01.11.1999

USA

Explosion der Armut

Not und Armut sind im Wohlstandsstaat USA viel weiter verbreitet als bislang angenommen. Nach neuen Berechnungen leben 46 Millionen Amerikaner unterhalb der Armutsgrenze. Das sind 17 Prozent der Gesamtbevölkerung und 4,3 Prozent mehr, als noch im September von der US-Regierung angegeben. Grund für die drastische Zunahme: Erstmals seit Präsident Lyndon B. Johnson Mitte der sechziger Jahre seinen Feldzug gegen die Armut begann und dazu die Grenze für das Existenzminimum feststellen ließ, wurden die Berechnungsfaktoren den längst veränderten Lebensbedingungen in den Vereinigten Staaten angeglichen. Nach den bisherigen Vorgaben galt ein Jahreseinkommen von 16 600 Dollar für eine vierköpfige Familie als ausreichend, einen minimalen Lebensstandard zu garantieren. Tatsächlich, so die Statistiker, müsse die Durchschnittsfamilie dafür heute 19 500 Dollar ausgeben. Unabhängige Sozialforscher gehen davon aus, dass sogar noch mehr Amerikaner arm sind. Nach ihren Berechnungen werden 28 000 Dollar benötigt, um vier Personen mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. Mit der Übernahme von vollständig neu definierten Berechnungsgrundlagen will sich das Weiße Haus allerdings noch "einige Jahre" Zeit lassen - aus Angst vor einer Debatte ausgerechnet im Wahljahr 2000.


DER SPIEGEL 44/1999
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