Viagra auf Krankenschein ist nicht mehr fern. Aus Furcht vor Milliardenausgaben - eine Viagra-Pille kostet rund 20 Mark - hatte der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen 1998 bei der Einführung des Potenzmittels die Erstattung durch die Kassen untersagt. Inzwischen gaben mehrere Sozialgerichte Klägern Recht, die Viagra als Medikament mit der Kasse abrechnen wollten. Nachdem vorvergangene Woche die Techniker Krankenkasse die Revision gegen ein solches Urteil beim Bundessozialgericht zurückzog und im Einzelfall zahlen will, sieht der Vorsitzende des Bundesausschusses, Karl Jung, Handlungsbedarf. Voraussichtlich im August soll das Totalverbot revidiert werden. Eine völlige Freigabe hält Jung indes immer noch für nicht finanzierbar. Der 100-Millionen-Umsatz, den Viagra in Deutschland macht, könnte sich verzehnfachen - und die Kassen mit einer Milliarde Mark belasten. Der Ausweg wäre eine Indikationslösung, bei der es Viagra als Kassenleistung nur gibt, wenn der Arzt die Impotenz als Folge einer Krankheit bescheinigt. Aber selbst dann bleibt das Problem der Verschreibungsmenge. Jung: "Wer ist derjenige, der sagt, wie oft?"
DER SPIEGEL 30/2001
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