23.11.2017

ZeitgeschichteAgent Globke

Politiker und Beamte haben in der alten Bundesrepublik gelegentlich für den Bundesnachrichtendienst (BND) und dessen Vorläuferorganisation spioniert. Das zeigen BND-Unterlagen. So begleitete Hans Globke, langjähriger Chef des Kanzleramtes, 1955 Konrad Adenauer nach Moskau. Anschließend bot er seine Dienste BND-Gründer Reinhard Gehlen an. Gehlen notierte, der Kanzleramtschef wolle "Eindrücke loswerden" und bitte um einen "Fragebogen, der möglichst konkret sein soll". Pullach formulierte daraufhin Fragen nach dem Gesundheitsstand des sowjetischen Außenministers oder "charakteristischen Merkmalen bei den Männern der obersten Führungsschicht". Gehlen wollte die Antworten Globkes aufnehmen, das Tonband ist verschollen. Auch Wolfgang Döring, in den 1960er-Jahren stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion, und Sozialdemokrat Hans-Jürgen Wischnewski, Staatsminister im Kanzleramt unter Helmut Schmidt, halfen Pullach. Wischnewski plauderte über seine Erfahrungen in Nordafrika und dem Nahen Osten. Döring rapportierte aus Gesprächen, die er mit Ostblockvertretern führte, was ihm ein Lob des BND einbrachte. Dörings Ostkontakte würden, so ein BND-Vermerk vom 19. Dezember 1957, eine "ergiebige operationelle Nutzung" ermöglichen.
Von Klw

DER SPIEGEL 48/2017
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