09.12.2017

Roboter„Klug wie der Mensch“

Anna Ott, 36, Personalexpertin der Deutsche-Telekom-Tochter Hubraum, über den Einsatz von Chatbots, computergesteuerter Dialogsoftware, beim Rekrutieren neuer Mitarbeiter
SPIEGEL: Wer sich bei Ihnen bewirbt, muss sich zunächst mit einer Software unterhalten. Warum?
Ott: Ein sogenannter Chatbot kann mit verschiedenen Menschen gleichzeitig sprechen, 24 Stunden und 7 Tage die Woche. Das vermag kein Personaler zu leisten. In der digitalen Welt sind alle ungeduldiger geworden. Viele wollen keine langen Texte lesen oder Informationen zusammensuchen. Bewerber fragen den Bot nicht, wie hoch ihr Gehalt wäre, sondern schreiben nur: Gehalt? Und er weiß eine Antwort.
SPIEGEL: Sind Chatbots überhaupt in der Lage, Bewerber zu betreuen?
Ott: Ein Chatbot ist so klug wie der Mensch, der ihn füttert. Kann unser Bot eine Frage nicht beantworten, muss ich das machen. Beim nächsten Mal kennt er dann aber die Antwort.
SPIEGEL: Ist es nicht ein seltsames Signal an gesuchte Fachkräfte, dass sich nur ein Computer mit ihnen unterhält?
Ott: Der Bot entscheidet nicht, wer eingestellt wird. Er startet nur den Bewerbungsprozess. Die Kandidaten finden es super, weil es bequem ist. Sie suchen ihren Job nicht montags um elf Uhr, sondern am Sonntag zwischen zwei Folgen von "Games of Thrones".
SPIEGEL: Sie verlangen keinen Lebenslauf mehr von Ihren Bewerbern. Hat die Bewerbungsmappe ausgedient?
Ott: Ja. Die meisten Menschen sind online auffindbar, das Profil in den Netzwerken wird besser geführt als ein Lebenslauf. Außerdem wird immer weniger nach hinten geschaut. Das Fachwissen hat eine Halbwertszeit von viereinhalb Jahren, was interessiert also das Studium von 1993? Mich interessiert mehr, ob jemand zu uns passt.
Von Mum

DER SPIEGEL 50/2017
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Roboter:
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