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GESTORBEN

Henry Jaeger

Henry Jaeger, 72. Er machte in seinem Leben zwei Karrieren: eine kriminelle und eine literarische. In beiden gab es Höhenflüge und Abstürze. Der gebürtige Frankfurter war mit 15 Flakhelfer, geriet in britische Gefangenschaft und wurde Anfang der fünfziger Jahre - nach vergeblichem Anlauf zum Medizinstudium und mancherlei Schwarzmarktgeschäften - zum Kopf der berüchtigten "Jaeger-Bande". 1956 wurde er zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, von denen ihm vier auf Bewährung erlassen wurden, da er im Knast zum Schriftsteller mutiert war: Sein Debütroman "Die Festung" (1962) stieß auf Begeisterung und wurde verfilmt. Jaeger arbeitete einige Zeit als Reporter und zog dann ins mondäne Schweizer Autorenparadies Ascona. Der Romancier war fleißig, blieb noch eine Weile Lieblingskind der Kritik, bis er immer häufiger den Vorwurf von Trivialität zu hören bekam. Das verbitterte ihn: "Wir sind am Punkt null angekommen - und das nicht nur in der Literatur." Henry Jaeger starb am 4. Februar in Ascona.


DER SPIEGEL 7/2000
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