28.08.2000

MEDIZIN Hilft Homöopathie?

Die Homöopathie wirkt bei allergiegeplagten Menschen tatsächlich und hilft weitaus stärker als Scheinmedikamente - das glaubt jedenfalls die Medizinergruppe um Morag Taylor vom schottischen Krankenhaus Royal Infirmary für eine Form des allergischen Schnupfens bewiesen zu haben. Im Unterschied zu Placebos verursachten homöopathische Mittel eine "klare, signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserung", behaupten die Homöopathie-Ärzte in der neuesten Ausgabe des "British Medical Journal". Sie hatten 50 Patienten entweder ein Scheinmedikament verabreicht oder eine allergieauslösende Substanz, die nach den Regeln der Homöopathie extrem verdünnt worden war (in 30 Schritten jeweils 1 zu 99). Ergebnis: Die Homöopathie-Patienten konnten offenbar freier atmen. Bei ihnen stieg der Lufteinstrom durch die Nase um 24 Liter pro Minute - bei Placebo-Probanden nur um 4 Liter.
Das hatte indes keinen Einfluss auf das Wohlempfinden: egal ob Placebo oder Homöopathikum - die Mitglieder der beiden Gruppen fühlten sich gleich verschnupft. Vor allem aber birgt die Studie methodische Mängel, welche die Interpretationen der Autoren in Frage stellen: So durften die Patienten auch konventionelle Mittel gegen ihren Schnupfen schlucken. Wer welches Medikament zu sich nahm, bleibt jedoch unerwähnt. Auch aus einem anderen Grund beweise die Arbeit keinesfalls die Wirksamkeit homöopathischer Mittel, kritisiert Jürgen Windeler, Klinischer Epidemiologe vom Medizinischen Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen in Essen: "Denn das Medikament, das so hoch verdünnt wurde, stammt aus der Schulmedizin. Und das gehört gar nicht zum klassischen Konzept der Homöopathie."

DER SPIEGEL 35/2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.