15.04.2017

ZeitgeschichteKeine Hilfe für DDR-Revoluzzer

Wäre es nach dem Bau der Mauer zu einem Aufstand in der DDR gekommen, hätte die Bundesregierung nicht militärisch eingegriffen. Das belegt das bislang unbekannte Protokoll einer "streng geheimen" Sitzung des Bundesverteidigungsrats, dem Vorläufer des Bundessicherheitsrats. Aus dem Papier, das im Bundesarchiv in Koblenz liegt, geht hervor, dass sich Kanzler Konrad Adenauer mit insgesamt 20 Ministern, Staatssekretären, führenden Militärs und Beamten am 30. August 1961 in seinem Haus in Rhöndorf traf. Es ging um die Lage in Berlin. Zwei Wochen zuvor, am 13. August, hatte die DDR begonnen, eine Mauer zu bauen. Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) und Bundeswehr-Generalinspekteur Friedrich Foertsch warnten vor militärisch angeblich weit überlegenen Sowjets. Foertsch schlug insgesamt 14 "Maßnahmen" vor, Punkt 5 lautete: "Ablehnung einer militärischen Intervention bei einem Aufstand in der SBZ ( gemeint: DDR –Red.), da ein grösserer und militärisch unterstützungswürdiger Aufstand im sowjetischen Aufmarschgebiet nicht möglich ist." Ein Eingreifen sei nur gerechtfertigt, wenn die Menschen im gesamten Ostblock rebellierten und zudem alle Nato-Mitglieder entschlossen seien, "diese Stunde militärisch zu nutzen" – also de facto nie. Laut dem Protokoll stimmte Adenauer ausdrücklich zu.
Von Klw

DER SPIEGEL 16/2017
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