Von Bölsche, Jochen; Pötzl, Norbert F.; Repke, Irina; Schnibben, Cordt
Montag, 20. November 1989
Leipzig
Seit Wochen beobachtet Martin Naumann, 57, Fotoreporter der "Leipziger Volkszeitung", jede der Montagsdemonstrationen auf dem sechsspurigen Promenadenring. "Heute", schreibt er in sein Tagebuch, "sind die Würfel gefallen." Denn: "Es tauchen erstmalig Staatsflaggen der Bundesrepublik auf, dazu rufen die Leute ,Deutschland einig Vaterland'', ein Stück Nationalhymne der DDR, ein Text, den wir in der DDR so lange entbehren mussten."
Trotz Smog sind 250 000 Menschen auf den Beinen, statt "Wir sind das Volk" skandieren sie nun "Wir sind ein Volk". Die Transparente, die Reporter Naumann heute fotografiert, fordern die staatliche Einheit ("Volksentscheid zur Wiedervereinigung") und künden vom Zorn der Bürger, die sich "belogen und betrogen" fühlen von einer raffgierigen Politikerkaste: "Die Bonzen leben wie in Denver und Dallas - gebt den Rentnern nun alles."
Die Grenzöffnung hat die Wut ins Grenzenlose wachsen lassen. Acht Millionen Menschen haben in den letzten zehn Tagen die Bundesrepublik besucht - rechnerisch die Hälfte der DDR-Bevölkerung. Jeder hat bei diesen Ausflügen erfahren, wie groß der wirtschaftliche Vorsprung des goldenen Westens, wie wertlos die Aluminiumwährung des Ostens ist.
Das Gefühl, jahrzehntelang um die Früchte der Arbeit betrogen worden zu sein, verstärkt nicht nur den Wunsch nach rascher Wiedervereinigung, sondern beflügelt auch die abenteuerlichsten Gerüchte über das Wohlleben in Wandlitz, der geheimen Waldsiedlung der Ost-Berliner Spitzengenossen (siehe Analyse Seite 180).
"Über die Lautsprecher kommt ziemlicher Unsinn", notiert Reporter Naumann:
Ein Redner behauptet, das ZK hätte in der Karibik eine Insel gekauft, Honecker hätte sich in der Schweiz operieren lassen und Egon Krenz für 400 000 Dollar in den USA. Die Partei hätte Ferienheime auf Mallorca, Margot Honecker würde einmal in der Woche in die Schweiz zum Kaffeetrinken fliegen und einmal im Monat nach Paris zum Friseur. Alles natürlich Unsinn.
Auch an diesem bitterkalten Abend verabreden sich die Teilnehmer wie nach jeder Leipziger Demonstration für den nächsten Montag.
Heute heißt es: "Kommt auch nach dem ersten Schnee, sonst freut sich die SED."
Ost-Berlin
Seit der Nacht, in der die Mauer brach, hadern die Hardliner der SED mit dem Schicksal: Hätte sich der Genosse Schabowski am Abend des 9. November klarer ausgedrückt, wäre der Sturm auf die Mauer unterblieben und die DDR-Regierung in der Lage, sich die Grenzöffnung von Bonn teuer bezahlen zu lassen.
In kleinem Kreis trauert auch Hans Modrow der guten alten Mauerzeit nach.
Früher, sinniert der neue Ministerpräsident, habe "jeder Grenzübergang der DDR -zig oder hundert Millionen gebracht"; jetzt gebe es 93 Grenzübergänge, also 63 mehr als bisher, "und nun versuchen wir mühsam nachzuklagen, ob wir daraus noch irgend etwas Ökonomisches auf die Beine bringen können".
An diesem Montag sieht Modrow die letzte Gelegenheit, aus dem Betriebsunfall, der plötzlich zur Maueröffnung führte, nachträglich Kapital zu schlagen: Helmut Kohl hat seinen Kanzleramtschef Rudolf Seiters zu einem "Sondierungsgespräch" nach Ost-Berlin geschickt.
Als der Bonner Besucher im Staatsratsgebäude eintrifft, wird er erst einmal umgarnt. Krenz, Modrow und Schalck-Golodkowski erinnern den Gast daran, dass "Freizügigkeit" doch "bekanntlich auf der Forderungsliste der BRD immer ganz oben gestanden hat".
Nachdem Ost-Berlin mit der Maueröffnung "eine große Vorleistung gebracht" habe, drängelt Krenz, solle Bonn sich nun an den Kosten beteiligen.
Die DDR hat ein Problem, das von Tag zu Tag wächst: Solange nur ein paar Rentner in den Westen fahren durften, konnten die Reisenden vergleichsweise kommod mit je 15 West-Mark "Pinkelgeld" (Volksmund) aus Schalcks Devisenkasse ausgestattet werden, eingetauscht für 15 Ost-Mark. Weil nun aber Millionen auf Achse sind, ist absehbar, wann die Valuta-Schatulle geplündert sein wird.
Auch Bonn steckt in der Klemme. Die Bundesrepublik kann an die vielen Millionen DDR-Bürger, die nun die Grenzen passieren, nicht auf Dauer jeweils 100 Mark "Begrüßungsgeld" zahlen. Der Willkommensgruß soll mit Jahresbeginn 1990 entfallen.
Als Ersatz ist ein Reisedevisenfonds im Gespräch, in den beide Seiten einzahlen: DDR-Bürger sollen bis zu 300 Ost-Mark pro Jahr im Verhältnis eins zu fünf in West-Mark wechseln können.
Die SED-Regierung müsse, pokert Seiters, in den Fonds eine Milliarde Mark West einschießen und außerdem auf den Zwangsumtausch (je 25 Mark im Verhältnis eins zu eins) für ostwärts reisende Bundesbürger verzichten. Doch die Ost-Berliner sperren sich: Allein der Wegfall der bisher erhobenen Eintrittsgebühr in die Ost-Republik bedeutet eine Mindereinnahme von 500 Millionen harten Mark.
Die Bonner Emissäre wissen, dass die neuen SED-Regenten mit dem Rücken zur Wand stehen. Und sie nutzen deren Schwäche nach Kräften aus.
Bonn will sich an dem Fonds nur beteiligen, wenn die DDR drei Fragen klar beantwortet: Wann werden freie Wahlen anberaumt? Wann werden neue Parteien zugelassen? Wann wird der Führungsanspruch der SED aus der Verfassung gestrichen?
Krenz würde am liebsten, wie er später festhält, "undiplomatisch antworten: ,Das geht euch gar nichts an. Das ist Sache der DDR''". Jedoch: "Unsere politische und ökonomische Lage lässt mir nur die Wahl, sachlich die Fragen des Bundeskanzlers zu beantworten."
Abends gibt die Redaktion des SED-Zentralorgans "Neues Deutschland" einen wütenden Kommentar in Satz: Die Bundesregierung wolle die DDR offenbar erst dann "belohnen, wenn sie sich als souveräner sozialistischer Staat aufgegeben" habe.
Dienstag, 21. November 1989
Ost-Berlin
Dem Zweizentnermann, der in die Routinesitzung des Politbüros platzt, kullern Tränen unter der Sonnenbrille hervor. Staatssekretär Alexander Schalck-Golodkowski, wichtigster DDR-Devisenbringer, fürchtet um sein Leben: "Jetzt bringen sie mich um."
Überall in der Republik geht der neue SPIEGEL von Hand zu Hand, der Schalcks Geldbeschaffungsmethoden enthüllt: Ein Netz von Tarnfirmen verschiebt Waffen, vermietet Prostituierte und verscherbelt Kunstschätze.
Mit den so erwirtschafteten Devisen kauft Schalck im Westen Abhörwanzen und Computer für die Stasi oder Delikatessen und Preziosen für SED-Prominente - als Geburtstagsgeschenk für Margot Honecker beispielsweise Brillantschmuck zum Preis von 9405,40 West-Mark.
Nun fürchtet der 1,90 Meter große Ex-Ringer, empörte DDR-Bürger könnten ihre Wut an ihm und seiner Frau auslassen. Egon Krenz verspricht Hilfe und Polizeischutz. Und auch der Ministerpräsident will sich für den bedrängten Genossen einsetzen, der stets zur Stelle war, wenn es galt, Konsumententräume von Politbüro-Familien zu erfüllen.
Modrow zu Schalck: "Wir müssen sehen, wie wir da rauskommen."
Nachdem der Premier im Politbüro den heulenden Geldbeschaffer getröstet hat, eilt er in die Geheimdienstzentrale. Im bisherigen Ministerium für Staatssicherheit - nun umetikettiert in Amt für Nationale Sicherheit (Nasi) - will er den zwangsgewendeten Stasi-Führern zu neuem Lebensmut verhelfen.
Anlass für Modrows Auftritt ist die Ernennung von Generalleutnant Wolfgang Schwanitz, Erich Mielkes bisherigem Stellvertreter, zum neuen Amtschef. Gleich zu Beginn der Dienstbesprechung, beim Aussprechen des ungewohnten Amtsnamens, verhaspelt sich der Ministerpräsident: "Es fällt noch schwer, das über die Lippen zu kriegen", entschuldigt er sich bei den Generälen.
Modrows Ansprache - festgehalten in einem internen Wortprotokoll - erhellt, wie der DDR-Spitzenmann gegenüber dem Westen und seinen Koalitionspartnern zu operieren gedenkt.
Die Blockparteien, plaudert Modrow in der vertrauten Runde, habe er davon überzeugt, dass die DDR gegenüber Bonn nicht voreilig Positionen preisgeben dürfe: "Wenn sozusagen gar nichts mehr da ist, dann sind wir nur am Bettelstab. So kann die Geschichte ja nicht gehen."
Mit den Blockpartei-Vorsitzenden sei er sich einig, "dass wir aufhören, schon den Wahltermin festzulegen". Modrow: "Wollen wir doch erst mal mit den anderen verhandeln."
Freie Wahlen will dieser Reformsozialist seinem Volk nur gewähren, wenn der Klassenfeind ihn dafür mit Devisen belohnt.
Eifersüchtig beäugt Modrow seine "Koalitionspartner": Er argwöhnt, dass sich die Blockparteien bis zur Wahl ("Ich gehe davon aus, dass das im Herbst 1990 sein kann") Vorteile auf Kosten der SED zu verschaffen suchen.
Sauer ist Modrow vor allem auf die LDPD, die sich heftig der Opposition anbiedert.
Modrow: "Wer sich einbildet, dass das Neue Forum Blutspender für eine der Parteien werden will und dass die LDPD vielleicht meint, dass das Neue Forum sozusagen in Scharen zur LDPD zieht und daraus die mächtige Partei erwächst, der hat eine Illusion."
"Bislang überhaupt keine Vorstellung" hat der Ministerpräsident, wie er der alten Stasi-Elite gesteht, vom "Umgang mit dieser SDP", weshalb "ihr euch auch vom Amt her einen Kopf mit machen müsst". Die sozialdemokratische Neugründung empfindet Kommunist Modrow als illegitime Konkurrenz zur SED: "Das ist ja die Frage der Spaltung der Arbeiterklasse."
Der neue Nasi-Chef Schwanitz, schon seit 1951 im MfS, ringt um ein zukunftsfähiges Profil seines Amtes. Seine Antrittsrede basiert auf einem vertraulichen Positionspapier, das ihm der 1986 ausgeschiedene Spionagechef Markus Wolf, der nun als Reformer auftritt, wenige Tage zuvor übergeben und erläutert hat.
Teilweise vertritt Schwanitz, Wolfs Formulierungen folgend, die Forderung, mit der Vergangenheit zu brechen. "Wovon müssen wir uns trennen, Genossen?", fragt er in die Runde, um sogleich zu antworten: "Von der These, wir müssten alles wissen, was in diesem Staat geschieht oder nicht funktioniert, und überall Einfluss nehmen." Schwanitz weiter:
Dieses falsche Herangehen führte zu einer Aufblähung unseres Apparates. Um es ganz deutlich zu sagen, Genossen, solch einen riesigen Sicherheitsapparat kann sich kein Staat dieser Welt mit dieser Bevölkerungszahl und dieser Wirtschaft leisten.
Ebenso müsse der Dienst sich "trennen von der operativen Bearbeitung Andersdenkender" und von der Ansicht, "die Politik habe das Primat in der operativen Arbeit". Diese Auffassung habe "faktisch zu der Tatsache geführt, dass das MfS immer mehr das Machtorgan des Generalsekretärs wurde".
Es gibt, so Schwanitz, "auch unter uns noch Genossinnen und Genossen, die meinen, wir können nach außen die Linie der Erneuerung deklarieren und ansonsten so weitermachen wie bisher".
Das, schärft Schwanitz seinen Leuten ein, gehe "auf keinen Fall" - einerseits. Andererseits laviert Schwanitz, um den Laden zusammenzuhalten.
Das Amt müsse Auflösungserscheinungen entgegenwirken: "Nicht dass uns jetzt alles hier anarchisch auseinanderrennt." Vor allem gelte es, dafür Sorge zu tragen, dass dem Gegner kein belastendes Material in die Hände fällt.
"Was dieses Vernichten" von Stasi-Akten angehe, empfiehlt Schwanitz: "Macht das wirklich sehr klug und sehr unauffällig." Denn: "Wir werden stark kontrolliert."
Die kompromittierenden Papiere, weiß Schwanitz aus Äußerungen führender Bürgerrechtler, sollen "für ihr ,Gericht'' aufgehoben werden, das in ihren Vorstellungen ja schon existiert".
Bonn Nikolai Portugalow, 61, einer der führenden sowjetischen Deutschland-Experten, hat sich bei Kohls außen- und deutschlandpolitischem Berater Horst Teltschik, 49, angemeldet.
Der Kanzlergehilfe kennt Portugalow seit zehn Jahren als unverkrampften Gesprächspartner, "äußerst schlitzohrig" und "fast übertrieben freundlich". Heute jedoch wirkt der Russe auf Teltschik "um vieles ernsthafter" als sonst, ja "fast feierlich".
Portugalow übergibt dem Kanzlerberater ein handgeschriebenes Papier. Höflich entschuldigt er sich für seine Schrift und für die angeblich schlechte Übersetzung ins Deutsche.
Der erste Teil, erläutert der Gast, habe regierungsamtlichen Charakter. Die weiterführenden Überlegungen im zweiten Teil dagegen seien lediglich mit Walentin Falin besprochen, dem früheren Bonn-Botschafter und jetzigen Moskauer ZK-Abteilungsleiter für internationale Beziehungen, mit dem Portugalow persönlich befreundet ist.
Gorbatschow, heißt es im amtlichen Teil, gehe davon aus, dass in Bonn kein Zweifel bestehe, dass die Wende in der DDR ohne die Sowjetunion und erst recht gegen sie undenkbar gewesen wäre. In Moskau habe man schon sehr früh gewusst, "im Grunde seit Morgendämmerung der Perestroika", wohin die DDR steuern werde.
Das ist für Teltschik "eine kleine Sensation": Es bedeutet, "dass die Sowjetunion sich mit der Entwicklung in der DDR identifiziert, ja mit dem Hinweis auf die Perestroika sogar die Verantwortung dafür übernimmt".
Im zweiten Teil des Portugalow-Papiers geht es um Fragen der Zusammenarbeit zwischen den beiden deutschen Staaten. Und auch diese Passagen lassen Teltschik "aufhorchen".
Bereits am Freitag hat er den Wortlaut einer erstaunlichen Rede bekommen, die Gorbatschow am 15. November vor Studenten in Moskau gehalten hatte. Darin sprach der Kremlchef ausdrücklich von einer "Wiedervereinigung" Deutschlands, die zwar "heute keine Frage der aktuellen Politik" sei, die er aber, wie die Formulierung nahe legt, auch nicht erst in ferner Zukunft sieht.
Gorbatschow bezeichnete die Frage der Einheit ausdrücklich als "innere Angelegenheit" beider deutscher Staaten, nicht nur der DDR. Und er fuhr fort: "Wie die Geschichte weiter verfügen wird? Kommt Zeit, kommt Rat."
Die Gorbatschow-Worte im Kopf, liest Teltschik, was Portugalow über Wiedervereinigung, EG-Beitritt der DDR, Zu-
gehörigkeit zu den Militärbündnissen und zur Möglichkeit eines Friedensvertrags aufgeschrieben hat.
"Wie Sie sehen", sagt der Russe, "denken wir in der deutschen Frage alternativ über alles Mögliche, sogar quasi Undenkbares nach." Er könne sich vorstellen, dass die Sowjetunion mittelfristig einer wie immer gearteten deutschen Konföderation grünes Licht geben werde.
Teltschik ist "wie elektrisiert". Offenbar denken die Regierenden in Moskau schon weiter als die in Deutschland. Der Berater eilt zu seinem Kanzler. Der hatte noch eine Woche zuvor durch seinen Unterhändler Walther Leisler Kiep der DDR-Regierung bei einem Geheimtreffen im Ost-Berliner Palasthotel signalisiert, die deutsche Einheit stehe nicht auf der Tagesordnung.
Wenn nun jedoch die sowjetische Führung die Möglichkeit der Wiedervereinigung erörtere, erkennt Teltschik, dann sei es "höchste Zeit, dass wir das nicht mehr länger im stillen Kämmerlein tun, sondern in die Offensive gehen".
Fast zur selben Zeit spricht Außenminister Hans-Dietrich Genscher im Weißen Haus vor.
Präsident George Bush gibt zu erkennen, dass in den USA seit dem Mauerfall viele Vorbehalte gegen eine Wiedervereinigung Deutschlands geschwunden seien. Allerdings: "Friedlich", fordert Bush, müsse der Prozess des Zusammenwachsens schon vonstatten gegen.
Die deutsche Einheit, verspricht Genscher daraufhin dem US-Präsidenten, werde nicht als "brüllende Löwin" auferstehen, sondern als "Taube des Friedens".
Und er zitiert, was seine Landsleute tags zuvor in Leipzig gerufen haben: "Wir sind ein Volk."
Mittwoch, 22. November 1989
Ost-Berlin
Ehrhart Neubert vom Demokratischen Aufbruch ist überrascht: Die Wendehälse von der SED scheinen plötzlich "die Opposition überholen zu wollen, um die Initiative wiederzugewinnen".
Während einer Besichtigung der Energieanlagen-Fabrik VEB Bergmann-Borsig in Pankow hat Egon Krenz blitzschnell einen tags zuvor präsentierten Vorschlag der Systemkritiker aufgegriffen: Alte und neue Parteien sollten gemeinsam an einem "Runden Tisch" über die Zukunft des Landes beraten.
Die Idee stammt aus Polen. Dort war das kommunistische Regime, das sich seit 1981 auf Ausnahmeverordnungen stützte, im Februar 1989 gezwungen worden, den Weg friedlicher Verhandlungen mit der Opposition einzuschlagen. Vier Monate später führten Neuwahlen zu einem gewaltfreien Übergang vom totalitären zum demokratischen System.
Die diversen Oppositionsgruppierungen in der DDR träumen davon, dem polnischen Beispiel zu folgen. Doch organisatorische Zersplitterung, diffuse Programmatik und strategische Defizite haben ein Zustandekommen bisher verhindert.
Das Neue Forum, die breiteste oppositionelle Bewegung, hat zwar 200 000 Unterschriften gesammelt. Aber auch zwei Monate nach der Gründung gibt es noch keinen legitimierten Sprecherrat.
Nachdem die Bürgerrechtsgruppe Demokratie Jetzt! die seit Wochen herumgeisternde Idee eines Runden Tisches in eine konkrete Einladung umgesetzt hatte, sagte als erste der alten Blockparteien die LDPD ihre Mitwirkung zu. Parteichef Manfred Gerlach, vormals ein besonders willfähriger Gehilfe der SED und nun der fixeste Reformer unter den Blockflöten, meint, die drängendsten Probleme müssten gemeinsam angepackt werden: "Die Talsohle der Krise ist noch nicht erreicht."
Der Zustand der Opposition ermutigt Krenz, den Vorschlag aufzugreifen: Ein Runder Tisch gibt der SED die Chance, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen. So kann der umstrittene Generalsekretär vor dem nächsten Parteitag, auf dem über seine politische Zukunft entschieden wird, noch rasch ein Signal seiner Reformbereitschaft aussenden.
Wer am Runden Tisch sitzen und was dort verhandelt werden soll, ist ebenso offen wie die Frage, welche Entscheidungskompetenz das Gremium hat. Der Runde Tisch, so Neuberts wolkige Interpretation, habe "zunächst einmal keine parlamentarische Funktion", sondern "mehr ein politischmoralisches Gewicht".
Die Vertreter der alten Macht können auch aus einem anderen Grund optimistisch sein: Die Blockparteien und die Oppositionsgruppierungen, mit denen sie sich an einen Tisch setzen wollen, sind noch immer dicht durchsetzt mit Einflussagenten der Stasi-Nasi.
Donnerstag, 23. November 1989
Ost-Berlin
Autogrammstunde im Kino "International" in der Karl-Marx-Allee. Menschentrauben ballen sich um Manfred Krug, 52, der - Brille auf der Nase und flotte Sprüche auf den Lippen - unermüdlich seinen Namenszug schreiben muss.
Der einst populärste DDR-Schauspieler, Held in 40 Filmen und 20 Fernsehspielen, war 1977 nach West-Berlin ausgereist. Weil er gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann protestiert hatte, war er bei den SED-Kulturpolitikern in Ungnade gefallen.
Nun ist der Star zurückgekehrt: Nach 23 Jahren des Verbots wird im "International" der legendäre Spielfilm "Spur der Steine" (Hauptdarsteller: Manfred Krug) wieder aufgeführt - ein zeitkritischer Streifen, der wie viele andere Defa-Produktionen 1966 das Missfallen der SED erregt hatte und nach inszenierten Krawallen in den Giftschrank verbannt worden war.
"Ich habe damals den ersten Hieb auf die Birne gekriegt", erzählt Krug vor der Wiederaufführung einem anderen prominenten Kinobesucher: Egon Krenz, der durch seine Präsenz demonstrieren will, dass es in der Kulturpolitik "auch anders geht" als einst.
Schon während der Vorstellung gibt es Szenenapplaus für nach wie vor "aktuelle Passagen" (Krug) des Films. Als der Abspann läuft, reißt es auch jene aus den Klappsesseln, die 1966 noch in die Krippe gingen.
Auf der Bühne, inmitten des beifallumtosten Filmteams aus alten DDR-Zeiten, zeigt sich Krug überglücklich: Offenbar gebe es "nun doch noch andere Wege der künstlerischen Auseinandersetzung" als jene, "derentwegen ich meine DDR verlassen habe".
Kaum einer der begeisterten Zuschauer bemerkt, dass während der Vorstellung ein Sicherheitsoffizier zu Krenz eilt und ihm zuflüstert, "Genosse Honecker" wolle ihn am Telefon "unbedingt sprechen": "Er lässt sich nicht abweisen."
Von einem Nebenraum aus telefoniert Krenz mit seinem Vorgänger. Honecker ist außer sich: "Ich habe eben in den Nachrichten gehört, dass ein Parteiverfahren gegen mich eingeleitet wurde."
Tatsächlich hat die Zentrale Parteikontrollkommission beschlossen, den Genossen mit dem Personalausweis A 000 000 1 (siehe Porträt Seite 178) nach fast 60-jähriger Mitgliedschaft aus der SED zu verbannen. Gegen Honecker - der noch am 18. Oktober im ZK und am 24. Oktober in der Volkskammer mit Dank verabschiedet worden ist - läuft nun ein förmliches Ausschlussverfahren.
Krenz bemüht sich, den Anrufer zu beschwichtigen. Wegen Honeckers angeschlagenem Gesundheitszustand seien "keinerlei Aussprachen" zu erwarten: "Das heißt, die Sache ruht."
Doch der Abgehalfterte will sich nicht beruhigen. "Ich habe den Eindruck", hält Krenz in seinem Tagebuch fest, "Honecker fürchtet den Ausschluss aus der Partei mehr als ein Gerichtsverfahren."
Freitag, 24. November 1989
Ost-Berlin
Schon vor 14 Tagen hat der SED-Chef seinen Großen Bruder in Moskau dringend um politische Orientierungshilfe gebeten: Wie soll es weitergehen mit DDR und BRD?
Gorbatschow hat seinen Berater Walentin Falin nach Ost-Berlin in Marsch gesetzt. In der sowjetischen Botschaft soll er die ostdeutschen Genossen vorsichtig auf einen Moskauer Kurswechsel mit weltpolitischen Konsequenzen vorbereiten.
Als Krenz nach dem vielstündigen Gespräch die Botschaft verlässt, schwirrt ihm der Kopf: Falin hat ihn - und Modrow, der verspätet hinzukam - doch tatsächlich aufgefordert, über eine "Neuvereinigung" der beiden deutschen Staaten nachzudenken. Im Übrigen solle die SED, um nicht weiter in die Defensive zu geraten, ihre "Theorie von den zwei deutschen Nationen" revidieren.
Die Kursänderung ist schwer zu verkraften für Krenz. Im "Wiedervereinigungsgerede" hat er immer nur eine Spielart des Rechtsradikalismus gesehen. Und stets hat er betont, seine Heimat sei nicht Deutschland, sondern die DDR.
Den treuen Vasallen Moskaus beschleicht "in diesem Herbst zum ersten Mal das eigenartige Gefühl, um die DDR wird gefeilscht" zwischen der maroden UdSSR und den kraftstrotzenden USA.
"Nabelt sich die Sowjetunion ab?", notiert Krenz über das Gespräch mit Falin. Und tief verunsichert fügt er hinzu: "Ich will es nicht glauben, schließe es aber auch nicht mehr aus."
Ost-Berlin
Sie tragen zwar keine Uniformen, aber die in beige-braune Kittel gekleideten Kassiererinnen im "Centrum"-Warenhaus am Alexanderplatz erfüllen hoheitliche Aufgaben: Sie wollen die Personalausweise ihrer Kunden sehen.
Wenn die irritiert mit den Schultern zucken, fragt das Personal nach "Dokumenta" - das verstehen die zumeist polnischen und rumänischen Käufer, die sich in der DDR massenhaft und billig mit staatlich hoch subventionierten Waren eindecken.
Körbeweise kaufen Kundinnen Wurst, Backpulver und Gewürze ein. Ihre Männer deponieren die Ware bis zur Heimreise in Schließfächern am nahe gelegenen S-Bahnhof, während sie selbst erneut auf Einkaufstour gehen.
Damit soll nun Schluss sein. Die Regierung Modrow hat "unpopuläre Maßnahmen" verkündet, mit denen der befürchtete Ausverkauf subventionierter Waren ins westliche wie ins östliche Ausland verhindert werden soll.
Lebensmittel und "Untertrikotage", wie Dessous auf DDR-Deutsch heißen, sind nur noch gegen Vorlage des blauen DDR-Ausweises erhältlich. Polnische Autofahrer dürfen die Transitstrecken durch die DDR nicht mehr verlassen.
"Endlich mal, dass unsere Regierung was Ordentliches unternimmt", freuen sich die Werktätigen. Schon lange schwelt der Unmut über Durchreisende, die über die offenen Grenzen kommen und in Riesenmengen ostdeutsche Produkte wegschleppen. Denn mehr als vier Fünftel der tatsächlichen Kosten für die Herstellung oder den Import von Lebensmitteln werden in der DDR vom Staat und damit von der Bevölkerung getragen - allein 1989 schießt die Regierung 33,1 Milliarden Mark zu.
Schnittfeste Salami beispielsweise, die für 10,80 Ost-Mark das Kilogramm über die Ladentheke geht, müsste eigentlich 24,80 Mark kosten - die Differenz zahlt der Staat drauf.
In der DDR-Presse werden die Schmuggelaktionen immer häufiger angeprangert. So ist zu lesen, dass am Grenzzollamt Görlitz bei einem Polen zwei Zentner Haselnüsse sowie 16 Angelruten, 26 Angelnetze und 60 Rollen Angelschnur beschlagnahmt worden seien.
Das ist die eine Seite des freien Reiseverkehrs. Die andere erleben DDR-Bürger, wenn sie in den Westen fahren.
Weil die Ost-Mark als reine DDR-Binnenwährung nicht konvertierbar ist, entwickeln sich Willkürkurse nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage, und der Reisestrom der letzten Wochen drückt den Schwarzmarktpreis. Für eine Ost-Mark erhält der DDR-Bürger gerade noch fünf Pfennig West. Für denselben Betrag kann ein West-Berliner im Ostteil der Stadt zwei Pfund subventioniertes Brot kaufen.
Modrow beschwört seine Landsleute, ihr hart erarbeitetes Geld "im Westen nicht wegzuwerfen". Doch die opfern ihr Erspartes - verächtlich "Ostlappen" oder "Kosakendollar" genannt - gern für Waren, die sie daheim nicht kaufen können.
Seit der Öffnung der Grenze am 9. November sind nach offiziellen Angaben fast drei Milliarden Mark Ost illegal nach West-Berlin und in die Bundesrepublik geschafft worden. Das Neue Forum appelliert daher an die DDR-Bürger:
Beteiligt euch nicht am Ausverkauf unseres Landes ... Nehmt keine Schwarzarbeit auf, verkauft keine Kunstwerke und subventionierte Waren, tauscht keine DDR-Mark zum Schwindelkurs - die gleiche DDR-Mark kauft uns später die Regale leer.
Doch der Aufruf verpufft - allzu begrenzt sind die Möglichkeiten, legal an die ersehnten Devisen zu kommen.
Die SED, um Selbstreinigung bemüht, straft die Verursacher der Misere ab: Als Hauptschuldiger wird der ehemalige Wirtschaftslenker Günter Mittag ausgemacht. Gerhard Schürer, 24 Jahre lang Leiter der Staatlichen Plankommission der DDR, nennt Mittag nun den "Mephisto im Politbüro".
An Mittags verhängnisvollem Kurs, die Wirtschaft auf Verschleiß zu fahren, ökologischen Raubbau zu betreiben und soziale Wohltaten auf Pump zu finanzieren, hatte Parteichef Erich Honecker niemals Kritik zugelassen - mit eiserner Konsequenz führten der Generalsekretär und sein Vertrauter die DDR in den Ruin.
Sonnabend, 25. November 1989
Ost-Berlin
Staunend sieht das Volk, wie seine Führer wohnten. Das schrille TV-Jugendmagazin "Elf99", erst seit September auf Sendung, zeigt das süße Leben der früheren Politprominenz im Bonzenghetto Wandlitz.
Egon Krenz, die Nase immer im Wind des Wandels, hat den Privilegienpfuhl am vergangenen Wochenende fluchtartig verlassen. Er ist in ein früheres Gästehaus für westdeutsche Politiker in Pankow gezogen.
Das "Elf99"-Team ist Anfang der Woche unangemeldet, aber mit laufender Kamera zu der geheimen Waldsiedlung am Nordrand Berlins gefahren, die hinter grauen Mauern versteckt ist. Am Eingang wurden die Reporter von den Wachposten abgewiesen.
Ein Offizier des "Wohnobjekts Waldsiedlung" erklärte, die Anlage sei ein "militärisch gesichertes Objekt". Eine Drehgenehmigung müsse bei der Abteilung Agitation des SED-Zentralkomitees beantragt werden.
Also fuhr das Team zum ZK-Gebäude. Dort bequemte sich ein Funktionär schließlich vor die Kamera und erklärte, die Agitationsabteilung sei aufgelöst - was zu diesem Zeitpunkt nicht stimmte. Er werde den Wunsch der "Elf99"-Redaktion aber an die SED-Spitze weiterleiten.
Tags darauf rief Günter Schabowski, der PR-Mann des gewendeten Politbüros, in der Redaktion an. Nach einigen nörgelnden Sätzen darüber, warum das Fernsehen denn in dieser Wunde wühlen müsse, versprach er freien Eintritt für ein Kamerateam - von der "Aktuellen Kamera". Nach langem Hin und Her durfte dann auch "Elf99" mit.
Den wahren Luxus bekamen die TV-Reporter nicht zu sehen: Um das Wohl der zwei Dutzend Politbüro-Familien hatten sich mehr als 600 Domestiken gekümmert.
Der Hofstaat der Greisenriege erledigte alles: vom Hausputz bis zum Einkauf, von der Reparatur des Wasserhahns bis zur Gartenpflege. Sämtliche Chauffeure, Gärtner, Pförtner und Verkäuferinnen waren Stasi-Leute.
Beliefert wurden die Wandlitzer von der Abteilung Kommerzielle Koordinierung des unentbehrlichen Schalck-Golodkowski, auch er ein Offizier im besonderen Einsatz der Staatssicherheit. Schalck verscherbelte die für teure Devisen gekauften Artikel zu Sonderkonditionen: westlicher Großhandels-, also Einkaufspreis plus die Hälfte der im Westen üblichen Handelsspanne - und dies dann in Ost-Mark zum Kurs eins zu eins.
Ein Farbfernseher etwa, der im Großhandel für 1500 Mark zu haben ist und für 1900 bis 2000 Mark über westliche Ladentische geht, kostete die Wandlitzer nur 1700 bis 1750 Ost-Mark. Ein normaler DDR-Bürger musste für ein vergleichbares Gerät 6500 Ost-Mark hinblättern - sechsmal so viel, wie ein Facharbeiter im Monat verdient. Von dem Angebot wurde reichlich Gebrauch gemacht. Wirtschaftslenker Mittag etwa legte sich jedes Jahr durchschnittlich zehn TV-Geräte zu.
Als das "Elf99"-Team am 23. November anrückte, waren die anstößigen West-Waren aus Wandlitz entfernt worden. Stasi-Generalleutnant Günter Wolf, weder verwandt noch verschwägert mit Ex-Spionagechef Markus Wolf, aber im Tarnen und Täuschen nicht minder begabt, hatte die Enthüllung inszeniert.
Der Leiter der Hauptabteilung Personenschutz und Betreuung sorgte dafür, dass das Fernsehteam filmen durfte. Zuvor aber hatte die Stasi Kühlschränke, Fernseher und Radios, Delikatessen und Textilien beiseite geschafft - ins Palasthotel gegenüber dem Palast der Republik. Als die Luft wieder rein war, ließ der Stasi-General die Ware nach Bohnsdorf in der Nähe des Flughafens Schönefeld karren. Auch davon bekam das "Elf99"-Team Wind.
Als die Fernsehleute am Lager eintrafen, waren jedoch gerade zwei Staatsanwälte dabei, die Tore zu versiegeln. Wieder gab es keine Bilder von der Schieberware des Politbüros, aber Reporter Jan Carpentier konnte die Staatsgewalt in ein hübsch anzuschauendes Interview verwickeln.
Wandlitz war der erste Versuch, Kommunismus auf deutschem Boden zu verwirklichen: Hier zählte nicht die Leistung, hier bestimmten allein die Bedürfnisse der Bewohner. Die SED-Elite verfügte über einen eigenen Supermarkt, ein Gästehaus, ein Clubhaus und ein Schwimmbad. Die Häuser waren durchnummeriert, denn die Straßen der Siedlung hatten keine Namen.
Neben der Waldsiedlung standen der Nomenklatura riesige Jagdreviere samt Jagdhäusern und -personal zur Verfügung. Mielke, wie Honecker leidenschaftlicher Weidmann, ließ das Halali von Stasi-Männern in Jägeruniform bewachen.
Wenn die Strecke zu knapp ausfiel, wurde sie schon mal angereichert. So mussten Arbeiter aus dem VEB Fleischkombinat Erfurt vorsorglich tiefgefrorene Hasen auftauen, die fürs repräsentative Foto zurechtgelegt wurden.
Kurt Hager, ehemaliger Chefideologe der SED, kann der Vorzugsbehandlung neuerdings nichts mehr abgewinnen.
Er wird nebst Gattin von dem TV-Team auf der Straße angetroffen und wünscht sich "angesichts der Hetze, die überall getrieben wird, dass man das als Internierungslager erklärt". Er habe sich nur "den Beschlüssen gebeugt", als er hergezogen sei.
Vom 31. Mai 1960 stammt der Beschluss, dem die Prominentensiedlung ihr Entstehen verdankt. Bis dahin wohnte die SED-Führung überwiegend im Berliner Stadt-
bezirk Pankow. Eine Kasernierung, argumentierte das MfS, sei aus Sicherheitsgründen unumgänglich. Jedes Politbüromitglied musste fortan nach Wandlitz.
Es war ein "absurder Sicherheitskult", urteilt Schabowski im Nachhinein. Zur Tarnung standen rund um das Gelände irreführende Schilder, die immerhin hintersinnig die Jagdleidenschaft der alten Herren spiegelten: "Wildforschungsgebiet".
Sonntag, 26. November 1989
Ost-Berlin
In vielen Zeitungen des Landes erscheint ein Aufruf "Für unser Land". Initiiert haben den Appell für die Rettung der DDR die Intellektuellen Stefan Heym, Konrad Weiß, Volker Braun und Christa Wolf:
Entweder: können wir auf der Eigenständigkeit der DDR bestehen ... Oder: wir müssen dulden, dass, veranlasst durch starke ökonomische Zwänge und durch unzumutbare Bedingungen, an die einflussreiche Kreise aus Wirtschaft und Politik in der Bundesrepublik ihre Hilfe für die DDR knüpfen, ein Ausverkauf unserer materiellen und moralischen Werte beginnt un d über kurz oder lang die Deutsche Demokratische Republik durch die Bundesrepublik vereinnahmt wird.
Noch, meinen die intellektuellen Wortführer, gebe es die "Chance, in gleichberechtigter Nachbarschaft zu allen Staaten Europas eine sozialistische Alternative zur Bundesrepublik zu entwickeln".
Zum Entsetzen der gutgläubigen Initiatoren unterzeichnen - und entwerten - den Aufruf auch zwei prominente Trittbrettfahrer: Hans Modrow und Egon Krenz.
JOCHEN BÖLSCHE; NORBERT F. PÖTZL,
IRINA REPKE, CORDT SCHNIBBEN
DER SPIEGEL 47/1999
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