16.09.2017

EinwurfHeiland im Hurrikan

Wie der Nachrichtensender CNN mit dem Sturm „Irma“ kämpfte
Als die Sonne noch scheint und der Wind noch nicht bläst, machen sich Anderson Cooper, Chris Cuomo und John Berman, drei der bekanntesten Anchormen von CNN, nach Florida auf. Angelockt von den fantastisch apokalyptischen Wettervorhersagen, begeben sie sich an Orte, wo Hurrikan "Irma" besonders heftig einschlagen soll. Sie tragen enge Polohemden – für Cuomo und Cooper die Gelegenheit, ihre muskulösen Oberarme zu zeigen. Dem Zuschauer wird so signalisiert: keine Sorge, wir haben unsere stärksten Männer geschickt.
Dann verspätet sich "Irma". CNN sendet trotzdem rund um die Uhr. Die Moderatoren überbrücken die Zeit, indem sie beschwören, wie heftig "Irma" noch werde. Manche tragen Regenjacken mit CNN-Logo. Je höher in der Hierarchie, desto weniger Merchandise-Klamotten müssen die Reporter tragen. Sie stemmen sich in den Wind, krallen sich ans Geländer, hinter ihnen kippen Palmen/Kräne/Autos um. Ihre Worte sind kaum zu verstehen. Sie haben allerdings auch wenig zu sagen, außer dass ein tierischer Sturm herrsche, man die immer wieder aussetzende Technik entschuldige und dass sich jeder (außer ihnen natürlich) in Sicherheit bringen solle. Es wirkt, als wollten sie den Sturm für uns alle durchleben, so wie Jesus die Sünden der Menschheit auf sich genommen hat. Vielleicht befürchtet CNN auch, dass die Zuschauer ihnen in Zeiten von Fake News den Sturm nicht abnehmen, so wie die Russlandverbindungen der Trump-Regierung, die ein Großteil des Landes so lange nicht glaubt, wie man sie nicht sehen kann.
CNN sieht die Moderatoren als Helden. Indem sie Gefahr liefen, weggeweht oder von Wellen verschluckt zu werden, demonstrierten sie, wie gefährlich der Sturm sei. Diese Argumentation zieht ab Mitte vergangener Woche nicht mehr. Da ist der Sturm abgeklungen, die Moderatoren stehen wieder in kurzem Hemd da. Allerdings in neuer Kulisse. Jetzt senden sie aus den Trümmern.
Von Philipp Oehmke

DER SPIEGEL 38/2017
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