16.09.2017

Die Augenzeugin„Häuser flogen herum“

Bei Kerzenschein und Trockennahrung harrte die Rosenheimerin Anya Elis, 49, in ihrer vernagelten Tauchschule auf Key Largo aus, als am Sonntag der Hurrikan "Irma" über die Florida Keys fegte. Nach dem verheerenden Sturm beginnt nun das große Aufräumen – und Hoffen.
"Mein Mann und ich sind während des Hurrikans auf Key Largo geblieben, während viele Bewohner die Insel verlassen haben. Unser Tauchcenter, das Scuba Fun, ist ein stabiles Gebäude, in dem man so einen Sturm überstehen kann. Wir hatten außerdem ein paar Tage Zeit, uns auf 'Irma' vorzubereiten, und haben für Lebensmittel und Wasser, Katzenfutter und Kerzen gesorgt, die Topfpflanzen ins Haus geholt, damit sie nicht durch die Gegend fliegen, und unsere Fenster vernagelt.
Im Tauchcenter haben mein Mann und ich mit unseren Katzen dann 48 Stunden im Dunkeln gesessen und gewartet, dass der Sturm vorübergeht. Obwohl wir gut vorbereitet waren, hatte ich große Angst. Der Hurrikan war sehr heftig, die Wände haben richtig gewackelt. Meine Sorge war, dass das Haus beschädigt werden könnte und wir nicht schnell genug aus dem schweren Betongebäude herauskommen. Und ich habe befürchtet, dass dem Geschäft oder unserem Haus am Meer etwas passiert. Aber wir hatten großes Glück: Nicht mal die Boote wurden beschädigt.
Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten. An der Straße, die vom Festland auf die Inseln führt, wird kontrolliert, ob die Autofahrer auf den oberen Keys wohnen, denn nur die dürfen schon wieder zurück. Touristen werden im Moment noch zurückgeschickt. Den Betonhäusern in unserer Nachbarschaft ist nichts passiert, aber Häuser in Leichtbauweise sind herumgeflogen. Einige Tage hatten wir keinen Strom, kein Internet, kein Benzin, der erste Supermarkt hat gerade wieder aufgemacht. Am Dienstag haben wir ein großes Grillfest für die Hiergebliebenen veranstaltet. Denn geflohene Nachbarn haben uns gebeten, ihre Gefriertruhen auszuräumen. Schließlich wird das Essen sonst nur schlecht. So haben wir gemeinsam gegessen und sind satt nach Hause gegangen. Wir sind voller Hoffnung, dass wir unser kleines Paradies wieder herrichten können. Bei all den Schäden war der Sturm vielleicht für die Riffe gut. Er hat die Wassertemperatur gesenkt. Das wirkt dem Korallensterben entgegen."
Von Maria-Mercedes Hering

DER SPIEGEL 38/2017
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