11.03.2017

MuseenIm Dienst des Scientologen

Das Münchner Haus der Kunst gilt als renommierte Ausstellungsinstitution – doch mehren sich Hinweise auf eine Nähe zur Scientology-Organisation. Anfang März trennte sich die halbstaatliche Einrichtung bereits von einem externen Personalverwalter, der nachweislich Scientologe ist. Der Geschasste, seit 1995 für die Ausstellungshalle tätig, soll für enorme Spannungen unter den Angestellten gesorgt haben, vor allem unter den mehr als 50 Aufsichtspersonen. Der frühere bayerische Wissenschaftsminister und FDP-Politiker Wolfgang Heubisch – heute Aufsichtsratsmitglied der Stiftung Haus der Kunst und Vorsitzender im gewichtigen Freundeskreis – hatte von der Scientology-Verbindung des Personalverwalters erfahren und ließ sich diese Ende 2015 vom Verfassungsschutz bestätigen. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle, der dem Aufsichtsrat des Hauses der Kunst vorsteht, wurde am 15. Dezember 2015 informiert. Passiert ist lange nichts. Intern heißt es, das Ministerium habe um die Zuwendungen von Sponsoren gefürchtet, falls die Scientology-Verbindung des Personalverwalters publik würde. Andere Aufsichtsräte berichten dagegen sogar von weiteren Verdachtsfällen. Nun hat die SPD-Fraktion im Kulturausschuss des Bayerischen Landtags einen Dringlichkeitsantrag gestellt – mit der Forderung, Spaenle solle Rede und Antwort stehen. Auch für den Betriebsrat sind die Probleme nicht gelöst. Derzeit, so heißt es dort, würde mit auffallender Eile eine neue externe Beratungsgesellschaft installiert und auf diese Weise Druck auf die Belegschaft ausgeübt. Und Direktor Okwui Enwezor? Der gebürtige Nigerianer, der lange in den USA lebte, hält die Aufregung in München für übertrieben, spricht gar von einer "Hetzkampagne" gegen das Haus der Kunst.
Von Cnm, und Uk,

DER SPIEGEL 11/2017
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