20.11.2000

GESTORBENKarl Markus Michel

Karl Markus Michel, 71. Den Lesern seiner Essays erschien er als zweibeinige Enzyklopädie, und die Neugier, mit der er noch den scheinbar entlegensten Gegenständen auf den Grund ging, kannte keine Grenzen. Mehr als vier Jahrzehnte lang hat Michel den geistigen Austausch in der Bundesrepublik angeregt, reflektiert und organisiert. Geboren 1929 in Hongkong als Sohn eines Missionars, studierte er in Frankfurt Philosophie, Soziologie und Literaturwissenschaft. In den fünfziger Jahren war er Mitarbeiter des "Instituts für Sozialforschung". Als Suhrkamp-Lektor wurde er zur Verkörperung der "Kritischen Theorie". Im Verlauf von 35 Jahren prägte er als Autor und Mitherausgeber die Zeitschrift "Kursbuch" - zeitweise eine Art intellektuelles Zentralorgan der Republik - noch mehr als deren Begründer, sein Freund Hans Magnus Enzensberger. In vorgerückten Jahren hat Michel sich von allerlei extravaganten Theorien der Postmoderne herausfordern lassen. Die intellektuelle Leidenschaft des ironischen Freigeistes aber war und blieb seine Lebensgefährtin: die Aufklärung. Karl Markus Michel starb am 15. November an Krebs.

DER SPIEGEL 47/2000
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