31.01.2000

Rückspiegel

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Die "Sächsische Zeitung" zum SPIEGEL-Titel "Heißes Geld - CDU" (Nr. 4/2000):

Die jüngste SPIEGEL-Ausgabe wurde in Dresden von vielen mit besonderer Aufmerksamkeit gelesen. Doch was sie suchten, stand nicht drin: Der Artikel über den Spendensumpf in der CDU enthielt keine Zeile über jene 100 000 Mark, die der damalige CDU-Generalsekretär Kurt Biedenkopf im Jahre 1975 von dem Unternehmer Fritz Ries bekam. Auch die drei 20 000-Mark-Spenden der DERAG-Gruppe an die Sachsen-CDU 1993 fanden keinerlei Erwähnung. In der sächsischen Staatskanzlei registrierte man's wohl mit Erleichterung und Zufriedenheit: Erleichterung deshalb, weil Biedenkopf im Spendenskandal bislang als Saubermann gilt. Und Zufriedenheit, weil sich die Staatskanzlei am Nichterscheinen der Meldung nicht ganz schuldlos meint. Denn am Donnerstagabend verschickte sie die SPIEGEL-Fragen samt Antworten an alle Dresdner Redaktionsbüros. "Mit Blick auf Diktion und Intention Ihrer Fragen", argumentierte Biedenkopf, müsse er davon ausgehen, "dass meine Antworten unvollständig oder entstellt wiedergegeben werden." Sein Kalkül: Wenn andere die Geschichte vorher veröffentlichen, ist sie für den SPIEGEL wertlos. Die Rechnung schien aufzugehen. Noch vor dem Wochenende waren die Zeitungen voll mit dem Thema - freilich nur mit den Fakten, die Biedenkopf selbst rausgerückt hatte. Dass er gleich mehreren Fragen ausgewichen war, spielte dabei zunächst keine Rolle. Richtig glücklich waren die Journalisten ob der "Enthüllungen" aber dennoch nicht: Muss nun jeder Redakteur fürchten, dass seine Recherchen von der Staatsregierung vorab veröffentlicht werden? In einem Schreiben an den Regierungssprecher Michael Sagurna bekundete die Landespressekonferenz postwendend ihr "Befremden" über den Vorgang.


DER SPIEGEL 5/2000
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