26.08.2017

ZeitgeistDer Fluch der Mumie

Die koloniale Geschichte Europas sorgt für erregte Debatten, nicht nur über das Berliner Humboldtforum. Es wurde aber auch Zeit! Diskursiv sind wir nicht viel weiter als in einem Tim-und-Struppi-Band. Von Nils Minkmar
In diesem Sommer hat die Vergangenheit die Gegenwart fest im Griff. In den Vereinigten Staaten sorgen einige Reiterstandbilder von Generälen der Südstaatenarmee, die bislang kaum beachtet wurden, für gewalttätige Ausschreitungen und erbitterte politische Debatten.
Seit nicht mehr ein Schwarzer Präsident ist, soll noch mal darüber gestritten werden, ob an der Sklavenhaltergesellschaft des alten Südens nicht doch noch etwas Bewahrenswertes war, etwas, das heldenhaft gegen den Zeitgeist verteidigt werden muss. In Großbritannien wird immer wieder Kritik am Denkmalpflegeverband National Trust laut, der allzu politisch korrekt mit den Erbauern der schönen Landsitze verfährt und, wegen wenig ruhmreicher Kolonialvergangenheit, deren Büsten entfernt, während das Personal Buttons mit der Regenbogenflagge trägt. Aus der britischen Regierung wurde wiederum bekannt, dass ein Entwurf für die Zeit nach dem Brexit die Überschrift "Empire 2.0" trug – "Zurück in die Zukunft" ist nicht mehr bloß ein Filmtitel aus einer selbst schon historisch gewordenen Zeit, sondern politische Programmatik. In Frankreich war im letzten Präsidentschaftswahlkampf eine ähnliche Sehnsucht nach einer Rückkehr in eine imaginierte Vergangenheit zu beobachten: Wie vor ihm schon Präsident Nicolas Sarkozy hatte der konservative Kandidat François Fillon die allzu strenge kulturelle Aufarbeitung der französischen Kolonialvergangenheit kritisiert. Insbesondere die Schulbücher sollten stärker herausstellen, welche Leistungen die Kolonisierer erbracht hätten, statt diese immer nur schlechtzumachen. Und als schließlich der heutige Präsident Emmanuel Macron in einem Interview mit dem algerischen Fernsehen die gesamte Kolonialgeschichte Frankreichs in Algerien als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" bezeichnete, gab es heftigen Protest. Ehemalige Algerienfranzosen versammelten sich vor seinen Wahlkampfveranstaltungen und beschuldigten ihn, sie ein zweites Mal vertrieben zu haben.
Nervosität macht sich also breit. Maureen Dowd, die coole Kolumnistin der "New York Times", schreibt vom "letzten Krächzen des weißen Mannes", der sich dagegen wehrt, die Bühne der Geschichte und der symbolischen Repräsentation mit anderen Völkern und dem anderen Geschlecht teilen zu müssen. Angst vor dem Unbekannten ist es auch: Seit Jahrhunderten übt der Westen reale und symbolische Dominanz aus – was könnte danach kommen? Man weiß nicht einmal, was vorher war, jedenfalls nicht so genau.
Immer noch verliert sich jede ernsthafte Beschäftigung mit dem kolonialen Erbe in einem öffentlichen Nebel aus Vorurteilen und Klischees. Entweder wird der Vorzug der kolonialen Zivilisierung gepriesen oder die ehemaligen Kolonien und deren Bewohner werden zu einem einzigen Opferland, in dem es keine Namen, Interessen oder Geschichte gibt. So reden wir, wenn wie über die Zeit des Kolonialismus reden, schließlich allein von uns selbst: Was sind wir doch für Schurken, oder: Was haben wir nicht alles für die Armen getan, und wo bleibt die Dankbarkeit? Aber wer fragt die, über die da geredet wird? Wie blicken wir gemeinsam nach vorn? Abstrakt leuchtet uns ein, dass jeder Mensch Rechte hat – aber auch eine Stimme? Auch Ansprüche und eine Geschichte? Die Flüchtlingsbewegungen nach Europa wirkten wie ein Schock: Migranten bringen auch Vergangenheit mit, ihre und unsere. Oft genug sind das Horrorgeschichten, die wir gern verdrängen und die gerade darum immer wieder auftauchen.
In Großbritannien war es ein Schock, als der gemäßigte indische Politiker und Schriftsteller Shashi Tharoor im Frühjahr ein Buch publizierte, in dem er nachvollziehbar aufrechnete, was die Kolonisierung Indiens durch die Briten für Folgen hatte. Dass Indien zuvor ein wohlhabendes Land war und in bitterer Armut zurückgelassen wurde. Dass die Eisenbahn nur dazu diente, Truppen zu verlegen und Ernte abzuziehen. Dass Rechtssystem und Bildung allein im Interesse der Kolonialmacht eingeführt wurden, nach Standards, die westlichen Werten Hohn sprechen. Erst solch eine nüchterne Analyse erinnerte das britische Publikum daran, warum die Begeisterung für "Empire 2.0" im sogenannten Commonwealth auf wenig Begeisterung stoßen dürfte. Und dass die schönen Kostümfilme aus der eleganten und melancholischen Zeit des Raj verdeckten, was sie zu zeigen vorgaben, denn das alte Indien war ohne die Briten besser dran.
Es ist die mangelhafte Bearbeitung dieser Fragen, die unsere heutigen und zukünftigen internationalen Beziehungen vergiften. Das Verdrängen funktioniert auch gar nicht mehr. Die heftigen Reaktionen auf den postkolonialen Diskurs, der als politische Korrektheit denunziert wird, weisen darauf hin, dass die Vergangenheit längst als Albtraum empfunden wird. Daraus wachen wir erschrocken und panisch auf, das Gesicht fragend und schmerzverzerrt, so wie jene sieben Wissenschaftler, die im klassischen Tim-und-Struppi-Band "Die sieben Kristallkugeln" aus dem Koma hochfahren. In dieser Geschichte aus den Vierzigerjahren geht es ganz präzise um die moralischen Implikationen wissenschaftlicher Grabschändung in der Zeit der europäischen Kolonien; alle Elemente sind vorhanden. Wissenschaftler rauben eine Mumie, deren Nachfahren rächen sich dafür durch Attentate mit einem Gift, das sich über die Luft verbreitet. In Hergés Comicband sind beide Seiten gleich grausam: die Grabräuber im Namen der Wissenschaft, die dennoch wie wahre Gentlemen gezeichnet werden, so wie die südamerikanischen Ureinwohner, die in einer Fortsetzung den Helden Tim auf einem Scheiterhaufen zu opfern drohen, bis Rettung in letzter Minute kommt. Eigentlich ist in dieser Geschichte, von Tim abgesehen, nur ein junger Indio unschuldig; er symbolisiert die Zukunft, deretwegen die Geschichte überhaupt erzählt wird. Hergé ließ sich dazu von einem Brüsseler Museum inspirieren, in dem damals eine Inka-Mumie ausgestellt war. Belgien überarbeitet derzeit das große Museum zur Geschichte Zentralafrikas, es eröffnet im kommenden Jahr.
Diskursiv sind wir nicht viel weiter als in dem Tim-und-Struppi-Band. Der Fluch der Mumie ist als Topos so alt wie die wissenschaftliche Beschäftigung mit fremden Kulturen selbst, eine populärwissenschaftliche Chiffre für das schlechte Gewissen, mit dem die Beute des westlichen Wissensdurstes aufgenommen wurde. So ist es bis heute geblieben – die Objekte sind hier, in Museen und Sammlungen, aber über ihre Herkunftsgeschichte wird nicht geredet, als würde man sonst den Fluch der Mumie wecken. Hierzulande ergibt sich ein Sonderfall: Wegen der singulären, jeden Rahmen sprengenden Verbrechen des Nationalsozialismus und wegen des Unrechtsregimes in der DDR, davor des vom Zaun gebrochenen Ersten Weltkriegs, hatte das deutsche 20. Jahrhundert so viel Sondermüll erzeugt, der unter Mühen behandelt werden musste, dass das koloniale Kapitel da fast schon vernachlässigenswert erschien. Doch solche selbst ausgestellten Persilscheine sind so lange wertlos, wie sie den Dialog mit den einst Kolonisierten vermeiden. Deutschland kann sich schlecht selbst bescheinigen, eine verträgliche bis irrelevante Kolonialmacht gewesen zu sein, solange nicht klar ist, was noch aus den Kolonien bei uns ist und die langfristigen Wirkungen vor Ort nicht erforscht wurden. Denn was in dem ganzen Mumiendiskurs fehlt, ist eine genaue Bestandsaufnahme. Über das, was Kolonialismus war und inwiefern er weiterwirkt, gibt es meist nur schematische Vorstellungen.
Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet das wichtigste kulturpolitische Projekt der Bundesrepublik, das Humboldtforum im rekonstruierten Stadtschloss zu Berlin, von dieser Aufforderung des Zeitgeistes wie überrascht scheint. Erst als die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy aus Protest gegen die ungenügende Provenienzforschung und die geringe Mühe, den kolonialen Diskurs aufzuarbeiten, aus dem Beirat des Humboldtforums austrat, wurde die Lethargie deutlich, mit der sich die drei Intendanten dazu äußern. Das Humboldtforum wird aus der ganzen Welt beobachtet, es sollte ein Symbol sein für die zentrale, die beste Qualität westlichen Denkens, nämlich die öffentliche, diskursive Selbstreflexion. Davon scheint man weit entfernt.
Savoy fordert eine Umrüstung des Museums. Es soll zu einem Ort der Inspiration werden, der Reibung, einem Ort, an dem Ressourcen erzeugt und aufgenommen werden, an dem sich "die Seele nährt". Sie plädiert nicht dafür, die Objekte aus ehemaligen Kolonien zu restituieren oder leere Vitrinen auszustellen. Überdies ist eine angemessene Konservierung und Ausstellung der Objekte in ihren jeweiligen Herkunftsregionen auch nicht gesichert. Wer soll denn derzeit bewahrenswerte Objekte in den Jemen zurückschaffen?
Savoy weist, etwa in ihrer lesenswerten Antrittsvorlesung am Collège de France, vielmehr darauf hin, wie sehr die moderne Kunst davon profitierte, dass sich wache Geister aus aller Welt mit Masken und Skulpturen auseinandersetzten. Hier war eine wesentliche Quelle der künstlerischen Avantgarde. Allerdings ist es unmöglich, die wissenschaftliche oder ästhetische Sammelwut im kolonialen oder militärischen Kontext von heutigen moralischen Bewertungen loszulösen. Wenn das Museum ein relevanter, ja brisanter Ort bleiben soll, dann muss die Frage der kriminellen Vergangenheit mancher Objekte im Zentrum behandelt werden. Die Folge davon ist, dass man die Objekte nicht als Besitz behandeln darf. Schon der Begriff "Preußischer Kulturbesitz" ist, wie Savoy im Gespräch bekräftigt, "vollkommen widersinnig". Diese Objekte gehören der ganzen Welt, und vor einer weltweiten Öffentlichkeit muss auch die Aufarbeitung ihrer Geschichte versucht werden. Das beschädigt nicht den universellen Anspruch der westlichen Moderne, sondern bekräftigt ihn erst.
Zahlreiche Museen sind auf diesem Weg vorangeschritten. Das Übersee-Museum in Bremen etwa begann im August mit einer Veranstaltungsreihe zum Thema der eigenen kolonialen Vergangenheit. Wissenschaftler untersuchen die Bestände, für 2019 ist eine Ausstellung zur Geschichte des Museums selbst geplant. In Bremen hat man diesen Teil der eigenen Geschichte weit schärfer in den Fokus genommen als in Berlin. Im Mai wurden Gebeine von Maori restituiert, eine Abordnung kam nach Bremen und nahm sie in einer traditionellen Zeremonie in Empfang.
Die Provenienzforschung ist aber nur ein Aspekt des Themas. Es handelt sich bei den Dingen in Sammlungen und Ausstellungen nicht um Kunstwerke, die einem existierenden Markt entnommen wurden. Man nahm alles Mögliche mit, darunter sakrale Gegenstände, Alltagsobjekte, Arbeitsmittel, Waffen, Schmuck – zwischen Habgier und Wissensdurst interessierte Sammler und Kolonialbeamte einfach alles, was glänzte. Es war eine willkürliche Aneignung der unterschiedlichsten Lebensinstrumente. Insofern ist der historische und regionale Kontext der Entwendung von Bedeutung, der Blick, der auf diese Dinge geworfen wurde, und die Lücke, die sie hinterließen. Es gibt in diesem Durcheinander der Provenienzen und Bezüge keine endgültige Klarheit im Einzelfall, vielmehr ist der gesamte historische Kontext das Interessante und das, was zu thematisieren ist. Denn dieses Kapitel ist keineswegs abgeschlossen. Wegen der unzureichenden intellektuellen Aufarbeitung wirkt die Matrix, mit der wir seitdem die Welt wahrnehmen, einfach weiter fort.
Das legt ein neues, sehr wichtiges Buch nahe, das sich mit einem Skandal in der deutschen Kolonie Togo zu Beginn des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt, dabei aber zu Schlüssen kommt, die weit über diesen Fall hinausreichen. Die Göttinger Historikerin Rebekka Habermas hat in ihrer umfassenden Studie "Skandal in Togo" einen völlig neuen Blick auf den kolonialen Diskurs und die Epoche geworfen. Und obwohl es dort nicht um Kunstraub und Sammelwut geht, führt es mitten hinein in den aktuellen Diskurs dieses Sommers. Ausgangspunkt ist ein fulminanter Sittenskandal im Jahr 1903, der sogar den Reichstag und die deutsche Presse beschäftigte. Aber der Gegenstand des Buchs ist gar nicht sein Thema. Denn viel mächtiger war, was damals verschwiegen wurde. Der Skandal bekräftigte eigentlich die koloniale Ordnung, indem er die Illusion erzeugte, ansonsten, bis auf diesen einen prügelnden, vergewaltigenden Kolonialbeamten Schmidt, sei alles im Rahmen.
Auch damals gab es schon jene, welche die Afrikaner vor den korrupten Menschen aus Deutschland schützen, also die unschuldigen Naturmenschen gegen die böse Moderne verteidigen wollten. Was beide Seiten ausblendeten, so Habermas, waren moderne Handlungen und Konzepte der afrikanischen Akteure. Wenn die Geschäfte machten, protestierten, Eingaben formulierten, sich organisierten und die Öffentlichkeit mobilisierten, dann war das keineswegs ein Verhalten, das nach gütiger oder strafender Bevormundung ruft.
Ausgeblendet wurde alles, was an den Afrikanern modern war – und so ganz anders ist es auch heute nicht: Nachrichten, die von der Wirtschaft Afrikas, von Wohnproblemen, Transportfragen oder Parteipolitik handeln, haben es schwer, Klagen über Hungersnöte, Bürgerkriege und Seuchen hingegen leicht. Der Grünen-Politiker und Bestsellerautor Boris Palmer würde sonst mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen können, dass gar nicht alle Einwohner von Durban, Dakar oder Alexandria von Tübingen träumen.
So teilt der kolonialistische Blick die Welt nach wie vor in einen modernen Westen und eine mehr oder weniger planlose Restbevölkerung auf, die gar keine richtige Geschichte hat und auch keine möchte. Habermas macht es noch einmal deutlich: Gewalt, Sexismus und Ausbeutung waren keine Ausnahmen, sondern die koloniale Regel. Es ging gar nicht ohne. Die mangelhaft konzipierte, im Grunde armselige kolonialistische Unternehmung war auf extreme Gewalt angewiesen, um ihre Ziele, wenn auch nur zeitweise, zu erreichen.
Indem man diese Tatsache relativiert oder in tausend, letztlich nur schwer zu dokumentierende Einzelfälle auflöst, verliert man das Gesamtbild und sieht nur noch Pixel. Doch noch in einer weiteren Hinsicht prägt der kolonialistische Blick unsere Sicht der Welt: Im Herzen der kolonialen Unternehmung wohnte der Wunsch, die Ressourcen der fremden Länder ohne Gegenleistung zu nutzen. Arbeitskraft, Anbauflächen, Kulturgüter, Bodenschätze und Edelmetalle – das allein interessierte. "Die Räume der Kolonien wurden ausschließlich unter der Perspektive der Marktökonomie gesehen."
Auch heute ist diese Sicht der Welt übermächtig: Wer kauft wen, das ist eine Frage, die uns bis in die Abendnachrichten beschäftigt. Und hier mag auch der Grund für die postkoloniale kulturelle Nervosität dieses Sommers liegen. Der ökonomische Aufstieg ehemaliger Kolonien oder sogenannter Drittweltländer wird täglich deutlicher, auch noch dem letzten Verbraucher klar. Und mit diesem Aufstieg geht eine wachsende politische Bedeutung einher.
Die Vorbildfunktion der Vereinigten Staaten wird durch ihren amtierenden Präsidenten selbst für beendet erklärt und untergraben, er äußert ganz offen eine merkantile, von Machtverhältnissen geprägte Lesart der Welt, die sehr jener gleicht, die zu Zeiten des Kolonialismus entstand. Aber – und darum sind dies historische Zeiten – mit anderen Vorzeichen. Es scheint, als würden Bevölkerungsreichtum, wirtschaftliche Macht und zunehmend auch militärische Schlagkraft Indien und China begünstigen; und andere Länder entwickeln ihrerseits Ambitionen auf größeren Einfluss.
Das führt zu dem, was der Hamburger Kolonialismushistoriker Jürgen Zimmerer Trotzreaktionen nennt: Man möchte die historischen Fakten ausblenden und einfach nur die historische Größe behalten. Ohne daran erinnert zu werden, dass die Grundlage von Europas Aufstieg nicht allein die protestantische Ethik, Bildung und Aufklärung waren, sondern eben auch die brutale gewalttätige Plünderung ganzer Weltregionen. Und dass die Strukturen dieser Ungleichheit bis heute nicht überwunden sind: Zwischen Afrika und der EU ist in vielen Bereichen der Freihandel strittig.
Um aus diesem Albtraum herauszufinden, die Angst vor der Rache der Mumie zu überwinden, die kleinliche Furcht vor der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Irrelevanz nicht übermächtig werden zu lassen, haben wir nur eine Möglichkeit: den offenen Diskurs. Und der beginnt mit einer Zustandsbeschreibung, einer Identifizierung jener Strukturen, die wir aus dem Kolonialismus fortführen, weil sie uns nutzen. Dazu gehören immer wieder Skandale – Einzelfälle, die den brutal normalen Lauf der Dinge bekräftigen.
Wie man einen kulturellen Austausch wirklich führt, könnte das Berliner Großmuseum von einem eher kleinen Haus lernen. In Hittisau im Bregenzerwald befindet sich das einzige Frauenmuseum Österreichs, dort wird eine Ausstellung zur Baukunst der Massai-Frauen im Dorf Ololosokwan gezeigt. Die Architektin Cornelia Faißt hat sie gemeinsam mit den darin vorkommenden Frauen konzipiert. In dieser Kultur sind Frauen die Baumeisterinnen, errichten ihre großen Hütten für Kinder, Vieh und ihre Männer in Eigenarbeit, nach ihren eigenen Maßen. Es sind Fotos der Frauen aufgestellt, einige davon sind mit Mobiltelefon zu sehen. Es wird nichts verniedlicht, nichts überhöht. Genitalverstümmelung ist ein Thema. Man kann ihre Armut studieren, ihre Baukunst bewundern und sich ein Bild davon machen, wie sie zurechtkommen. Die Frauen haben auch Gegenstände zur Verfügung gestellt: ein Maßband und einen Gürtel, ein Messer, einen Trinkkürbis. Nachdem die Ausstellung ihre Verweildauer absolviert hat, kommt sie zurück in das Dorf, von dem sie handelt. Und die Frauen erhalten zurück, was sie ausgeliehen hatten, damit wir lernen.

Alles, was an Afrika modern war, wurde ausgeblendet – so ganz anders ist es auch heute nicht.

Von Nils Minkmar

DER SPIEGEL 35/2017
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