05.08.2017

Suizid in HaftanstaltKeine Konsequenzen

Der Selbstmord des mutmaßlichen islamistischen Attentäters Jaber Albakr in einer Leipziger Haftanstalt bleibt ohne juristische Konsequenz. Die Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen die Anstaltspsychologin und den stellvertretenden Chef der Haftanstalt wurden eingestellt. Albakr war unter Hinweis auf Suizidgefahr in die Anstalt eingeliefert worden und hatte sich kurz darauf an den abgetrennten Ärmeln seines Shirts erhängt. Aus Sicht der ermittelnden Staatsanwaltschaft Leipzig sei für die Beschuldigten nicht absehbar gewesen, dass der Mann eine Gefahr für sich selbst dargestellt habe. Der Haftbefehl des Amtsgerichts Dresden habe offengelassen, "was genau der Plan des Gefangenen gewesen sein soll". Die Polizei hatte in Albakrs Chemnitzer Wohnung 1,5 Kilogramm Sprengstoff gefunden. Sie ging davon aus, dass der Mann einen Anschlag in Berlin plante. Die Leipziger Ermittler argumentieren, "Selbstmordattentäter planen in erster Linie und vordergründig Morde, nicht Selbstmorde". Ähnlich sah es ein hinzugezogener Gutachter. Ein vertraulicher Abschlussbericht anderer Experten kam zu dem Schluss, Albakr sei in der Haftanstalt "unangemessen betreut" worden. Zudem sei "Sachverhalten nicht nachgegangen" worden, "die als Anzeichen für die Entwicklung einer Suizidgefahr hätten wahrgenommen werden können".
Von Stw

DER SPIEGEL 32/2017
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