01.05.2000

ZWILLINGE„Wie war mein Name?“

Kann ein normaler Junge als Mädchen aufwachsen, wenn sein Penis gravierend verletzt wurde? Triumphiert die Erziehung? Schlägt die Biologie durch? Das Experiment eines US-Forschers hatte für einen eineiigen Zwilling fatale Folgen. Von Ariane Barth
Für den New Yorker Journalisten John Colapinto war die Geschichte des Zwillings Bruce Reimer der Fall seines Lebens. Nach minutiösen Recherchen schrieb er über das Schicksal des Jungen ein faszinierendes Buch: "As nature made him"*. Die deutsche Übersetzung wird Ende Juli im Düsseldorfer Patmos-Verlag erscheinen.
Es ist die Geschichte eines verzweifelten Kindes, das sich gegen die Macht der Sozialisation wehrte, eine moderne Heldengeschichte von archaischem Format, auch eine Geschichte von wissenschaftlicher Arroganz und Rivalität, zugleich die Geschichte eines tragischen Irrtums: Denn alle wollten nur das Beste für das Kind.
Die Geschichte begann im kanadischen Winnipeg am Red River mit der Liebe zwischen zwei Teenagern aus dem Arbeitermilieu. Beide stammten aus Mennoniten-Familien, aber lösten sich im Sog der aufziehenden Rock-''n''-Roll-Ära aus der Tradition ihrer Elternhäuser.
Es war für beide der erste Sex, und als sich Folgen herausstellten, heirateten Janet und Ron Reimer, sie war 18, er 19 Jahre alt. Am 22. August 1965 wurden ihre eineiigen Zwillingssöhne geboren, erst Bruce, zwölf Minuten später Brian. Der Vater brachte seine Familie als Arbeiter in einer Fensterfabrik und später auf dem Schlachthof durch.
Weil sich die junge Mutter so aufmerksam um die Kinder kümmerte, nahm das Verhängnis seinen Lauf. Ihr fiel auf, dass die Zwillinge nicht weinten, weil ihre Windeln nass waren, sondern schon beim Pipimachen. Der Kinderarzt diagnostizierte eine Vorhautverengung (Phimose) und riet zur Beschneidung. Als die Zwillinge ins St. Boniface Hospital gebracht wurden, waren sie acht Monate alt. Während in Winnipeg ein legendärer Blizzard tobte und in das angebrochene Frühjahr 1966 Unmengen Schnee schüttete, wurde der erste Zwilling narkotisiert, zufällig Bruce.
Der erfahrene Operateur Dr. Jean-Marie Huot führte einen Elektrokauter (ein Gerät, das zum Verschmurgeln von Blutgefäßen dient, um Nachblutungen zu verhindern) an die Vorhaut des Babys, aber der Mechanismus versagte: zweimal null Reaktion. Beim dritten Versuch war ein zischendes Geräusch zu hören, und Grillgeruch lag in der Luft des OP.
Die entsetzten Eltern fanden Bruce in der Abteilung für Verbrennungen wieder, sein geschwärzter Penis wirkte auf den Vater leblos wie ein "Stück Holzkohle". Das malträtierte Organ trocknete und brach nach ein paar Tagen in Stücken ab. Als Entschädigung zahlte das St. Boniface Hospital 66 000 Dollar. Schmerzliche Ironie der Geschichte: Bei Brian, den die Ärzte nach dem Unglück nicht angetastet hatten, gab sich die Vorhautverengung von selbst.
Die Eltern suchten eine Kapazität nach der anderen auf, aber die Chirurgen konnten ihnen keine Hoffnungen machen, die bitterste Prognose kam von einem Psychiater: Bruce werde in der Pubertät ein Trauma seiner Unvollständigkeit erleben und erkennen, "dass er abseits leben muss".
Der Vater schreckte nachts aus Alpträumen auf, in denen er Dr. Huot erdrosselte. Da kam wie ein himmlischer Fingerzeig der berühmte Professor John Money vom Bildschirm in das ärmliche Wohnzim- mer der Reimers. Eloquent beschrieb der Psychoendokrinologe vom Johns Hopkins Hospital in Baltimore die Leiden von Menschen, die sich im Gefängnis eines falschen Körpers fühlten und Erlösung durch eine Geschlechtsumwandlung erfuhren.
Durch Moneys Inspiration nahm seinerzeit die Johns Hopkins University bei der Behandlung von Transsexuellen eine Pionierstellung ein. Von da aus ging der Anstoß für die Akzeptanz derartiger Operationen in das medizinische Establishment des Westens. Dann sahen die Reimers Diane, eine attraktive Blondine auf hohen Hacken, die vor kurzem ein Richard war. Am Ende der Fernsehsendung erwähnte der charismatische Doktor noch seine Erfahrungen mit Kindern, die bei ihrer Geburt unvollständige Geschlechtsorgane hatten. Die Reimers waren fasziniert. Janet schrieb sofort an Money und schilderte den Fall von Bruce.
Der aus Neuseeland stammende Psychologe hatte über Hermaphroditen promoviert, jene seltsamen Wesen, die nach dem griechischen Götterboten Hermes und der Liebesgöttin Aphrodite benannt worden waren. Die Zwitter waren für ihn Wegweiser zu einem Opus magnum. Er schickte sich an, "altes und neues Wissen" aus der Genetik und Embryologie, aus der Hormon- und Hirnforschung, aus der Anthropologie, der Soziologie und der Psychologie zusammenzufassen und daraus eine Theorie über die Geschlechtsunterschiede im Verhalten abzuleiten.
Mit Spannung verfolgte er in der internationalen Forschung Experimente mit Fröschen und Fischen, Mäusen und Ratten, Kaninchen und Affen zu den ihn interessierenden Fragen. Eine Überprüfung beim Menschen verbot sich, wie er wiederholt betonte, "aus selbstverständlichen, ethischen Gründen". Umso dankbarer war er für Einblicke durch Experimente der Natur im Mutterleib (siehe Kasten Seite 128).
Bei zahlreichen Intersex-Menschen, wie Zwitter wissenschaftlich genannt werden, fiel Money ein merkwürdiges Phänomen auf: Aus Individuen mit den gleichen Genen und der gleichen hormonellen Vorgeschichte im Mutterleib waren sowohl Jungen als auch Mädchen geworden, je nachdem, für was sie nach der Geburt fälschlich oder richtig gehalten worden waren.
Erst in der Pubertät zeigten sich ernsthafte Probleme, aber dann konnten genetisch weibliche Jungen mit Testosteron behandelt werden: Sie entwickelten eine typisch männliche Statur und Bartwuchs. Dagegen modellierten Östrogene bei genetisch männlichen Mädchen den Busen und verteilten das Fett zu weiblichen Rundungen. Sexuell waren sie in der Regel, wenn auch nicht immer, am entgegengesetzten Geschlecht interessiert, also dem anderen, obwohl es genetisch das eigene war.
Daraus schloss der Wissenschaftler, dass der Mensch mit einer neutralen Identität auf die Welt kommt und fortan durch seine Umwelt, die sich an seinen äußeren Geschlechtsmerkmalen orientiert, gesagt bekommt, ob er Mann oder Frau werden soll.
Money sah ein offenes Tor bis zum 18. Lebensmonat, das sich dann allmählich schließt; wenn ein Kind die Sprache beherrsche, wisse es genau, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Danach sei eine Geschlechtsidentität nur noch schwer zu ändern, es sei denn, ein Intersex-Kind oder ein erwachsener Transsexueller will es unbedingt.
Die Rollen, in denen das normalerweise sehr sichere Gefühl "ich bin weiblich" oder "ich bin männlich" der Umwelt gegenüber ausgedrückt wird, hielt Money für flexibel. Er verwies auf verschiedene Kulturen, die ihre Geschlechterrollen höchst unterschiedlich ausgestalteten, aber alle gemeinsam bemüht waren, den Unterschied an sich zu betonen. Das hielt er - im Gegensatz zu postmodernen Verwirrungstendenzen - für unbedingt richtig. Auch die Entwicklung von Stolz auf das Geschlecht, in dem ein Kind aufgezogen wird, erschien ihm als sehr wichtig.
In illustren Wissenschaftszirkeln wurde Moneys Theorie, die er bereits in Aufsätzen skizzierte, begeistert aufgenommen. Aber ein unbekannter Nachwuchsforscher forderte die Koryphäe heraus. Milton ("Mickey") Diamond, Sohn jüdischer Emigranten aus der Ukraine, hatte an Hormonexperimenten mit Meerschweinchen mitgearbeitet. Sie ergaben bei den Föten eine geschlechtsspezifische Vorprägung im Gehirn. Daraus schloss er, dass auch beim Menschen das Tor keineswegs offen wäre.
Selbstverständlich wusste auch Money, dass die Hormongeschichte im Mutterleib Spuren im kindlichen Hirn hinterließ. Denn das war der Part seiner engsten Mitarbeiterin Anke Ehrhardt, einer aus Hamburg stammenden Kaufmannstochter. Am Johns Hopkins Hospital studierte sie die geheimnisvolle Macht der männlichen Androgene, und zwar an Mädchen, die als Föten unter ihrem Einfluss gestanden hatten, entgegen der Naturregel.
Alles, was die traditionellen Klischees für richtige Jungen vorsahen, war an diesen Mädchen zu beobachten. Sie verschmähten Puppen und liebten wilde, raumgreifende Spiele, natürlich auch Sport, sie waren ausgesprochen wettbewerbsorientiert und strebten in Kindergruppen nach Dominanz - zweifellos ein vorgeburtliches Androgen-Programm. Aber sie waren sicher als Mädchen identifiziert, und darin sah Money seinen Trumpf, schließlich hatten Diamonds Meerschweinchen keine Identität.
Trotzdem höhnte Diamond, er würde die Theorie des offenen Tors erst glauben, wenn Money "unverzüglich" einen Jungen mit normaler vorgeburtlicher Hormongeschichte vorweisen könne, der "erfolgreich zur Frau erzogen wird".
Genau das Experiment bot sich an, als der Brief aus Winnipeg kam. Money schrieb unverzüglich zurück, und Anfang 1967 reisten die Reimers mit den Zwillingen ins 2200 Kilometer entfernte Baltimore. Sie waren tief beeindruckt von Moneys Aura in seinem Arbeitszimmer: überall Orientteppiche, selbst über die Armstühle geworfen, und dann all die fremdartigen Aborigines-Plastiken, Phallus, Vulva, Brüste inmitten eines tropischen Pflanzenparadieses. "Ich schaute zu ihm auf wie zu einem Gott", erinnerte sich Janet Reimer.
Money riet bei Bruce genau zu dem Programm, das er für Zwitter mit Mikropenis entwickelt hatte, weil die chirurgische Rekonstruktion eines Penis höchst unbefriedigend war, eine Neovagina dagegen ein gutes Ergebnis versprach. An der Johns Hopkins University bestand reichlich Erfahrung, die Jungen gleich nach der Geburt zu kastrieren, äußerlich einem Mädchen anzugleichen, im Schulalter chirurgisch mit einer Vagina zu versehen und in der Pubertät mit Östrogenen zu feminisieren.
Die Reimers waren verwirrt und flogen wieder nach Hause. Ihr Kinderarzt in Winnipeg riet ab, aber ihre Überlegung, dass es ihr Kind als Mädchen leichter haben werde, als im Schatten seines unversehrten Zwillingsbruders zu stehen, gewann schließlich die Oberhand.
Die Eltern gaben Bruce den Namen Brenda Lee, ließen dem Kleinkind die Haare wachsen und brachten es im Alter von 22 Monaten, also während Moneys postuliertem Toresschluss, zur Kastration in das Johns Hopkins Hospital. Mit den Hoden verlor das Kind ein für alle Mal die Chance auf spätere Fruchtbarkeit. Der Penisstumpf wurde chirurgisch abgetragen, so dass sich äußerlich ein annähernd mädchenhaftes Erscheinungsbild ergab.
Die junge Mutter nähte aus dem weißen Satin ihres Hochzeitsgewandes für ihre neue Tochter das erste Kleidchen, aber Brenda versuchte, es sich vom Leib zu reißen. "O mein Gott, sie weiß, dass sie ein Junge ist." An diesen quälenden Gedanken sollte sich die Mutter bis heute erinnern. Dem Vater blieb unvergessen, wie Brenda seinen Rasierer haben wollte und unglücklich war, als sie hörte, dass sich Mädchen nicht rasieren. Obwohl sie mit Puppen überhäuft wurde, interessierte sie sich nur für das Spielzeug ihres Zwillingsbruders, besonders für Autos.
Als dominierender Zwilling haute sie zu, um Brian aus misslichen Lagen zu befreien. Sie pinkelte vorzugsweise im Stehen, obwohl sie das nicht durfte, weil so viel daneben- ging. Aber sie konnte, so schrieb die Mutter an Money, auch sehr feminin sein, immer dann, wenn sie ihren Eltern besonders gefallen wollte.
Als Brenda im Alter von vier Jahren zur ersten Nachuntersuchung zu Money gebracht wurde, schlug und trat sie um sich, weil sie sich nicht testen lassen wollte. Brian, als perfektes Vergleichsobjekt ebenfalls hoch gefragt, witterte, dass ihn und seine Schwester irgendein finsteres Geheimnis umgab, etwas, über das niemand sprach: "Wir waren wie Aliens", so drückte er dies Gefühl später aus.
Obwohl Brian nie am weiblichen Geschlecht von Brenda zweifelte, fiel ihm schon in der ersten Klasse auf, dass sie anders als alle anderen Mädchen war. Sie benahm sich grob und ungebärdig, sie wurde verspottet und ausgegrenzt - eine schmerzliche Erfahrung, die sich durch ihre ganze Schulzeit ziehen sollte.
Mit sechs Jahren malte sie beim Test im Johns Hopkins Hospital einen Jungen als Selbstbildnis. Money intervenierte auf seine Art. Nach seiner Theorie kreiste die Identität um den harten Kern des genitalen Unterschieds. Deshalb hielt er kindliche Sexspiele, "fucking games", wie er gern sagte, für förderlich im Sinn einer gesunden Entwicklung, Prüderie erschien ihm dagegen als schädliches Unheil. So zeigte er den Zwillingen Fotos von nackten Kindern. Was dann geschah, erinnerten sie noch als Erwachsene mit großer Scham. Money soll sie aufgefordert haben, sich auszuziehen. Zwei Szenen sind den beiden ins Gedächtnis gebrannt: Brenda mit gespreizten Beinen und Brian auf ihr, Brenda auf allen Vieren und Bruce von hinten über ihr.
1972, als Brian versetzt wurde, die unangepasste Brenda dagegen in der ersten Klasse sitzen blieb, veröffentlichte Money sein Opus magnum mit seiner Co-Autorin Anke Ehrhardt. In der Bundesrepublik erschien es als Rororo-Taschenbuch "Männlich - Weiblich". Darin wurde der sensationelle Zwillingsfall als Erfolgsgeschichte enthüllt. Moneys Theorie erregte wissenschaftliches Aufsehen in der westlichen Welt. Sie fegte bei gestandenen Medizinern, Soziologen, Psychologen und Philosophen das traditionelle Geschlechterbild hinweg, beflügelte die noch junge Frauenbewegung und erreichte in simpler Form über die Medien weite Kreise.
Mit sieben Jahren weigerte sich Brenda, nach Baltimore zu reisen, aber sie wurde durch einen Besuch von Disneyland bestochen. Um sie auf die Operation zur Anlage einer Vagina vorzubereiten, zeigte ihr Money Fotos von einer Hippie-Mutter bei ihrer Geburt. Aber die verstörte Brenda wollte kein "Babyloch". Money diagnostizierte eine tief sitzende Angst vor der Chirurgie. Brenda sah das, wenn die Erinnerung stimmt, ganz anders, ihre Gedanken kreisten um einen jungen Mann mit Schnurrbart und Sportwagen: So einer wäre sie zu gern geworden.
Wenig später, im Herbst 1973, traf sich eine Forscher-Creme in Dubrovnik zu einem Symposium über Geschlechtsidentität. Der Star Money und der als Fanatiker verschrieene Diamond gerieten über den Zwillingsfall in einen Streit, der nach einer Anrempelei zu einer Prügelei auszuarten drohte. Kollegen trennten die Kontrahenten. Sie repräsentierten zwei konkurrierende Lebensstile: Money, der lonely wolfe, der wegen seiner avantgardistischen Freizügigkeit von manch einem beneidet wurde; Diamond, der Familienmensch, der es zu vier Töchtern bringen sollte.
Vor der nächsten Reise nach Baltimore, 1974, hatte Brenda einen Nervenzusammenbruch. Sie konnte nur noch in einer Ecke hocken und heulen. Als sie nach ein paar Monaten Aufschub doch wieder Money gegenübersaß, murmelte sie unverständliche Antworten. Kaum dass er auf das Thema der Operation kam, rannte sie aus dem Raum.
Money legte den Eltern als Hausarbeit auf, sich vor Brenda nackt zu zeigen. Dass ihre Mutter plötzlich unbekleidet den Haushalt versah, verstörte das Kind. Die Reimers gingen mit den Zwillingen zum Nacktbaden an einen einsamen Fluss.
Auftragsgemäß sprach die Mutter immer wieder über die notwendige Operation. Verzweifelt über die Verschwörung ihrer Eltern und ihrer Hassfigur Money, rebellierte Brenda. Der schulpsychologische Dienst verzeichnete, dass sich ihre Verhaltensprobleme verschlimmert hätten. Auch Brian reagierte auf die Nöte seiner Schwester mit Niedergeschlagenheit. Eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die sie erhielt, wandte er sich von ihr ab, was er sich als Erwachsener nicht verzieh.
Als Versuch, den auf Brenda fixierten Argusaugen der Großeltern, Onkel, Tanten und Lehrer zu entkommen, verkauften die Reimers ihr Haus und zogen mit einem Wohnwagen aufs Land. Aber alles wurde nur noch schlimmer. Vater Ron realisierte, dass die Verwandlung seines Sohnes Bruce in Brenda nicht funktionierte, aber er konnte darüber nicht sprechen, stürzte sich als Workaholic in seinen Job bei einer Sägemühle und ließ sich abends vor dem Fernseher mit Bier volllaufen.
Der nächste Test im Johns Hopkins Hospital, den Brenda nur unter großem Zwang absolvierte, konfrontierte die Eltern mit einem neuen Problem. Nach Exploration der erotischen Phantasien der fast Zehnjährigen bereitete Money die Reimers darauf vor, dass sie möglicherweise eine lesbische Tochter aufzögen - zu viel für die schon fragile Familie.
In dem kleinen Wohnwagen herrschte eine Stimmung, die sich Brenda als Abfolge der immer gleichen Szene einschrieb: "Mama weinte und schrie, Papa trank." Janet Reimer geriet in eine Depression und rächte sich an ihrem verstummten Mann durch eine flüchtige Liebschaft. Vor lauter Schuldgefühlen versuchte sie, sich durch Schlaftabletten umzubringen. Ihr Mann fand sie gerade noch rechtzeitig und brachte sie ins Krankenhaus. Schließlich brannte auch noch der Wohnwagen aus.
Während die Reimer-Familie ihre tiefste Krise erlebte, erschien Moneys Theorie in einem populärwissenschaftlichen Werk. Der Zwillingsfall wurde kitschig mit Haarbändern und Rüschenblusen von "Daddy''s little Sweetheart" ausgeschmückt: "Ein dramatischer Beweis, dass die Option der Geschlechtsidentität bei der Geburt für normale Kinder offen ist."
Brenda merkte sehr wohl, dass sie der Grund der Familientristesse war. Wieder zurück in Winnipeg, versuchte sie, ihre Eltern aufzuheitern, indem sie sich "ladylike" benahm. Dagegen reagierte sich Brian mit Gewalttätigkeiten an anderen Kindern ab.
Schulpsychologen diagnostizierten bei Brenda "stark maskuline Interessen" und "Suizidgedanken". Der Psychiater Keith Sigmundson trommelte alle fachlichen Größen von Winnipeg zusammen und zeigte ihnen ein Video von dem Mädchen, das wie ein Junge war. Es herrschte Übereinstimmung, dass der mittlerweile in der wissenschaftlichen Literatur in vielen Facetten zitierte Fall bisher fehlgeschlagen, aber zu weit fortgeschritten war, um ihn rückgängig zu machen.
Also sollte weiter vorangeschritten werden, um Brenda schließlich doch zu einer weiblichen Identität zu verhelfen. Unter der Supervision von Sigmundson wurde sie einer weiblichen Therapeutin anvertraut. Money bedrängte diese brieflich, Brendas Widerstand gegen die Vaginaloperation zu brechen. Die Therapeutin scheiterte und reichte den Fall weiter. Die nächste Therapeutin kapitulierte vor dem Problem, dass Brenda wie eine Detektivin ihr Rätsel lösen wollte, aber genau das nicht sollte.
Ferngesteuert von Money, bekam Brenda kurz vor ihrem zwölften Geburtstag Östrogene verschrieben. Der Vater kam mit den Pillen, als ob sie ein Weihegeschenk wären: "Damit du einen Büstenhalter tragen kannst." Brenda wollte keinen Büstenhalter. Schon gar nicht den Busen, der ihr alsbald wuchs, während sie zugleich wie Brian in den Stimmbruch kam. So oft es ging, versteckte sie die Pillen unter der Zunge und spuckte sie ins Klo.
Noch einmal brachte sie die geballte therapeutische und elterliche Anstrengung 1978 in Moneys Sanktum. Als er ihr seine Hand auf die Schulter legte, flüchtete sie in Panik bis auf ein Hausdach. Wieder zu Hause, drohte sie mit Selbstmord, wenn sie noch einmal gezwungen würde, Money zu sehen. Die dritte Therapeutin riet, das Mädchen unverzüglich zu einem Jungen zu machen, aber die Eltern befürchteten, das Leben ihres Kindes zu riskieren.
Brenda tanzte auf Festen mit Jungens. Als der erste sie zu küssen versuchte, war es für sie wie "ein Nackenschlag". In der Verwirrung ihrer Gefühle glaubte sie, wahnsinnig zu werden. Dagegen erlebte sie auf einer Pyjama-Party von Mädchen, die sich ungeniert auszogen, wunderbare Wonnen, was noch verwirrender war.
Die vierte Therapeutin half Brenda schließlich aus ihren Selbstmordphantasien. Sie bestärkte das Kind, Money nicht mehr wieder zu sehen. Aber da kam er zu ihrem Entsetzen angereist, hielt einen Vortrag in Winnipeg und besuchte die Reimers. Die Zwillinge tauchten ins Kellergeschoss ab. Der illustre Gast verpasste sein Flugzeug und nächtigte auf einer Luftmatratze in dem bescheidenen Haus. Es war das letzte Mal, dass Brenda ihm begegnete.
Im Alter von 14 Jahren nahm sie ihr Schicksal in die eigenen Hände und hörte einfach auf, als Mädchen zu leben. In Jungsklamotten zog sie wie ein verschlampter Freak durch die Gegend, verspottet als "Höhlenfrau" oder "Gorilla". Sie pinkelte wieder im Stehen und wurde aus der Schultoilette erst von den Mädchen, dann den Jungs auf die Straße vertrieben.
Der Arzt, der fasziniert von dem großen Money Brendas Hormonbehandlung überwachte, erreichte seine Grenzen: 20 Minuten saß das verstockte Mädchen ihm gegenüber und weigerte sich, die Brust betasten zu lassen. Schließlich stellte er ihr die Frage ihres Lebens: "Willst du ein Mädchen werden oder nicht?" Ihre Antwort: "Nein." Der Arzt war zu Brendas Überraschung nicht ärgerlich, sondern sagte ruhig: "Okay, du kannst dich wieder anziehen." Unverzüglich setzte er sich mit der Therapeutin in Verbindung und überzeugte sie, dass dem Teenager endlich die Wahrheit gesagt werden müsse.
Das war die Aufgabe von Vater Ron. Er holte Brenda von ihrer Therapiestunde im Auto ab, spendierte ihr ein Eis und wirkte so nervös, dass sie ein Familiendesaster befürchtete. Während er sie in der Intimität des Wagens über ihr Schicksal aufklärte, sah sie ihren Vater zum ersten Mal in ihrem Leben weinen. Sie weinte nicht. Zorn, Ungläubigkeit, Erstaunen erschütterten sie, aber das alles überwältigende Gefühl war Erleichterung: "Plötzlich machte alles Sinn." Mit dem zerschmolzenen Eis in ihrer Hand stellte sie nur eine Frage: "Wie war mein Name?"
In einem kleinen Häuschen, in dem seine Mutter als Parkplatzaufseherin arbeitete, erfuhr Brian zur selben Zeit, dass seine Zwillingsschwester sein Bruder war. Vor Wut durchschlug er mit der Faust zwei Scheiben: "Scheiße, die ersten 14 Jahre meines Lebens waren eine Lüge."
Brenda nahm nach dem biblischen Kampf gegen Goliath den Namen David an. Kurz vor seinem 15. Geburtstag hatte er bei der Hochzeit eines Onkels den ersten Auftritt als Jüngling im Anzug. Hingebungsvoll tanzte er mit der Braut. Er bekam Testosteronspritzen und ließ sich den Busen wegoperieren.
Gleich nach der schmerzhaften Prozedur kaufte er sich ein Schießeisen für 200 Dollar. Gefährlich ausgestattet marschierte er ins St. Boniface Hospital und stellte Dr. Huot: "Wissen Sie, in welche Hölle Sie mich gestürzt haben?" Der Arzt realisierte, dass sein Patient mit dem verschmorten Penis vor ihm stand und fing still zu weinen an. David stürzte aus dem Raum und weinte sich am Ufer des Red River aus. Dann zerschmetterte er die Waffe mit einem Stein und warf sie in den Fluss.
Die Rekonstruktion eines rudimentären, nicht funktionstüchtigen Penis und nachfolgende Infektionen brachten ihn 18-mal ins Krankenhaus. Mit 18 Jahren bekam David das Schmerzensgeld ausgezahlt, inzwischen über 170 000 Dollar. Um Mädchen zu imponieren, kaufte er sich eine Karosse mit Bar und TV, die als rollendes Schlafzimmer ganz mit Plüsch ausgeschlagen war. Darin küsste er viele Mädchen, vermied aber mehr Intimität.
Der ersten richtigen Freundin gestand er sein Penisunglück. Sie plauderte das Geheimnis aus. Als David realisierte, dass die Mädchen über ihn kicherten, schluckte er den ganzen Vorrat der Antidepressiva seiner Mutter. Die Eltern fanden ihren bewusstlosen Sohn und fragten sich im ersten Anflug des Schocks, ob sie seinen Todeswunsch akzeptieren sollten. Dann brachten sie David schleunigst ins St. Boniface Hospital. Nach einem zweiten Selbstmordversuch rettete ihn Brian.
Eine 13-stündige Operation bescherte David im Alter von 22 Jahren einen einigermaßen funktionstüchtigen Penis. Er beneidete seinen Zwillingsbruder, der bereits verheiratet war und zwei kleine Kinder hatte. Aber er schlug sich mit dem Problem herum, ob er einer Frau seine Unfruchtbarkeit zumuten könnte.
Durch ein von Brian sorgfältig vorbereitetes Arrangement lernte David eine junge Frau kennen, deren Problem wie ein Puzzle-Teil zu dem seinen passte. Jane hatte drei Kinder von drei Vätern, weil sie grundsolide jedes Mal an die Liebe geglaubt und nicht abgetrieben hatte, aber immer wieder verlassen worden war. Die beiden feierten 1990 Hochzeit mit 130 Gästen. David adoptierte Janes Kinder und fand vor allem in seinem Sohn die verlorene Kindheit wieder.
"Mickey" Diamond, längst Professor für Reproduktionsbiologie an der Universität von Hawaii, hatte immer wieder nach Informationen über den Zwillingsfall gesucht und schließlich sogar per Inserat in einem Fachdienst behandelnde Ärzte gebeten, sich bei ihm zu melden. Angeregt durch eine BBC-Recherche, stieß er schließlich auf den Psychiater Sigmundson, dem Supervisor von Brendas Therapie.
Mit der Genehmigung von David, der zum ersten Mal von der wissenschaftlichen Bedeutung seines Schicksals erfuhr, veröffentlichten Diamond und Sigmundson den Fall 1997 unter dem Pseudonym "John/ Joan" in einer angesehenen Wissenschaftszeitschrift. Die beiden Autoren erlebten einen Ansturm von Journalisten und legten David eine lange Liste mit Interviewwünschen vor. Da er wie sein Vater ein Rock-''n''-Roll-Fan war, suchte er den unbekannten Vertreter des Magazins "Rolling Stone" aus. Colapinto interviewte David über hundert Stunden und wertete alle Protokolle über dessen Behandlung aus. Sein Artikel, ebenfalls unter dem John/Joan-Pseudonym, wurde preisgekrönt.
1998 präsentierte eine Wissenschaftlergruppe den Gegenfall. Der Junge aus Toronto, der seinen Penis ebenfalls bei einer Beschneidung verloren hatte, wurde bereits mit sieben Monaten im Johns Hopkins Hospital kastriert. Inzwischen 26 Jahre alt, äußerte die junge Frau keinen Zweifel an ihrer weiblichen Identität, beschrieb aber ihre Interessen als ausgesprochen maskulin: schon ihr Jungens-Spielzeug in der Kindheit und schließlich ihren handwerklichen Männerberuf. Zwar hatte sie sexuelle Erfahrungen mit drei Männern, aber es war ihr lieber, wenn sie ihre Unterhosen anbehielten. Ihre erotischen Phantasien kreisten um Frauenkörper. Von ihrem letzten Freund ging sie über in eine lesbische Beziehung.
Colapinto stieß bei seinen Recherchen noch auf die Fälle von zwei Jungen, deren Beschneidung in Atlanta misslungen war: an ein und demselben Tag, genau dem Tag von Davids 20. Geburtstag. Ein Elternpaar kassierte 22,8 Millionen Dollar Schadensersatz und reflektierte auf eine Penis-Rekonstruktion bei Sohn Antonio. Dagegen wurde "Baby Doe", wie das zweite Kind in den Gerichtsakten hieß, nach Moneys Programm zum Mädchen gemacht. Dabei war der Wissenschaftler durch eine Korrespondenz mit Janet Reimer, der er Persönliches wie seinen Prostatakrebs anvertraute, über David wohl informiert.
Money, inzwischen 78 Jahre alt und emeritiert, verweigerte zu Davids Fall jeden Kommentar. Aber indirekt nahm er doch Stellung: Als er zum Fall eines Jungen, dessen Penis von einem kleinen Hund abgebissen worden war, konsultiert wurde, hatte er keinen Rat mehr zu geben. Was immer er falsch gemacht haben mag, sein Werk enthält viele Erkenntnisse, die bis heute als richtig gelten.
Moneys Mitarbeiterin Anke Ehrhardt machte in den USA eine spektakuläre Frauen-Karriere als Professorin. Sie wurde in New York Chefin eines großen Forschungszentrums für die psychosozialen Folgen von Aids und förderte als Feministin begeistert Frauen. Auch andere Forscher aus Moneys Entourage besetzten Schlüsselpositionen im Wissenschaftsbetrieb.
Bei seinen umfassenden Recherchen kam Colapinto, inzwischen Vater eines Sohnes, auch in Kontakt mit Selbsthilfegruppen von Zwittern, die mit ihrer Geschlechtszuweisung und all den Operationen viele Schwierigkeiten hatten. Übers Internet formierte sich in den USA eine Bewegung von Intersex-Menschen. Ihre Ausläufer reichen inzwischen bis nach Deutschland, wo in der Regel ein Mikropenis unter 2,5 Zentimetern beim Baby abgeschnitten wird und eine Zuweisung zum weiblichen Geschlecht erfolgt.
Die Forderung von amerikanischen Intersex-Aktivisten trifft sich mit einer avantgardistischen medizinischen Linie, die Diamond und Sigmundson vertreten: Weg mit dem Messer in der Kindheit. Gleichwohl müsse in der dualen Geschlechterwelt eine sehr klare, wenn auch vorläufige Entscheidung getroffen werden, auf welche Seite das Kind gehört, und dann vorsichtig abgewartet werden, was es selber will.
Der über sein eigenes Schicksal hinausragende Kontext, auch Alpträume von "Baby Doe", bewogen David, in Colapintos Buch seine Anonymität zu lüften. Inzwischen 34 Jahre alt, blickt er gelassen in den "Abgrund von Dunkelheit" und auf die "Gehirnwäsche" in seiner Kindheit. Auch hat er Trost für seine noch immer von Schuldgefühlen zerfressenen Eltern übrig.
Durch die Kastration und die Östrogene in der Pubertät sieht er mit seiner zarten Haut ohne sonderlichen Bartwuchs sehr viel jünger und zierlicher aus als sein eineiiger Zwillingsbruder mit seiner wuchtigen Statur und einem dicken Schnurrbart - ein Unterschied, über den David gern witzelt: "Ich bin der junge coole Elvis, er ist der fette alte Elvis."
Sichtlich genoss er seinen ersten Fernsehauftritt in einer Talkshow. Seine öffentliche Mission geht gegen die phallische Arroganz, die ihn zur "Null" und zum "Nichts" absinken ließ: "Es ist nicht der Penis, der den Mann ausmacht."
* John Colapinto: "As nature made him - The boy who was raised as a girl". Harper Collins Publishers, New York; 280 Seiten; 26 Dollar.
Von Ariane Barth

DER SPIEGEL 18/2000
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