16.10.2000

FOTOGRAFIE

Die Macht der Hand

Die Hand sei ein "Werkzeug vor allen Werkzeugen", schrieb Aristoteles, und damit ist sie in ihrer Vielfältigkeit offen für Schönes, aber auch für Böses. 20 Jahre lang hat der Hamburger Grafiker Karl Gröning Bilder von Händen gesammelt und sie nun in einem umfangreichen Buch veröffentlicht: In "Hände - berühren, begreifen, formen ..." (Frederking & Thaler Verlag, München; 256 Seiten; 148 Mark) zeigt er, aufgeteilt in zwölf Kapitel, Macht und Möglichkeiten des sensiblen Organs - der Finger am Abzug, das Beklatschen des Modedesigners nach der Schau, ein elegant geführter Pinsel zum Beispiel -, aber auch Händezeichnungen oder -Skulpturen aus der Renaissance, bei den Inkas, den Ägyptern oder aus der Frühzeit. Außerdem kommen ein Unfallchirurg, eine Humanbiologin und eine Handleserin zu Wort. Der Schriftsteller Joseph von Westphalen erklärt die Bedeutung der Hand beim Schreiben: "Wenn ich nur rede, begreife ich nichts." Ein Text gelinge ihm nur, wenn er auf seinem Laptop tippe, "bis endlich eine Idee in Gestalt einiger Formulierungen auf der Hand liegt und fassbar geworden ist".


DER SPIEGEL 42/2000
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