Auspacken setzt, der Beschenkte jedoch eher den langfristigen Nutzen bewertet. Die Unterhose mit Elefantenrüssel-Applikation mag effektvoll sein. An den Mann kommt sie nie.
Grundsätzlich gilt: Wer sich zu sehr den Kopf zerbricht, scheitert eher als der Pragmatiker. Geschenke weiterzureichen ist zum Beispiel völlig in Ordnung. Den meisten Schenkern ist es nämlich wurscht, was mit ihrem Präsent nach der Übergabe geschieht. Zudem spricht nichts dagegen, ein gutes Geschenk mehrfach zu verschenken. Unterschiedliches für jeden Einzelnen führt zu schlechteren Geschenken für die meisten, sagen die Geschenkeforscher. Auch Gutscheine werden gern genommen oder gleich Geld. Dabei gibt es allerdings eine Ausnahme: Geldgeschenke für Partnerin oder Partner sind tabu. Sonst dräut Eiszeit unterm Weihnachtsbaum.

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Von Philip Bethge

DER SPIEGEL 52/2016
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