08.05.2000

SCHMERZMITTEL Freiheit für Morphine

Die Angst der deutschen Medizinbürokraten vor einer freizügigeren Verordnung von morphiumhaltigen Schmerzmitteln ist unbegründet. Das hat eine Langzeitstudie aus den USA bestätigt, die den Verbrauch solcher Analgetika in Klinik und Praxis und zugleich den Konsum von Rauschmitteln über sechs Jahre hinweg untersuchte. Der Verbrauch von morphiumhaltigen Schmerzmitteln für Krebskranke und Patienten mit schweren chronischen Schmerzen nahm, so zeigte die im "Journal of the American Medical Association" veröffentlichte Studie, an 500 US-Kliniken zwischen 1990 und 1996 um bis zu 59 Prozent zu. Im gleichen Zeitraum registrierten die Fahnder der amerikanischen Rauschgiftbehörde bei vier der erfassten fünf Schmerzmittel einen Rückgang in der Drogenszene um knapp 60 Prozent. Der Konsum von illegalen Drogen wie Heroin oder Kokain hingegen verdoppelte sich. Nur für reines (legales) Morphium, so zeigte die Untersuchung, war in der Szene ein geringer Anstieg um 3,2 Prozent zu verzeichnen.


DER SPIEGEL 19/2000
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