31.01.2000

SPRACHEBimbes mit Bimbes

Im Gefolge der CDU-Affäre macht ein pfälzisches Dialektwort Karriere: "Bimbes", wie Helmut Kohl Geld zu nennen pflegt, erobert Bildschirme und Zeitungstitel, Internet und Kabarett.
Per Anzeige im "Titelschutz-Anzeiger" reservierte sich der TV-Sender Sat 1 vergangene Woche sämtliche Rechte an Filmtiteln wie "Bimbes" und "Bimbes-Gate". Seit Wochen taucht die Vokabel, die laut "Wörterbuch des Rotwelschen" der "Gaunersprache" entstammt, in Leitartikel-Überschriften auf - typisch: "Kohl und der Bimbes" ("Tagesspiegel"), "Die Macht des Bimbes" ("Welt"), "Mit und ohne Bimbes" ("Frankfurter Allgemeine").
Bimbes durch Bimbes verspricht sich offenbar eine Berliner Multimedia-Agentur, die sich fix die Internet-Adresse www.bimbes.de gesichert hat. Der Verwendungszweck war vergangene Woche noch offen - womöglich taugt die Webseite als Plattform für Kohl-Witzchen, die derzeit auf Kabarettbühnen und in Ulk-Sendungen eine Renaissance erleben. "Ich hab noch einen Koffer in Berlin, und wenn ich Bimbes brauch, dann fahr ich wieder hin", singt der Kabarettist Thomas Freitag. TV-Entertainer Harald Schmidt witzelt über den Dicken: "Eines braucht Kohl nicht zu befürchten - dass er in Handschellen abgeführt wird. Die reichen ihm höchstens als Daumenschrauben." Hessens Grüne verteilen selbst fabrizierte 200-Mark-Scheine mit Kohl-Porträt an Passanten.
Zeitungen scheuen sich nicht mehr, Namenswitze über den Altbimbeskanzler zu reißen: Der "Stern" nennt den Paten und Patriarchen der Union "Don Kohleone", die "Zeit" kalauert: "Helmut Kohle." Nachdem Sprachforscher "Kollateralschaden" zum "Unwort des Jahres" ausgerufen hatten, bescheinigte "Bild" der CDU einen "Kohllateralschaden".
Bissiger als jeder Satiriker reduzierte vorige Woche ein "taz"-Leser im Briefteil des Blattes die Bimbes-Affäre auf ihren Kern: "Schuld ist die Süssmuth! Sie hat als Bundestagspräsidentin fahrlässig versäumt, dem ehemaligen Kanzler sein Ehrenwort abzunehmen, dass er bereit sei, seinen Amtseid zu halten."

DER SPIEGEL 5/2000
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