DER SPIEGEL



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Eine Hand voll Glück Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

Martha (Suzanne von Borsody) ist ein typischer Single: Die Neurochirurgin kennt nur ihren Beruf, zu Hause ist der Kühlschrank bis auf ein paar Dosen mit Bier leer. Nach einer Party bei Kollegen überfährt sie alkoholisiert den rumänischen Straßenjungen Gigi (Stephan Dellgrün), den der Zuschauer zuvor als kleinen Dieb in den Händen einer Menschenhändlerbande kennen gelernt hat. Martha informiert den Rettungsdienst, begeht dann aber Fahrerflucht. In ihrem Krankenhaus begegnet sie dem verletzten Jungen wieder, und zwischen beiden entwickelt sich eine Art Zwangsbündnis: Dafür, dass der Junge über die Fahrerflucht schweigt, darf er - auf der Hut vor der Bande - bei der Ärztin wohnen. Ein Kripo-Mann (Henry Hübchen) und die rumänischen Häscher zerstören bald das Zusammenleben, und erst nach einigen gefährlichen Situationen, die Martha und Gigi zu überstehen haben, besteht die Chance, dass Single und Kind auf Dauer zueinander finden. Das Verdienst dieses TV-Films (Regie: Christiane Balthasar) besteht im Vermeiden von falscher Sentimentalität. "Eine Hand voll Glück" ist ein herbes Sozialdrama; auf einen Deus ex Machina aus der Welt der Rosamunde Pilcher, der alles wunderbar zum Guten wendet, wartet der Zuschauer zum Glück vergeblich.

Kanzlerbilder Donnerstag, 22.15 Uhr, Südwest III

In seinem Film "Der Kandidat" hat Thomas Schadt vor drei Jahren Gerhard Schröders Wahlkampf verfolgt - nun widmet er sich dem Alltag des Kanzlers und forscht nach den Spuren der Macht in Gestus und Sprache. Doch die Grenze zwischen kalkulierter und echter Jovialität vermag Schadt auch diesmal nicht aufzuzeigen - auch wenn er die Kamera noch so lange draufhält. Bleibt die Erkenntnis, dass Schröder seit Jahren mit einem schmalen Sortiment an immergleichen Sprüchen ("Hol mir mal 'ne Flasche Bier") aus dem Stegreif Volksnähe erzeugen kann und diese Begabung auch auf Staatsbesuchen nicht hinderlich ist. So gesehen ist Schadts Film weniger ein Stück über die Kanzlerwerdung eines Niedersachsen als über die Hannoverisierung der Bundespolitik.

Faust Freitag, 22.20 Uhr, ZDF

Deutsche Kritiker fanden für das Großprojekt von Regie-Altmeister Peter Stein bei der Premiere auf der Expo kaum ein gutes Wort: Der komplette "Faust", ungekürzt, wortgetreu und nahezu mätzchenlos inszeniert, ließ sie kalt. Anders viele Zuschauer, die von den nie gehörten Sprach-Hexereien begeistert waren und sind. Nun kommt das Spiel vom Teufelsbündner mit zwei Seelen, ach, in seiner Brust, auf den Bildschirm, mit dem wieder genesenen Bruno Ganz in der Hauptrolle. Wer sich auf die vielstündige Reise "vom Himmel durch die Welt zur Hölle" einlässt, die im monströs-prächtigen zweiten Teil endgültig zum Panoptikum der gesamten Geistes- und Theatergeschichte Europas ausufert, erlebt griechische Halbgötter auf Roller-Skates, Mephisto im Kampf mit Marschflugkörpern, ein kesses Retortenbaby, Rittergelage und Minister in Geldnot - einen Allego- rienreigen der Superlative, treu dem Spruch: "Am farbigen Abglanz haben wir das Leben." 3sat wiederholt "Faust I" am Samstag um 20.15 Uhr und sendet "Faust II" am Sonntag von 9.15 Uhr an.

Polizeiruf 110: Bei Klingelzeichen Mord

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD Der in Brandenburg ansässige ORB produziert als kleiner Sender nur einen Film pro Jahr für die Polizeiruf-Reihe, eigentlich bedauerlich, denn die sorgfältig inszenierten Stücke aus Brandenburg packen gern aktuelle Themen an. Diesmal geht es um Gewalt in der Schule. Eine Lehrerin (Gudrun Gabriel) wird mitten im Unterricht erstochen, aber keiner ihrer 28 Schüler will etwas gesehen haben. Hauptkommissarin Wanda Rosenbaum (Jutta Hoffmann) ermittelt hartnäckig und versucht mit psychologischem Geschick, die Jugendlichen aus der Reserve zu locken. Elternproteste und Trittbrettfahrer erschweren die Arbeit der Polizistin ebenso wie der eiserne Zusammenhalt der Klasse, die sich nicht einmal durch ein Obduktionsvideo oder die Beerdigung des Opfers aus der Ruhe bringen lässt. Erst durch die Verzweiflungstat eines Mädchens kommt Bewegung in den Fall. Regisseur Andreas Kleinert sorgt für eine beklemmende Atmosphäre. Das Drehbuch (Stefan Kolditz) kommt ohne Effekthascherei und moralischen Zeigefinger aus. Die geduldige Darstellung lässt erahnen, in welcher Situation Menschen zu Mördern werden, ohne dass der Zuschauer Partei für die Opfer- oder Täterseite ergreifen muss. Ein im besten Sinn anstrengender kammerspielartiger Film, auf den es sich einzulassen lohnt.


DER SPIEGEL 7/2001
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