17.04.2000

SPEKTAKEL

Halb nackert in der Kälte

Von Supp, Barbara

Christus hat eine Freundin, streitet mit seinen Jüngern, betet auf Hebräisch zum Pessachfest: Zum 40. Passionsspiel-Jubiläum im Mai bringt Spielleiter Christian Stückl einen neuen Jesus auf die Oberammergauer Bühne - sehr menschlich und sehr jüdisch. Von Barbara Supp

Da sagt einer, dass er sterben wird. Seinen Freunden sagt er es, die ihn jetzt als Verräter ansehen; seiner Freundin, deren Zärtlichkeit er sich eben noch gegönnt hat, bei einer Massage mit duftendem Öl. Dann fragt sie nach dem Morgen, und er antwortet mit einer grauenhaften Vision: "Deine Augen erkennen mich nicht mehr. Denn ich bin in die Kelter geworfen, und der Wein, der ausrinnt, ist mein Blut."

Das hat was, dieser raue, dunkle Ton, dieser Anton Burkhart als Jesus Christus von Oberammergau. Auch die Salbung war nicht schlecht, oder hätte man es doch weiter treiben sollen? Magdalena öffnet dem Herrn das Gewand, er steht mit nacktem Oberkörper da - einer aus dem Ensemble kam auf die Idee, und Christian Stückl, der Spielleiter, hat sich genussvoll gefragt, "was das für Reaktionen gäbe".

Es ist Nacht unter freiem Himmel und verflixt kalt hier im April, und ein rauchender, gestikulierender, in einen schwarzen Anorak verpackter Mensch namens Stückl tobt durch das Passionstheater von Oberammergau. Scheucht seine Darsteller über die Bühne, versucht, die Texte des Pfarrers Joseph Alois Daisenberger dem Tonfall nach in die Gegenwart zu transponieren. "Deine Feinde reden Arges wider dich", das heißt "Woaßt eigentlich, was d'Leut reden?" So sollen sie es sagen. So sagen sie es dann auch.

In Oberammergau ist Passion, seit einem Jahr sprießen Haupthaar und Bärte für die Premiere am 21. Mai. Zum 40. Mal werden die Dörfler dem Gelübde folgen, das ihre Ahnen im Pestjahr 1633 abgelegt haben: Dass sie alle zehn Jahre das "Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus" aufführen würden. Ein Kraftakt für ein 5200-Einwohner-Dorf; 2155 werden mitwirken, eine halbe Million Zuschauer wird erwartet, an jedem Spieltag knapp 5000. Und so viel Neues wie diesmal, im "Heiligen Jahr" 2000, war nie.

Auf der Wiese hinter dem Festspielhaus sind Bauarbeiter schon dabei, Robert Wilsons "14 Stations" zu zimmern - ein Kreuzweg aus Holzhäuschen; tonnenschwere Findlinge hängen drin und symbolisieren Bedrohliches; Veronika, das ist die mit dem Schweißtuch, ist 2,60 Meter groß und bügelt, und der Auferstandene in der letzten Station baumelt kopfüber in einem neun Meter hohen, Tipi-artigen Holzkonstrukt.

Mancher Gemeinderat seufzt schon über die Wilson-Installation, aber es passiert ja noch viel mehr. Bühnenbildner Stefan Hageneier hat die alten Passions-Prachtgewänder eingemottet und neue Kostüme entworfen: Grobes Tuch, aus Indien importiert; prächtig Besticktes für die Obrigkeit, für das Volk zerschlissenen grauen Stoff. Daisenbergers Text von 1860 wurde bearbeitet, ebenso die Kompositionen des Rochus Dedler. Und für die Inszenierung - da haftet Stückl, dieser 38-jährige Theatermensch, ein Oberammergauer, der an den Münchner Kammerspielen, in Frankfurt und Wien Karriere gemacht hat, der im Jahr 2002 Intendant am Münchner Volkstheater werden soll und ziemlich viel Weltläufigkeit nach Hause trägt. Und in die Passion, natürlich. Dorthin vor allem.

Schon 1990 war Stückl Spielleiter, aber damals war noch nicht die Zeit für Reformen, damals artete jedes bisschen Neuerungsversuch in Kampf aus. Heute weiß er, wie man mit einem Gemeinderat umgeht, der ständig abstimmen will. Über den Text zum Beispiel. Als Stückl und sein Dramaturg Otto Huber den fertig hatten, luden sie zur Lesung. Eine lange Lesung war das, große Schläfrigkeit kam über die Zuhörer, fast kampflos gingen die Änderungen durch.

Schon seltsam, an einem Ort zu inszenieren, wo ein Gutteil des Publikums mehr das Glaubens- als das Theatererlebnis sucht. Wer hier reüssieren will, muss vielem genügen, dem Bedürfnis nach Kommerz und dem nach Katharsis und seinen ästhetischen Ansprüchen obendrein.

Stückl hat sich für die Zumutung entschieden: für einen neuen Jesus, einen wütenden, kämpferischen. Einen menschlichen will er, der sich mit seinen Aposteln herumstreitet, die auch nicht mehr alles blind akzeptieren. Einen diesseitigen Jesus, mit einem sehr irdischen Sinn für Gerechtigkeit. Für ihn, sagt Stückl, ist dieser Galiläer einer, der das Leben kennt, der Umgang mit Zöllnern und Huren hat, der um die 30 die Wende erlebt und sich fragt, ob das alles war? Ob das so weitergehen soll?

An 50 von 100 Spieltagen sieht Jesus aus wie Toni Burkhart, 30, Förster von Beruf; ein massiv wirkender Mann, von dem der Pfarrer fand, dass er einen viel zu runden Kopf habe für einen Jesus. Kein Typ für verklärte Tragik jedenfalls, sondern einer, der die herkömmliche Art Christus sowieso langweilig fand: "Immer leidend, leidend, leidend und dann tot."

An den anderen 50 Tagen erscheint der Herr in Gestalt von Martin Norz, 34, Verwaltungsfachwirt; der kommt optisch der Gestalt auf dem Turiner Grabtuch sehr nahe und wurde schon 1990 vom Publikum geschätzt. Er wirkt zerbrechlicher als sein Kollege, aber auch er sagt, dass er all das schwierig zu spielen finde, "was a bissl heilig aussehn soll". Die Kreuzigung dagegen nicht. Die ist zwar "körperlich a bissl unangenehm", bei Regen vor allem, "wenn man halb nackert in der Kälte hängt" mit den Armen immer nach oben, aber das sei "nicht so schlimm". Überhaupt werde die Rolle immer interessanter, und das mit dem Hebräisch kriegen sie auch immer besser hin. Hebräisch? Ja doch, Hebräisch, ein paar Sätze wenigstens. Weil dieser Jesus doch wirklich neu ist. Weil man merken soll, dass er Jude ist.

Im Dunkeln ziehen Arbeiter ein nachtblaues Zelt auf die Bühne, den schweren Tisch für das Abendmahl, den siebenarmigen Leuchter dazu. "Rabbi" sagen die Jünger zu Jesus, und er sagt: "Kommt! Sehnlichst verlangt es mich danach, das Pessachmahl mit euch zu feiern." Jesus spricht und trägt den Gebetsschal dabei, er bricht das Brot, reicht den Kelch, dann sagt er: "Baruch ata Adonai elohenu melech haolam boray pri ha-gafen. Gelobet seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du die Frucht des Weinstockes schaffst!"

"Ist doch klar", sagt Huber, der Dramaturg. "Jesus stammt aus jüdischer Familie. Er hat von einer jüdischen Mutter das Beten gelernt."

Dass es viele geben wird, die das nicht so selbstverständlich finden, ist ihm bewusst, aber Huber ist nicht die Art Mensch, die einer Debatte ausweicht, und in letzter Zeit ist er darin mehr denn je gestählt. Schließlich hat er Tage, Wochen, Monate mit Kritikern des Spiels verbracht. Mit kirchlichen Kritikern und vor allem amerikanisch-jüdischen Organisationen, die empfindlich sind für antisemitische Anspielungen. Viele ihrer Einwände hielt er für berechtigt. Viele, nicht alle.

Also haben sie vieles, aber nicht alles verändert: Der jüdische Hohe Rat, der beim römischen Statthalter Pilatus das Todesurteil erzwingt, ist kein geschlossener Block mehr mit lauter blutrünstigen Geistlichen, sondern hat ein paar Abweichler, die auf der Seite des Mannes aus Nazareth stehen. Auch im Volk gibt es nicht nur den Mob, der nach der Kreuzigung schreit, sondern auch eine jesusfreundliche Minderheit. Und Pilatus ist nicht mehr die Unschuld, der edle Römer, sondern ein Intrigant mit eigener, krummer Tour.

Schwierig das alles, sagt Christian Stückl, aber "ich mag die Auseinandersetzung" sagt er auch und dass er sehr glücklich sei, dass der "Blutruf" endlich entfallen darf. Das ist der grausige Satz, den Volk und Priester angesichts des gemarterten Christus von sich gaben: "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!" Weg damit, sagte Stückl schon 1990. Muss bleiben, sagte der theologische Berater und Kirchenbeauftragte. Drei Gemeinderatssitzungen gab es deswegen, Stückl unterlag und behalf sich auf seine Weise: Ein paar sehr alte Männer hat er den Satz so nuscheln lassen, dass ihn keiner verstand.

Es hätte ja sein können, dass sie ihm die paar Freiheiten damals übel nahmen, und es war keineswegs sicher, 1996, dass Oberammergau den jungen Stückl wieder als Spielleiter wählen würde. Gut, man kannte ihn von klein auf, schon 1970 war er immer in den Kulissen herumgewuselt, weil er wissen musste, wie man das macht mit der Kreuzigung - Stückl, "der Bühnenschreck". Ein Glück eigentlich für sein Dorf, dass da so einer groß wurde, der etwas von Oberammergau versteht und vom Theater auch, und doch - dieser Unberechenbare; wer wusste schon, was er wieder anstellen würde mit der Passion?

Sie haben dann wohl an die Einnahmen gedacht, an die 65 Millionen Mark, die sie erwarten, wenn das Spiel ausverkauft ist; sie haben sich an die Kritiker aus Amerika erinnert und an die Tatsache, dass traditionell der größte Teil der 500 000 Zuschauer aus Übersee kommt. Sie haben sich gesagt, dass wohl doch viel dafür spreche, einen Profi als Spielleiter zu nehmen und nicht den ortsansässigen Zahnarzt, der beim Bürgerentscheid als Gegenkandidat antrat. Er sei "wirklich nicht sicher gewesen", sagt Stückl. "Ein bisschen überrascht" habe ihn die Wahl schon.

Und jetzt? Jetzt gibt es immer noch Leute, die ihm Briefe schreiben mit der Beschwerde, dass ein Jesus doch nicht dunkelhaarig sein dürfe, der müsse doch "Arier" sein. Aber es gibt auch den Trupp junger Leute, mit denen er seit Jahren im Dorf Theater spielt, und die sehr froh sind, dass der Christian inszeniert. Und dann gibt es Leute wie seinen Großvater Benedikt Stückl, den knurrigen Hohen Priester Annas. Seit 1930 ist er dabei; er seufzt ein bisschen und sagt: "Die Zeiten sind halt anders. Das muss man eben sehen."

Benedikt Stückl ist 76, misst die Zeit nicht nach Jahren, sondern nach Passionsspielen, ist zum fünften Mal Annas und lebt darauf hin, ihn auch bei der letzten Vorstellung am 8. Oktober zu spielen; kann ja sein, es ist das letzte Mal. Kaiphas war er schon, Herodes auch, und einmal sah es auch so aus, als würde er Jesus werden - das ging aber damals nicht. Weil er mit einer Evangelischen verheiratet war.

Immer gab es ja Grenzen dessen, was Oberammergau ertrug. Die "Rosner-Probe" beispielsweise, das war das Projekt des Holzbildhauers Hans Schwaighofer, die ertrug es nicht.

Der hatte den 1750 verfassten Text des Benediktiner-Paters Ferdinand Rosner ausgegraben, ein Werk in knapp 9000 Versen voller Deftigkeiten; Schwaighofer wollte es von Antisemitismen säubern und mit einer Gruppe Enthusiasten auf die Bühne bringen. Nichts da. Mit Unterschriftenlisten, Einkaufsverbot, Drohbriefen kämpften Traditionalisten gegen die Reformer - es ging nicht. Achtmal durften die Rosner-Leute im Jahr 1977 ihr Stück zur Probe aufführen, dann war Schluss.

"Danach", sagt Christian Stückl, "war lange die Tür für Reformen zu." Jetzt erst, im Jahr 2000, darf jeder mitspielen, ob Katholik oder Moslem oder Hindu, vorausgesetzt, dass er in Oberammergau geboren ist oder seit 20 Jahren dort lebt. 47 spielberechtigte Türken hat die Behörde nun gezählt, und als einer ernsthaft Interesse anmeldete, erhoben sich gleich Stimmen in der Gemeinde - da gebe es doch die Jobs in der Theaterreinigung. Woraufhin Stückl dafür sorgte, dass der Mann einen der begehrten Posten als Römer bekam.

Nicht so einfach, wenn man als Erster so eine Barriere durchbricht. Elisabeth Petre hat das schon 1990 erfahren - da war sie die erste verheiratete Maria, "ein Schandfleck", hetzten die anonymen Briefeschreiber: "Des Nachts kriecht sie zu ihrem Mann ins Bett und regelt den Verkehr, und tagsüber steht sie auf der Bühne und mimt die Heilige Jungfrau Maria." Trotzdem erkämpften ein paar Mutige das Recht für alle Passionsspielerinnen, verheiratet und älter als 35 zu sein. "Allerhöchste Zeit", sagt Elisabeth Petre, 47, weil sie findet, "dass endlich Schluss sein musste mit diesen traurigen Geschichten".

Es gab ja Dramen im Dorf wegen dieser Regelung, immer schon. Da waren die Frauen, die vor der Passion nicht heiraten wollten, und danach hatte der Mann womöglich keine Lust mehr dazu. Da war lange der Zwang, ein hoch moralisches Leben zu führen; der Fall jenes Mädchens beispielsweise, das in jungen Jahren zur Maria erkoren wurde, und nach den Spielen bestand seine Mutter weiter darauf: "Du bist die Maria. Du schaust mir keinen Mann an." Jahrelang ging das so, dann wurde es noch mal zur Maria erwählt, leider; es fand aus der Rolle nicht mehr heraus, wurde seltsam und trug bleibenden seelischen Schaden davon.

Elisabeth Petre ist nicht der Typ, der sich ins Düstere flüchtet, eher selbstbewusst und lebenserfahren, Kauffrau und verwitwete Mutter von zwei Kindern. Eine, die sich "nicht unbedingt darum gerissen" hat, diese Rolle wieder zu spielen: "Immer nur Leiden, immer nur Tod." Immerhin freue sie sich, so sagt sie, dass die Maria neuerdings "nicht mehr ganz so flennerd" daherkommt wie bisher. Aber noch etwas mehr Rebellion - das wär' schon schön. Was soll man denn davon halten, als Mutter, wenn der Sohn namens Jesus in Bethanien vor allen Leuten poltert: "Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?" Maria akzeptiert das. Elisabeth Petre fällt es schwer, so etwas zu akzeptieren.

Die Leute - sie klatschen, natürlich, aber Elisabeth Petre möchte glauben, dass eine Maria heutzutage in Ruhe gelassen wird in ihrem Privatleben, dass die nicht heilig tun muss, dass Oberammergau heute unterscheiden kann zwischen der Rolle, die jemand spielt, und dem Rest. Niemand sieht den Judas-Darsteller mehr als einen Finsterling an, und niemand, das hofft auch die 39-jährige Helga Stuckenberger, eine Holzschnitzmeisterin, die die Magdalena spielt, niemand halte sie deswegen für ein loses Weib, "so etwas ist vorbei".

Oder doch nicht? Jesus-Darsteller Norz erlebt manchmal noch japanische Journalisten, die fest überzeugt sind, dass die Dorfbevölkerung vor ihrem Christus in die Knie geht. Und er hört von Oberammergauern oder sogar von Kirchenleuten, dass das ja alles sehr schön inszeniert werde, die neue Passion, aber dass man doch mit den Jesussen bitte anders umgehen solle als mit dem übrigen Darstellervolk. Per Inspiration sollten die ihre Rolle erfühlen, per Eingebung sozusagen. "Mit dem Jesus nicht proben", das hat auch Christian Stückl schon gehört, von einem Kardinal.

Haben sie aber. Nach Israel sind sie gefahren mit den Darstellern, zwecks Einstimmung in Geschichte und Szenerie. Eine Filmreihe "von Oberammergau nach Hollywood" haben sie hergeholt und alle in Pasolinis Matthäus-Passion geschickt. Ein Stimmbildner von der Münchner Otto-Falckenberg-Schule kommt regelmäßig nach Oberammergau, und den ganzen Winter über haben sie geprobt. Was ziemlich unbequem ist in einem Freilufttheater. Im Gedächtnis blieben Szenen wie die, als Jesus Toni Burkhart anderthalb Stunden lang im Anorak am Kreuz hing anstatt der spielüblichen 20 Minuten, als immer wieder einer fragen ging: "Geht's noch, Toni?" "Passt scho", kam jedes Mal zurück.

Muss passen, es wird ja auch bei jedem Wetter gespielt. Im Frühjahr kann es noch lange schneien im Alpenvorland, es kann noch ganz schön kalt sein, wenn die Spielsaison beginnt. Regendach und Fußbodenheizung hat nur der Zuschauerraum, nicht die Bühne, aber egal, man hält durch, man muss sich ja die Aufwandsentschädigung verdienen, 42 000 Mark brutto für einen Jesus, 7000 für jeden im Volk.

Ab Mai wird das Leben wieder diesen besonderen Rhythmus haben: Die Apostel sind hauptsächlich vormittags dran, Römer am Nachmittag, der Hohe Rat den ganzen Tag, aber das macht nichts, weil die meisten Rentner sind. Die Schulkinder kommen morgens, wenn der Gang nach Jerusalem auf dem Plan steht, und die Bauern auf den Feldern packen am frühen Nachmittag zusammen, damit sie bei der "Empörung" pünktlich sind.

Jesus Martin Norz wird überlegen, ob er morgens doch noch im Büro im Bauamt vorbeischaut. Maria Elisabeth Petre muss am Anfang auf die Bühne, danach im Christkindlmarkt Käthe-Wohlfahrt-Engel verkaufen, dann zur Kreuzigung auf die Bühne zurück.

Laientheater eben. Aber manchmal, in magischen Momenten, noch viel mehr. In Momenten wie jenem an einem Abend im April, da Jesus Toni Burkhart am Ölberg seine Jünger beschimpft; frostig ist es, er trägt grünen Parka und Baseballmütze und sieht plötzlich wie der frühe Fidel Castro aus, er wacht und hadert und rechtet mit Gott, schreit "verlass mich nicht", schreit "rette mich, Vater, verbirg dein Angesicht nicht vor mir"; einer, der den Abgrund sieht und allein ist mit sich und dem, was er weiß. Ein Verzweifelter. Ein Mensch.


DER SPIEGEL 16/2000
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