27.05.2017

MoskauJustiz gegen Gogol

Die russische Justiz hat ein absurdes Schauspiel inszeniert. Sie hat Moskaus innovativstes Theater – das Gogol-Zentrum – von maskierten Bewaffneten abriegeln lassen und die Wohnung von Theaterchef Kirill Serebrennikow durchsucht. Seine Produktionsfirma habe Fördergelder unterschlagen, lautet die offizielle Erklärung. Die Theaterszene ist entsetzt. Noch während Ermittler Akten aus dem Theater trugen, verlasen vor dem Gebäude prominente Schauspieler einen Aufruf für Serebrennikow. Er ist das Enfant terrible des Schauspiels, produktiv und provokant, bewundert und verhasst. Mit dem Gogol-Zentrum hat er in Moskau geschaffen, was Frank Castorfs Volksbühne für Berlin war: eine Experimentierplattform, die politisch interessierte junge Leute anzieht. Die Staatsanwaltschaft ermittelte schon früher wegen angeblich unsittlicher Aufführungen, aber Serebrennikow hatte Freunde mit Einfluss. Nun aber scheint der Spielraum für das Theater enger zu werden. Wenn Präsident Putin am 29. Mai nach Frankreich reist, wird er dazu lästige Fragen hören. Denn dort kennt und schätzt man Serebrennikow. Sein Film "Der die Zeichen liest" über einen jungen, christlich-orthodoxen Fanatiker wurde 2016 in Cannes geehrt.
Von Esc

DER SPIEGEL 22/2017
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Moskau:
Justiz gegen Gogol

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