02.07.2001

USAWashington erwägt Cyber-Schlag

Der jahrelange erfolglose Kampf gegen Hacker, die geheime Dateien des Pentagon und anderer Militärdienststellen herunterladen und verschwinden lassen, frustiert amerikanische Sicherheitsexperten. Ein Militärsprecher warnte bereits, in Zukunft würden alle Zivilisten, die sich unbefugt Zugang zu militärischen Daten verschafften, als "illegale Kombattanten" - elektronische Freischärler sozusagen - und als Kriminelle verfolgt. Sollte hingegen eine ausländische Macht hinter den seit über drei Jahren andauernden Attacken stecken, würden die USA auch einen elektronischen Gegenschlag erwägen. Nach ihren Internet-Scharmützeln mit Chinesen, die vor wenigen Wochen Hunderte US-Websites, darunter auch die des Weißen Hauses, blockierten, um so gegen den Luftzwischenfall vor der Insel Hainan zu protestieren, steuert Washington nun auf einen Konflikt mit Moskau zu. Bis zu russischen Internet-Servern ließen sich nämlich etliche der Spuren verfolgen, die Hacker bei ihren Raubzügen durch geheime US-Datenbanken hinterließen. Die Bitte um Fahndungshilfe blieb in Moskau allerdings ebenso erfolglos wie ein förmlicher diplomatischer Protest. Ronald Dick, der für die Bundespolizei FBI ein Zentrum zum Schutz der Infrastruktur leitet, berichtete kürzlich, dass amerikanische Militärdienststellen allein in den Jahren 1999 und 2000 mehr als 1300 schwere Cyber-Angriffe überstehen mussten. Die Eindringlinge, die bei ihren Raubzügen in den Zielcomputern oft getarnte Schnüffel-Programme installieren, die ohne weiteren Eingriff von außen interessante Dateien ausspähen und an unbekannte Empfänger weiterleiten, gehen so raffiniert vor, dass sie sogar einen Großteil jener neuen Passwörter abfangen konnten, welche die gegnerische Wühlarbeit unterbinden sollten. Auch allen jüngsten Versuchen, militärische Geheimnisse besser zu schützen, geben Experten wenig Chancen. Regelmäßig versuchen Tester des Pentagon in militärische Computernetze einzudringen - gewöhnlich mit Erfolg. In 99 Prozent der Fälle wird das unerlaubte Eindringen von den autorisierten Nutzern der Netzwerke nicht einmal bemerkt.

DER SPIEGEL 27/2001
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