06.08.2001

Die Schandmauer

Von Wiegrefe, Klaus

Vor 40 Jahren ließen Ulbricht und Chruschtschow die Mauer bauen - Symbol der deutschen Teilung. Zehntausende versuchten das SED-Bollwerk zu überwinden, Hunderte ließen dabei ihr Leben. Wollten die Alliierten die Mauer nicht verhindern? Geheimdienstdokumente belegen: Der Westen wusste rechtzeitig Bescheid.

Die Stimmung auf der Gartenparty von Walter Ulbricht war prächtig. Die Augustsonne strahlte vom Himmel, und nach dem Kaffee schlenderten die Funktionäre über die Wiese hinter dem Haus zu den Birken am Großen Döllnsee. Partei- und Staatschef Ulbricht hatte eigens den sowjetischen Lustspielfilm "Rette sich, wer kann!" besorgen lassen; seine Gäste sollten sich nicht langweilen. Doch die DDR-Minister, Staatssekretäre und Vorsitzenden der Blockparteien plauderten lieber. Nur wenige hatten bei der Anfahrt die Panzer und Soldaten in den Wäldern gesehen.

Die Gäste wussten, dass Ulbricht die Wochenenden oft in dem mehrstöckigen Ferienhaus mit dem Walmdach verbrachte; Hitlers Protegé Hermann Göring hatte das Gebäude einst für seinen Leibjäger nördlich von Berlin errichten lassen. Etwas merkwürdig mutete die Besucher allerdings Ulbrichts betonte Heiterkeit an. Der asketische, arbeitswütige Sachse, der jeden Morgen um sechs Uhr Frühsport trieb und gern Rohkost mit Eiern aß, dozierte auch nach Feierabend am liebsten über den Aufbau des Sozialismus. Doch an diesem Nachmittag scherzte der Diktator mit der Fistelstimme so charmant, als sei er auf einer Feier zum internationalen Frauentag.

Volkskammerpräsident Johannes Dieckmann von der pseudoliberalen Blockpartei LDPD wurde schließlich unruhig und wandte sich an den groß gewachsenen Alfred Neumann, den damaligen Kronprinzen Ulbrichts: "Sagen Sie einmal, Neumann, warum sind wir heute am Döllnsee?" Neumann, langjähriger Vertrauensmann des sowjetischen militärischen Geheimdienstes GRU, log: "Ich habe keine Ahnung."

Es war gegen 22 Uhr; das Geschirr vom Abendbrot war bereits abgedeckt, als Ulbricht seine Gäste plötzlich in einen Nebenraum bat: "Wir machen jetzt noch eine kleine Sitzung."

Ulbricht war der mächtigste Kommunist, den Deutschland je hervorbrachte; er hatte Lenin noch persönlich erlebt und mit Stalin verkehrt. Nun wollte er, dass der Ministerrat, die offizielle, aber machtlose Regierung der DDR, sein streng geheimes Vorhaben absegnete: den Bau der Berliner Mauer.

Eine Diskussion war nicht vorgesehen: "Ich lasse sie nicht weg, bis die Aktion beendet ist", hatte Ulbricht tags zuvor dem sowjetischen Botschafter Michail Perwuchin angekündigt, "sicher ist sicher."

Seit Jahren ließ Ulbricht die deutschdeutsche Grenze zwischen Ostsee und Bayerischem Wald mit Stacheldraht ausbauen und ab 1960 auch Stockminen verlegen. Grenzpolizisten durften auf Flüchtlinge notfalls ohne Warnschuss feuern. Trotzdem flohen die Ostdeutschen zu Hunderttausenden in den Westen - die meisten über Berlin.

An den Grenzübergängen zwischen Ost-Berlin und den Westsektoren, etwa am Potsdamer Platz oder an der Bernauer Straße, kontrollierten die Posten nur sporadisch; mit einer S-Bahn-Karte für 20 Pfennig konnten Fluchtwillige wie der spätere Außenminister Hans-Dietrich Genscher einfach in den Westteil der Stadt fahren und von dort in die Bundesrepublik ausfliegen. West-Berlin, schimpfte Ulbricht, sei "ein Paradies der Menschenhändler, Spione, Diversanten, eine Eiterbeule, die junge Menschen systematisch durch Filme verseucht, die Mord und andere Schwerverbrechen lehren".

Seinen Gästen am Döllnsee verkündete Ulbricht, dass in einigen Stunden, am 13. August 1961 um 1 Uhr morgens, die Operation "Rose", wie die Stasi es nannte, beginnen werde: die Abriegelung West-Berlins. "Alle einverstanden?", fragte der SED-Chef rhetorisch in die Runde. Ulbrichts Gäste schwiegen und nickten.

10 680 Tage, bis zum 9. November 1989, sorgte die Berliner Mauer dafür, dass die

Menschen in Ostdeutschland dem real existierenden Sozialismus der SED nicht entkommen konnten. Die Mauer rettete die Existenz der DDR. "Wir mussten die offene Wunde West-Berlin schließen", rechtfertigte sich Ulbricht in vertrauter Runde, "ich weiß, wie man mich dafür hasst, aber ich musste das auf mich nehmen, für den Sozialismus."

165,7 Kilometer Betonmauer und Metallgitterzaun, bewehrt mit Wachtürmen, Panzersperren und Hundelaufanlagen, trennten schließlich die Berliner und damit alle Deutschen. Die Mauer riss Geschwister, Liebende und Freunde auseinander. An der extra eingerichteten Kontrollhalle neben dem Ost-Berliner Bahnhof Friedrichstraße, über den West-Berliner und Westdeutsche zum Besuch ein- und ausreisen durften, spielten sich Tag für Tag ergreifende Szene ab. Die Berliner tauften das gläserne Gebäude "Tränenpalast".

Im Westen wurde die Berliner Mauer zur grausigen Weltsensation, die Touristen anzog wie das Charlottenburger Schloss oder

der Wannsee. Nie zuvor hatte eine Regierung ihr Volk einfach eingesperrt, um es einem gesellschaftspolitischen Experiment zu unterziehen. Von hohen Holzplattformen aus schauten die Besucher über den Stacheldraht hinweg "nach drüben", argwöhnisch beobachtet von den Grenzern mit dem Schießbefehl. Die Berliner Mauer - Symbol politischen Staatsbankrotts.

Die Fotos, die vom Westen an der Mauer aufgenommen wurden, diskreditierten die SED für immer: Der Maurer Peter Fechter verblutet im Todesstreifen, nachdem Grenzer den Flie- henden angeschossen haben; eine Frau stürzt sich in der Bernauer Straße aus dem Fenster in das Sprungtuch der Feuerwehr. Das Haus steht im Osten, der Bürgersteig gehört zum Westen. Mit Taschentüchern winken tränenüberströmte Berliner in Ost und West einander zu, während Bauarbeiter die Mauer immer höher ziehen.

Im Osten brachte das mörderische Bollwerk eine ganze Generation um die Wahl zwischen Bundesrepublik und DDR. Mindestens 230 Menschen kamen bei dem Versuch ums Leben, die Berliner Mauer zu überwinden; wie viele insgesamt starben, weil sie die DDR verlassen wollten, ist bis heute ungeklärt. Die Experten Bernd Eisenfeld und Roger Engelmann rechnen mit etwa 950 Toten**. Sie ertranken in der Ostsee oder im Schwarzen Meer, traten auf Minen oder wurden von Selbstschussanlagen getötet. Das letzte Opfer, Frank M., der über das schon freie Polen flüchten wollte, wurde Anfang November 1989 aus der Oder gezogen (siehe Seite 74).

Während des Kalten Krieges war die Mauer das umstrittenste Bauwerk Deutschlands. Die SED bejubelte sie als "antifaschistischen Schutzwall", der den Frieden bewahrte; für den Westen war sie die Schandmauer. Wie es zu der Entscheidung kam, die Grenze abzuriegeln, blieb dabei weitgehend im Dunkeln. Sprach Ulbricht die Wahrheit, als er in der berühmten Pressekonferenz am 15. Juni auf eine Frage der Journalistin Annamarie Doherr ("Frankfurter Rundschau") erklärte: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten"? Oder drängte er in Moskau auf den Bau des tödlichen Bauwerks, wie osteuropäische Diplomaten gern durchblicken ließen? Oder hat vielmehr Kreml-Chef Nikita Chruschtschow den Mauerbau angeordnet?

Der Westen reagierte auf den 13. August 1961 mit lauen Protesten, und sofort stellten sich böse Fragen: Was wussten die westlichen Nachrichtendienste vorab von den östlichen Plänen? Gab es gar ein geheimes Einverständnis zwischen Chruschtschow und dem US-Präsidenten John F. Kennedy, wie damals der Verleger Axel Springer mutmaßte und Sahra Wagenknecht von der Kommunistischen Plattform der PDS heute behauptet?

Elf Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges sind inzwischen Hunderte Dokumente in den Archiven der Weltmächte und auch der ehemaligen DDR zugänglich geworden: Briefwechsel zwischen Chruschtschow und Ulbricht, Berichte der sowjetischen Botschaft in Ost-Berlin nach Moskau, Aufzeichnungen von den Gipfeln der Warschauer-Pakt-Staaten, Protokolle des amerikanisch-sowjetischen Gipfels 1961 in Wien, Absprachen zwischen ostdeutschen und sowjetischen Militärs, Terminkalender Ulbrichts. Unterlagen, die als vernichtet galten, sind wieder aufgetaucht. Nach Ulbrichts Tod 1973 hatte sich Nachfolger Erich Honecker Listen der Dokumente aus dem Nachlass des Verstorbenen vorlegen lassen. Er ordnete an, einen Teil in Archiven aufzubewahren; vieles sollte geschreddert werden. Doch die Archivare mochten manche Kartons mit Briefen, Notizen und Anweisungen nicht in den Reißwolf geben; die Papiere sind jetzt im Berliner Bundesarchiv einsehbar.

Selbst die Dienste in Ost und West haben manche Vorlage freigegeben, vor allem jene Prognosen, die sich als zutreffend erwiesen. Einige der Papiere zum Mauerbau konnte der SPIEGEL nun zum ersten Mal auswerten. Auch Zeitzeugen wie Ulbrichts Dolmetscher Werner Eberlein und der sowjetische Diplomat Julij Kwizinski erzählen heute bereitwillig von den dramatischen Augenblicken, in denen sich das

* Am 3. Juni 1961 im Musikzimmer der US-Botschaft in Wien.

Schicksal einer ganzen Generation entschied.

Damals, Anfang der sechziger Jahre, war die Weltlage hoch brisant, Berlin die Frontstadt des Kalten Krieges; Dutzende Geheimdienste bespitzelten und sabotierten einander. Im Berliner Umland lieferten sich die westlichen Militärmissionen mit den Vopos und den Sowjets wilde Verfolgungsfahrten, die gelegentlich mit Schlägereien und manchmal auch mit Toten endeten. Hochgerüstet standen Briten, Amerikaner, Franzosen und Sowjets einander in der alten Reichshauptstadt gegenüber. Jedes Missverständnis konnte einen Nuklearkrieg auslösen.

Die Alliierten waren am Ende alle froh, dass sie am Dritten Weltkrieg vorbeischlidderten; den Preis dafür zahlten die Ostdeutschen. Noch weitere 28 Jahre mussten sie die SED-Diktatur ertragen.

Die Flucht aus dem sowjetisch besetzten Teil Deutschlands hatte gleich nach der Kapitulation 1945 begonnen. Bis zum Mauerbau 1961 setzten sich 2,7 Millionen Ostdeutsche in den Westen ab, im Durchschnitt an jedem Tag ein mittelgroßes Dorf.

Der SED war die Massenflucht zunächst ganz lieb. "Uns erschien es vorteilhaft", erinnert sich Fritz Schenk, der damalige Büroleiter des DDR-Planungschefs Bruno Leuschner, "wenn frühere Unternehmer die DDR verließen; man hatte keine Beschäftigung für sie." Die Volkspolizei gab bereitwillig die Visa aus, mit denen Ostdeutsche zu Besuchen in den Westen fahren durften - und meist dort blieben.

Entgegen Ulbrichts Erwartungen versiegte der Flüchtlingsstrom jedoch nicht. Vor allem junge Leute und Akademiker setzten sich ab, die DDR drohte ein greiser Arbeiter-und-Bauern-Staat zu werden. Doch allein mit Proletariern ihrer Generation wollten der Tischler Walter Ulbricht, Jahrgang 1893, der Buchdrucker Otto Grotewohl, Jahrgang 1894, und der Tischler Wilhelm Pieck, Jahrgang 1876, den Sozialismus lieber nicht aufbauen.

1957 schloss die SED weitgehend die innerdeutsche Grenze; Reisevisa wurden kaum noch ausgestellt. Wer die DDR ohne Erlaubnis verließ, beging "Republikflucht"; darauf standen bis zu drei Jahre Gefängnis. Den Bleibewilligen versprach Ulbricht wenig später vollmundig, den Lebensstandard in der Bundesrepublik werde man bis 1961 "ein- und überholen". "Wieso wollt ihr den Kapitalismus überholen", frotzelten die Berliner, "wenn er vor dem Abgrund steht?"

Chruschtschow verfolgte die Entwicklung in der DDR besonders aufmerksam. Der Stalin-Nachfolger kannte Ulbricht seit 1942. Damals hatten die beiden sich an der Front vor Stalingrad kennen gelernt. Chruschtschow organisierte die Verteidigung der Stadt mit; Ulbricht, der die Nazi-Zeit im Moskauer Exil verbrachte, suchte Wehrmachtssoldaten mit Flugblättern und Lautsprecherappellen zum Überlaufen zu bewegen. Besonders sympathisch waren sich der spontane, humorvolle Bergarbeitersohn aus der Ukraine und der misstrauische, berechnende Apparatschik aus Leipzig nie. Doch Chruschtschow glaubte, "die Auseinandersetzung zwischen Sozialismus und Kapitalismus" werde in der DDR ausgetragen; der ostdeutsche Staat müsse deshalb zum "Schaufenster des Sozialismus" werden.

Fast jede Woche ließen sich die Diplomaten der sowjetischen Botschaft in ihrem düsteren Sandsteinbau an der Prachtstraße Unter den Linden von den deutschen Genossen über den Flüchtlingsstrom informieren. Im Sommer 1958 hatten die Sowjets genug. "Angesichts der Tatsache, dass die Flucht der Intelligenz eine besonders kritische Phase erreicht hat", notierte der damalige ZK-Abteilungsleiter und spätere Gorbatschow-Förderer Jurij Andropow, "müssen wir mit dem Genossen Ulbricht sprechen." Der Vermerk liegt heute im Russischen Staatsarchiv für Zeitgeschichte in Moskau.

Mindestens zweimal trafen Ulbricht und Chruschtschow in jenem Jahr zusammen. Neben den beiden Parteichefs war nur ein Dolmetscher dabei; in Moskau Wiktor Belezki, in Berlin Werner Eberlein, dessen Vater einst die KPD mit gegründet hatte und im Gulag umkam. Über den Inhalt der Gespräche sagen beide Ähnliches aus. "Walter, du musst eines begreifen", erinnerte sich 1992 Belezki an Chruschtschows Worte, "bei offenen Grenzen können wir mit dem Kapitalismus nicht konkurrieren." Ulbrichts Reaktion schildern die Dolmetscher gleich: Er war "völlig damit einverstanden". Schon Anfang der fünfziger Jahre hatte die SED die Abriegelung West-Berlins in Moskau vorgeschlagen, vergebens.

Chruschtschow hielt es 1958 für möglich, Briten, Franzosen und Amerikaner aus West-Berlin zu vertreiben - und so das Flüchtlingsproblem zu erledigen. Die sowjetischen Streitkräfte hatten im Jahr zuvor ihre erste Interkontinentalrakete erfolgreich getestet. "Die Führer der USA", folgerte Chruschtschow, "sind nicht solche Idioten, die um Berlin kämpfen."

Im November 1958 forderte er den Westen zu Verhandlungen über eine "Freie Stadt" West-Berlin binnen sechs Monaten auf. Andernfalls würde er der DDR in einem Friedensvertrag alle Berlin-Rechte übertragen. Ulbricht sollte die Kontrolle über den Verkehr zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik übernehmen; ostdeutsche Republikflüchtlinge wären aus West-Berlin nicht mehr herausgekommen.

Unter den Ostdeutschen sorgte Chruschtschows Ultimatum für Torschlusspanik. Ulbricht fand den Schritt gut. Doch als das Ultimatum verstrich und nichts geschah, da fing der SED-Chef an zu drängeln. Als ob der Viermächte-Status bereits nicht mehr existierte, schikanierten ostdeutsche Grenzposten einen US-Diplomaten am Brandenburger Tor und lösten damit eine ostdeutsch-sowjetische Krise aus. "Beeil dich nicht so", hatte Chruschtschow seinen deutschen Konfrater schon zuvor gemahnt und ihn an die glanzvolle Zukunft des Sozialismus erinnert. Es gehe darum, Zeit zu gewinnen: "Und was geschieht in dieser Zeit? Sie werden schwächer, und wir werden stärker sein."

Ulbricht war ein raffinierter Apparatschik, der listenreich und ergeben die Säuberungen Stalins überstanden hatte. Historiker trauen ihm zu, ein Anschwellen des Flüchtlingsstroms provoziert zu haben, um Chruschtschow unter Druck zu setzen. Ulbricht verschärfte im Frühjahr 1960 ohne erkennbaren Grund die Kollektivierung der Landwirtschaft. 199 188 Menschen kehrten der ostdeutschen Republik 1960 den Rücken; davon entkamen 152 291 über die offene Grenze nach West-Berlin.

17. Oktober 1960

Am 17. Oktober 1960 berichtete die sowjetische Botschaft in Berlin, dass "unsere Freunde" über eine "Schließung der Sektorengrenze" diskutierten. Chruschtschow stellte eine Woche später grundsätzlich klar: Ulbricht möge bitte "keine Maßnahmen durchführen, die die Lage an der Grenze zu West-Berlin verändern". In den USA standen Wahlen an. Chruschtschow wollte abwarten, wie sich das Verhältnis zu dem neuen Präsidenten entwickelte.

Für Ulbricht war schon Anfang 1961 die Schließung der Grenze nur noch eine Terminfrage, wie der damalige Kulturfunktionär Hans Bentzien nach der Wende berichtete. Der junge Greifswalder (Wahlspruch: "Die Kultur soll bliehen, darum wählt Bentzien") begann am 23. Februar 1961 seinen Dienst als Kulturminister in dem umgebauten Barockpalais am Berliner Molkenmarkt. Noch am selben Nachmittag musste der gelernte Lehrer mit den buschigen Augenbrauen zu Ulbricht kommen. Bentzien dachte, er würde eine Einweisung in sein Amt erhalten, stattdessen nahm er an einer Plansitzung zur Abriegelung der Grenze teil.

Chefplaner Leuschner jammerte, es gebe nicht genug Stacheldraht. Verkehrsminister Erwin Kramer, der schon im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft hatte, legte Entwürfe für die Fahrpläne der geteilten Stadt vor. Ulbricht sprach das Schlusswort: "Der Termin ist abhängig vom Ergebnis eines Treffens zwischen Genossen Chruschtschow und Kennedy."

29. März 1961

Was danach im sowjetischen Imperium geschah, erzählte Jahre später der tschechoslowakische General Jan Sejna, der in den Westen floh. Am 29. März um 9 Uhr trafen sich Chruschtschow und Ulbricht mit den osteuropäischen Parteiführern im Kreml.

Sejna zufolge zog Ulbricht richtig vom Leder: Die Monopolkapitalisten würden skrupellos die besten Produktivkräfte abwerben. Auf die Frage der Genossen, was man dagegen tun könne, soll Ulbricht "eine rigorose Abschnürung West-Berlins" gefordert haben, "mit Posten unserer Grenzorgane, mit Barrieren, vielleicht auch mit Stacheldrahtzäunen".

Die osteuropäischen Alliierten waren laut Sejna entsetzt. Die einen fürchteten Krieg mit dem Westen, die anderen sorgten sich um das Ansehen des sozialistischen Lagers, wenn mitten durch die Stadt ein Stacheldrahtzaun verliefe. Chruschtschow hat angeblich am Abend abstimmen lassen: 5: 1 gegen Ulbricht, Chruschtschow soll sich enthalten haben.

Dolmetscher Eberlein ist einer der letzten Überlebenden des Ostblockgipfels. Er erinnert sich noch mit Schaudern an die Unterkunft der DDR-Delegation auf den Leninbergen in Moskau. Das Grundstück war von einer meterhohen Mauer umgeben. Trat man aus dem Haus, so Eberlein, "sah man immer nur diese Mauer".

An einen Vorstoß seines Chefs zur Abgrenzung West-Berlins kann Eberlein sich nicht erinnern; das Redeprotokoll Ulbrichts, das inzwischen im Berliner Bundesarchiv liegt, stützt seine Version. Von Stacheldraht ist dort keine Rede, Ulbricht jammerte nur über das "große Loch inmitten unserer Republik"; gemeint war West-Berlin.

19. Mai 1961

Am 19. Mai meldete Botschafter Perwuchin nach Moskau: "Die Freunde möchten jetzt jene Kontrolle über die Grenze zwischen dem demokratischen Berlin und West-Berlin etablieren, die es ihnen, wie sie sagen, ermöglichen würde, das ''Tor zum Westen'' zu schließen, die Republikflucht der Bevölkerung einzudämmen und den Einfluss der Wirtschaftsverschwörung gegen die DDR ... zu schwächen." Außenminister Andrej Gromyko gab den Bericht an das Archiv des sowjetischen Außenministeriums weiter, wo ihn die Historikerin Hope Harrison fand.

3. Juni 1961

Kreml-Chef Chruschtschow war ein impulsiver Mann. In einer Sitzung der Uno-Vollversammlung trommelte er aus Protest mit seinem Schuh auf den Tisch vor sich. Bei einem DDR-Aufenthalt versuchte er, auf der Herrentoilette den Wasserhahn abzuschrauben; er wollte ein ähnliches Modell in der Sowjetunion fertigen lassen.

Als er Kennedy am 3. Juni 1961 in dem in Grau und Rot gehaltenen Musikzimmer der amerikanischen Botschaft in Wien traf, lief er sogleich "Amok", wie Kennedy nach dem Treffen erzählte. Der intellektuelle Kennedy, der sich als Student in Harvard mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges beschäftigt hatte, wollte eines verhindern: einen "Krieg aus Versehen", insbesondere einen nuklearen.

Chruschtschow stellte am nächsten Tag seinem Gegenüber ein neues Berlin- Ultimatum. Kennedy: "Ich möchte fragen, ob Ihre Worte bedeuten, dass unser Zugang nach West-Berlin gesperrt wird?" "Sie haben richtig verstanden, Herr Präsident", antwortete Chruschtschow. Dann, so Kennedy, "werden wir uns von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen". Chruschtschow: "Wir wollen keinen Krieg, wenn Sie ihn uns aber aufzwingen, wird es einen geben." Kennedy: "Es scheint einen kalten Winter zu geben in diesem Jahr."

Am Abend vergnügte sich Chruschtschow auf einem Empfang. Er tanzte, sang und spielte Schlagzeug. "Ist das immer so?", fragte Kennedy verstört seinen Moskauer Botschafter. Antwort: "Mehr oder minder."

In Wien gewann der junge US-Präsident den Eindruck, Chruschtschow unterschätze ihn. "Solange der glaubt, ich habe keine Erfahrung und kein Rückgrat, werden wir mit ihm kein Stück weiterkommen", erklärte Kennedy einem Journalisten. Ende Juli verkündete er ein gigantisches Aufrüstungsprogramm. West-Berlin war für Chruschtschow nur noch durch einen Krieg zu haben, den er nicht wollte. Für das Abdichten des Fluchtlochs mussten er und Ulbricht sich eine andere Lösung einfallen lassen.

Noch im Juni 1961 lud der SED-Chef Botschafter Perwuchin zum Essen an den Döllnsee ein. Ulbricht prophezeite an jenem Tag "den Zusammenbruch" der DDR, wenn die Grenze offen bliebe. In Moskau, aber auch in Ost-Berlin entwarfen Diplomaten und Funktionäre damals immer neue Vorschläge, wie sich der Flüchtlingsstrom stoppen ließe. Könnte man nicht eine Absperrung um ganz Berlin errichten, so dass Fluchtwillige gar nicht erst nach Ost-Berlin gelangen konnten? Unmöglich, lautete das Gegenargument, die stark zentralisierte DDR sei schließlich ganz auf die Hauptstadt Ost-Berlin ausgerichtet.

Ulbrichts Forderung umfangreicher Wirtschaftshilfen aus dem Ostblock, um die DDR aufzupäppeln, lehnten die osteuropäischen Bruderstaaten ab; den Ostdeutschen ging es schon besser als allen anderen. Vergebens bat Ulbricht um sowjetische Arbeitskräfte als Ersatz für die Flüchtlinge. Chruschtschow gab zu bedenken, wie sich ein Proletarier aus dem Vaterland aller Werktätigen dabei wohl fühlen würde: "Er hat den Krieg gewonnen, und nun muss er eure Toiletten putzen. Wir können das nicht machen."

Viele Flüchtlinge, das wusste Ulbricht, flohen aus politischen, nicht aus wirtschaftlichen Gründen. Die nahe liegende Schlussfolgerung eines sanften Sozialismus mochte Ulbricht nicht ziehen. "Der da hinten kann sich alles leisten", lästerte er über Tauwetter-Experimente Chruschtschows, "ich aber sitze im Schützengraben. Welcher Soldat im Schützengraben zündet sich eine Zigarette an?"

Am 4. Juli schrieb Botschafter Perwuchin an Außenminister Gromyko, es gebe nur zwei Möglichkeiten: Entweder schließe man die Sektorengrenze, oder die DDR müsse den Zugriff auf den gesamten Verkehr zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik bekommen, insbesondere auf den Flugverkehr. Die Maschinen von Pan-Am, British European Airways und Air France flogen damals durch drei alliierte Korridore von den Flughäfen Tempelhof und Tegel aus. Perwuchin wollte die West-Berliner zwingen, nur noch DDR-Flughäfen zu nutzen oder ostdeutschen Grenzpolizisten das Recht einräumen, in Tegel und Tempelhof die Reisenden zu kontrollieren. DDR-Flüchtlinge hätten West-Berlin nicht mehr verlassen können.

6. Juli 1961

An den 6. Juli erinnert sich Sowjetdiplomat Kwizinski genau. Perwuchin rief ihn zu sich: "Wir haben ein Ja aus Moskau!" Kwizinski bekam den Auftrag, Ulbricht sofort ausfindig zu machen; er fand ihn in der Volkskammer.

Mit einer dunklen Sil-Limousine rasten die beiden Diplomaten in die nahe Luisenstraße. Er habe eine Nachricht von Chruschtschow, erklärte Perwuchin dem SED-Chef, die Grenze dürfe geschlossen werden. Ulbricht, so Kwizinski, "nickte mit dem Kopf und bat, Chruschtschow seinen Dank zu übermitteln".

Ulbricht und Perwuchin mochten sich nicht, heimlich sammelte der Deutsche Material gegen den Wirtschaftsexperten, der einst unter Stalin als Hoffnungsträger gegolten hatte. Doch jetzt hielten sie zusammen. "Wenn etwas schief geht", warnte Perwuchin, "reißt man uns beiden den Kopf ab."

Die Koordination der Vorbereitungen übertrug Ulbricht dem jun-

gen Sekretär für Sicherheitsfragen Erich Honecker. Der gebürtige Saarländer hatte das besondere Vertrauen des SED-Oberen. Honecker hatte zu ihm gehalten, als das Politbüro Ulbricht während des Aufstands vom 17. Juni 1953 absetzen wollte.

Honecker musste sich eng mit den Sowjets abstimmen. Kwizinski übersetzte die Berichte, in denen die deutschen Genossen über die Trennung der U-Bahn oder der Stromversorgung berichteten. Anschließend schickte Kwizinski die Dokumente mit dem Kurier nach Moskau. Funken kam nicht in Frage; das Geheimnis der Grenzabriegelung sollte gewahrt bleiben.

Ein großes Problem war der Mangel an Stacheldraht. Über 100 Tonnen karrten Lastwagen von der innerdeutschen Grenze zunächst quer durch die ostdeutsche Republik, um die westlichen Geheimdienste zu täuschen, ehe sie ihre Fracht im Umland Berlins deponierten. Nach einer Aktennotiz aus der Abteilung Honeckers im Bundesarchiv fehlten allerdings kurz vor dem Mauerbau 300 Tonnen. Woher diese dann kamen, ist ungeklärt.

Dolmetscher Eberlein erinnert sich, dass die Metalldornen grundsätzlich über Rumänien importiert wurden; Diplomat Kwizinski meint, 1961 seien die Rollen mit dem stählernden Flechtwerk von der deutsch-polnischen Grenze angekarrt worden. Die westdeutsche "Fachvereinigung Draht" beteuerte nach dem Mauerbau, die Unternehmen ihres Verbandes hätten nicht geliefert.

25. Juli 1961

Für die fluchtwilligen Ostdeutschen lief die Zeit nun ab. Am 25. Juli, das belegt ein bislang unbekannter Vermerk, befahl Generalleutnant Grigorij Ariko, Stabschef der sowjetischen Streitkräfte in der DDR, dass "die Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Zusammenarbeit mit dem Ministerium des Innern einen Plan zur Sicherung der Sektorengrenzen erarbeitet". Polizisten und Betriebskampfgruppen sollten die Grenzübergänge sperren, die Nationale Volksarmee (NVA) dahinter sollte größere Durchbrüche verhindern. Divisionen der 20. sowjetischen Gardearmee sollten die Amerikaner von einem Eingreifen abhalten.

Besonders raffiniert: Agitatoren der SED hatten sich an der Grenze unter Schaulustige zu mischen und kleine Debatten zu provozieren. Der Deutsche, erläuterte Kwizinski später das Kalkül, sei "bekanntlich nicht abgeneigt, über alles Mögliche zu diskutieren". Die vielen kleinen Diskussionsrunden sollten die Ostdeutschen von Großdemonstrationen abhalten.

Spätestens am Dienstag, dem 8. August, so Ariko, hätten die Pläne fertig zu sein. Ulbricht wollte unbedingt an einem Sonntag losschlagen. Der SED-Chef rechnete damit, dass bei Sommerwetter die Berliner ins Grüne führen; ein Protest würde geringer ausfallen. Der folgende Sonntag war der 13. August 1961.

Der kräftige Oberstleutnant Horst Skerra, der einst als Zuschläger im Braunkohlebergbau gearbeitet hatte, wurde Ende Juli zu seinem Vorgesetzten gerufen. Er solle sich sofort mit einigen Offizieren in das Schloss Wilkendorf bei Strausberg begeben. Als die Truppe im Autobus ankam, fiel den Offizieren auf, wie stark das Gebäude bewacht war. Fast alle Fernmeldeverbindungen wurden sofort gekappt. Niemand sollte ohne Erlaubnis telefonieren können. Dann machten sich die Soldaten ans Werk. "Wir haben damals für den X-Tag" geplant, erinnert sich Skerra heute. "Das Datum war uns nicht bekannt."

4. August 1961

Skerra war der Einzige aus der Gruppe, der am 1. August mit zu Chruschtschow nach Moskau fliegen durfte. Ulbricht und Chruschtschow wollten dort die osteuropäischen Verbündeten auf Linie bringen.

Insgeheim hoffte Ulbricht wohl noch, Zugriff auf den Verkehr zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik zu bekommen. Doch der Kreml-Chef raubte dem Deutschen gleich bei der Begrüßung alle Hoffnungen. Mit der Abriegelung der Grenze sei er einverstanden, "aber keinen Millimeter weiter".

Über die geplante Grenzabriegelung wurde auch unter den Genossen nur unter größter Geheimhaltung gesprochen. Ulbricht ließ wohl deshalb die Passage seiner Rede am 4. August, in der eine Sperrung der Grenze erwähnt wurde, hinterher aus dem offiziellen Protokoll entfernen, das erst kürzlich in Moskau gefunden wurde.

Seine Delegation hielt Ulbricht streng unter Kontrolle. "Wir kamen nie zusammen", erzählt Dolmetscher Eberlein, "nur jeweils einzeln ging man zu Ulbricht ins Zimmer und verständigte sich mit ihm, so dass Ulbricht der Einzige war, der den Gesamtüberblick besaß."

Besonders misstrauisch waren Deutsche und Sowjets gegenüber den Polen und den Ungarn. Dabei sprudelten viele Informationen aus der SED. Etwa 60 ostdeutsche Funktionäre und Militärs, schätzt der Historiker Armin Wagner vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam, waren eingeweiht.

6. August 1961

Am 6. August bekam die CIA von einem Arzt aus der Umgebung Berlins einen Tipp. Der SED-Mann hatte in einem Parteiausschuss davon gehört, dass "drastische Maßnahmen" zur Abriegelung West-Berlins am nächsten Wochenende vorgesehen seien. Mehrere sowjetische und ostdeutsche Divisionen sollten eingesetzt werden. Auch amerikanische Diplomaten wiesen früh auf die geplante Schließung der Grenzen hin.

Die Franzosen erfuhren von ihrem besten Agenten in Ost-Berlin, einem Zahnarzt, dass die DDR einen großen Schlag gegen West-Berlin plane. Der Mediziner hatte es von seinen Patienten aus der SED-Prominenz erfahren. "Sie wollen Absperrungen mitten durch Berlin bauen", unterrichtete er seinen französischen Führungsoffizier.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) war ebenfalls informiert. Das belegen bislang unbekannte interne Recherchen, die der Dienst in den achtziger Jahren für sich anstellte. Mitte Juli sagte eine Quelle des BND voraus: "Die Fluchtbewegung innerhalb der SBZ-Bevölkerung wird die SED in Kürze zu rigorosen Maßnahmen veranlassen ..." Einige Tage später erfuhr der BND, dass ein "SED-Spitzenfunktionär" von Plänen zur Abriegelung West-Berlins berichtet hatte. Diese lägen "seit langem ausgearbeitet vor". Für die Ausführung dieser Pläne gäben die Sowjets "jedoch keine Erlaubnis".

Der BND-Auswerter notierte: "Es kann durchaus damit gerechnet werden, dass sich die SED-Führung intensiv darum bemüht, die Einwilligung Moskaus für das Inkraftsetzen wirksamer Sperrmaßnahmen zu erwirken."

Nach dem Treffen Ulbrichts und Chruschtschows in Moskau herrschte zunächst Unsicherheit in Pullach. Im Wochenbericht 32 vom 9. August hieß es: "Vorliegende Meldungen zeigen, dass das Pankower Regime sich darum bemüht, die Einwilligung Moskaus für die Inkraftsetzung durchgreifend wirksamer Sperrmaßnahmen - wozu insbesondere eine Abriegelung der Berliner Sektorengrenze und die Unterbrechung des S- und U-Bahn-Verkehrs in Berlin gehören würde - zu erhalten ... Es bleibt abzuwarten, ob und wie weit Ulbricht ... in Moskau ... mit entsprechenden Forderungen durchzudringen vermochte."

12. August 1961

Den wohl größten Coup konnte der BND am Samstag, 12. August, vermelden. Aus Ost-Berlin ging folgende Information ein:

Am 11.8.1961 hat eine Konferenz der Parteisekretäre der parteigebundenen Verlage und anderer Parteifunktionäre beim ZK der SED stattgefunden. Hier wurde u. a. erklärt:

1. Jetzt könne nur der harte Weg beschritten werden. Man rechne mit den "üblichen Protesten" von Seiten des Westens und eventuellen wirtschaftlichen Sanktionen, gegen die man aber die notwendigen Gegenmaßnahmen ergriffen habe. Man rechne außerdem stark mit dem passiven Widerstand der Bevölkerung in der SBZ und vor allem in Ost-Berlin. Dagegen würden Verordnungen erlassen werden, diesen Widerstand mit allen Mitteln zu brechen.

2. Die Lage des ständig steigenden Flüchtlingsstroms mache es erforderlich, die Abriegelung des Ostsektors von Berlin und der SBZ in den nächsten Tagen - ein genauer Tag wurde nicht angegeben - durchzuführen und nicht, wie eigentlich geplant, erst in 14 Tagen.

Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt sprach am Samstagnachmittag auf einer Wahlkampfveranstaltung in Nürnberg. Seine prophetischen Sätze kla ngen, als habe er zuvor mit Pullach telefoniert. Die Menschen würden aus der DDR flüchten, rief er mit seiner heiseren Stimme, "weil sie Angst haben, dass die Maschen des Eisernen Vorhangs zementiert werden. Weil sie fürchten, in einem gigantischen Gefängnis eingeschlossen zu werden".

12. August 1961, ab 20 Uhr

Mauer-Organisator Honecker saß am Samstagabend an seinem Schreibtisch im zweiten Stock des Berliner Polizeipräsidiums nahe dem Alexanderplatz.

Durch das riesige Gebäude wuselten Funktionäre und Uniformträger, als ginge es um die Organisation der Weltjugendfestspiele. Schon seit 20 Uhr wurden die Offiziere der Volkspolizei, abgestuft nach Rang, im Stundenrhythmus eingewiesen; aus den Nebenräumen telefonierten Hans Modrow, de r heutige Ehrenvorsitzende der PDS, und andere SED-Funktionäre die Betriebskampfgruppen zusammen. Verteidigungsminister Heinz Hoffmann bereitete im Hauptquartier der NVA in Strausberg die Kommandeure vor. Gegen Mitternacht rief Honecker an: "Die Aufgabe kennst du! Marschiert!" Die X-Zeit war der 13. August 1961, ein Uhr morgens.

13. August, ab 1 Uhr

Die Operation begann pünktlich. An der Grenze gingen die Lichter aus. Militärlaster karrten Truppen und Stacheldraht herbei. Polizisten sprangen mit ihren Maschinenpistolen von den Ladeflächen. Am Brandenburger Tor tauchten Suchscheinwerfer das Gelände in kaltes, bläuliches Licht; mit Presslufthämmern rissen schweißüberströmte Soldaten das Pflaster auf.

Der 19-jährige Unteroffizier Conrad Schumann wurde in seiner NVA-Kaserne in Zepernick von einem Kameraden geweckt: "Los Mann, wir müssen an die Grenze!" Ein Offizier teilte den jungen Männern am Brandenburger Tor mit, sie müssten die Grenze unter Kontrolle bringen, um sie "gegen die Feinde des Sozialismus" zu schützen. Schumann später: "Wir standen rum und guckten zuerst ziemlich dämlich. Keiner hatte uns gesagt, wie man so was macht: eine Grenze unter Kontrolle bringen." Schumann floh zwei

Tage später mit einem Sprung über den Stacheldraht in den Westen.

Alle zwei Meter zog ein Posten auf; Betriebskampfgruppen postierten Spanische Reiter auf den Straßen, legten Betonschwellen und montierten Straßensperren. 30 Minuten hatte Honecker dafür vorgesehen, 68 der insgesamt 81 Übergänge nach West-Berlin zu schließen; in weiteren drei Stunden sollten Polizisten und Militärs die Übergänge ordentlich - "pioniertechnisch" - verrammeln.

Es war eine gigantische Operation: 193 Haupt- und Nebenstraßen mussten abgeriegelt werden, 12 U- und S-Bahn-Linien und 48 S-Bahnhöfe wurden gesperrt. Vopos hatten den Befehl, "die Einstiegsschächte des Kanalisationssystems ständig durch Streifen zu sichern".

Um 3.25 Uhr unterbrach der Sender Rias Berlin sein Programm, in dem gerade "Machen wir''s den Schwalben nach" lief. Ein Sprecher verkündete: "Starke Kräfte der Volkspolizei haben heute Nacht die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin gesperrt."

Auf dem Bahnhof Friedrichstraße herrschte um kurz nach 5 Uhr Chaos. Die Reisezüge aus dem Westen hielten nur noch auf dem Bahnsteig A, der für Ostdeutsche nicht mehr zugänglich war. "Auf den Bahnsteigen stehen Hunderte von Menschen, die nach W(est-)B(erlin) wollen", notierte die Volkspolizei. Schreiend, manchmal in Tränen, erzählte der Journalist Peter Wyden, hätten die Menschen versucht, "den Bahnsteig der S-Bahn zu stürmen, ohne zu wissen, dass der Verkehr in den Westen unterbrochen war".

Die Volkspolizei hat in jener Nacht und den darauf folgenden Tagen im Abstand von beinahe fünf Minuten Berichte aus verschiedenen Stadtteilen Berlins notiert, die derzeit teilweise auch im Internet zu lesen sind (www.chronik-der-mauer.de). Hinter den Meldungen verbirgt sich das Drama der Millionenmetropole:

* 9.20 Uhr: "In der Kremmener Straße versuchen Bürger, die Haustüren einzuschlagen, um in die Bernauer Straße zu gelangen."

* 10.45 Uhr: "Information Mitte: Am Übergang Köpenicker Str. haben sich auf beiden Seiten ca. je 100 Personen angesammelt, die unsere Posten provozieren. Sie versuchen die Sperre zu durchbrechen."

* 11.20 Uhr: "Information Treptow: Am Flutgraben, Nähe Lohmühlenstr., hat sich ein junges Mädchen gegen 10.00 Uhr bis auf die Unterwäsche entkleidet, ist in den Flutgraben gesprungen und nach WB geschwommen. Sie wurde von der dortigen Menschenmenge ,empfangen''."

* 11.30 Uhr: "Kontrollpunkt Sonnenallee: Ca. 1500 Personen, die erkennen lassen, dass sie nach West-Berlin wollen ... Zwei Hundertschaften der Kampfgruppen eingesetzt."

* 16.05 Uhr: "Ca. 300 Jugendliche haben die Drahtsperren in der Wolliner Straße durchbrochen. 7. Bataillon der Kampfgruppen wurde ... in Marsch gesetzt."

* 17.50 Uhr: "Information Treptow: Vom demokr. Berlin aus schwimmen Jugendliche im Landwehrkanal von einer Seite zur anderen und benutzen teilweise Luftmatratzen."

* 18.10 Uhr: "Transportpolizei Berlin: Durch den Stellwerker auf dem Bahngelände Eberswalder Str. wurde bekannt, dass Bürger aus dem demokr. Berlin die Trennmauer zwischen Eberswalder Str. und Bahngelände überstiegen und damit illegal das demokr. Berlin verließen."

Die meisten Ost-Berliner wurden von der Grenzschließung überrascht, wie die Vopos stolz vermerkten. Zwar registrierten die Polizisten in fast allen Stadtbezirken große Unzufriedenheit, doch ein Aufstand, wie ihn die SED befürchtet hatte, blieb aus. Wer aufbegehrte, wurde in Schnellverfahren abgeurteilt.

In West-Berlin hatten sich schon in den ersten Stunden Nachtschwärmer an der Sektorengrenze versammelt und die "bewaffneten Organe" (SED-Jargon) beschimpft. Am Brandenburger Tor riefen sie "Pfui" und sangen "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit"; am Bethaniendamm prasselten Bierflaschen auf die DDR-Uniformierten nieder, in der Friedrich-Ebert-Straße griffen einige Dutzend Passanten die Genossen an und versuchten, die Sperren zu zerstören. Honecker schickte eine Hundertschaft Kampfgruppen.

Am Brandenburger Tor versammelten sich in der Mittagszeit Hunderte Berliner und versuchten, "die Grenzbefestigungen zu zerstören", wie es das "Journal der Handlung" der Volkspolizei vermerkt. Die Vopos ließen fünf Wasserwerfer und vier Schützenpanzer auffahren. Später meldete der Kontrollposten 34, dass West-Berliner Polizisten "ca. 3000 Jugendliche ... unter Einsatz von Polizeiknüppeln auseinandertrieben". Die Jugendlichen riefen: "Ihr schlagt gegen die falsche Seite."

Ein Mitarbeiter weckte Willy Brandt in der Nacht der Grenzabriegelung im Schlafwagen auf dem Weg von Nürnberg nach Kiel. Brandt möge sofort nach Berlin kommen. Stunden später stand er am Brandenburger Tor.

Müde schaute er durch die dunkle Sonnenbrille auf die Kampfgruppen mit den Maschinenpistolen. "Schrecklich", murmelte Brandt. Ein West-Berliner Passant zog den Regierenden am Arm: "Wann kommen die Amerikaner und machen diesem Spuk ein Ende?"

Am späten Vormittag fuhr Brandt in die Alliierte Kommandantur in die Kaiserswerther Straße. Er erzählte später, er habe die drei Stadtkommandanten General Albert Watson (USA), General Rohan Delacombe (Großbritannien) und General Jean Lacomme (Frankreich) angeherrscht: "Sie haben sich heute Nacht von Ulbricht in den Hintern treten lassen."

Der Bürgermeister wünschte zumindest symbolische Aktionen. Vergebens. Es vergingen 24 Stunden, bis die erbetenen Militärstreifen an der Grenze erschienen, 48 Stunden bis zum alliierten Protest im sowjetischen Hauptquartier in Karlshorst, 72 Stunden bis zur Demarche der westlichen Botschafter in Moskau.

Ein Mauerbau, behauptete später der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß, sei "als nicht sehr wahrscheinlich angesehen" worden. In einer ARD-Dokumentation, die am Montag der nächsten Woche ausgestrahlt wird, attestiert der damalige französische Verteidigungsminister Pierre Messmer, in Frankreich habe niemand die Vorhersagen der Dienste geglaubt.

Dabei lag die Abgrenzung Ost-Berlins so nahe, dass vier Tage vor dem Abriegeln der Grenze der SPIEGEL schrieb, der SED biete sich "nur noch die Radikallösung an, die Sektorengrenze innerhalb Berlins für alle DDR-Bürger zu sperren". Die Pläne lägen seit Wochen bereit.

Verschreckt von Chruschtschows Auftreten in Wien sorgte sich die Nato um Ernstfälle wie eine Berlin-Blockade und sowjetische Attacken auf die drei Luftkorridore zwischen dem Westteil der Stadt und der Bundesrepublik, nicht aber um eine Abriegelung Ost-Berlins. Die Amerikaner fragten bei Strauß an, gegen welchen sowjetischen Truppenübungsplatz in der DDR sie eine Atomwaffe einsetzen sollten, falls sich der Westen den Weg nach Berlin freikämpfen müsse. Strauß empfahl ein Militärgelände, auf dem er 1942 Dienst getan hatte.

Hat der Westen also versehentlich für die "falsche Krise" geplant, wie Brandt milde urteilte?

Kennedy hatte für die Lage Chruschtschows großes Verständnis. Dieser verliere Ostdeutschland, erklärte Kennedy einem Berater knapp zwei Wochen vor dem Mauerbau: "Das kann er nicht zulassen, denn wenn er Ostdeutschland verliert, wird er Polen und ganz Osteuropa verlieren. Er muss etwas tun, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen - vielleicht eine Mauer bauen. Und wir werden das nicht verhindern können."

Trotz der großen Überlegenheit der USA legte sich der Präsident Anfang August fest: "Ich kann das Bündnis zusammenhalten, um West-Berlin zu verteidigen, aber nicht, um den Zugang nach Ost-Berlin offen zu halten." Er warnte Chruschtschow öffentlich, dass jeder Angriff auf West-Berlin oder die Korridore einen Krieg auslösen würde; von Ost-Berlin war nie die Rede.

Es gab nicht einen einzigen westlichen Versuch, Chruschtschow und Ulbricht aufzuhalten: keine Embargo-Drohung, um sie zu schrecken, kein Angebot, um sie zu locken. Keine Sondierungen möglicher Alternativen. Und auch keine öffentliche Warnung an die Ostdeutschen, die auf gepackten Koffern saßen und vom Mauerbau überrascht wurden.

John F. Kennedy rechtfertigte das Nichtstun damit, dass die Mauer zwar "keine sehr schöne Lösung ist, aber immer noch unendlich viel besser als ein Krieg". An den empörten Brandt schrieb er, die "brutale Schließung der Grenze" lasse sich nur durch "Krieg verändern". Frankreichs Präsident Charles de Gaulle war anderer Meinung: "Wären sie (Kennedy und der britische Premier Harold Macmillan -Red.) meinem Vorschlag gefolgt, den Stacheldraht sofort mit Panzern niederzuwalzen, hätte es eine Mauer nicht gegeben."

Einen solchen Schritt hätte man allerdings vorbereiten müssen. Der amerikanische Stadtkommandant Watson verwarf die Idee am Morgen des Mauerbaus, weil er nur 27 Panzer unter seinem Kommando hatte. Watson: "Eine ganz einfache Rechnung ergab einen Panzer pro Meile."

Dass die Amerikaner bereit waren, für ihre eigenen Rechte in Ost-Berlin ein Risiko einzugehen, zeigte sich gut zwei Monate nach dem Mauerbau. Vopos verlangten vom amerikanischen Diplomaten E. Allan Lightner am Übergang Friedrichstraße den Ausweis. Lightner lehnte dies als Verstoß gegen den Viermächte-Status ab. Kennedys Berlin-Beauftragter Lucius D. Clay ließ zehn M-48-Panzer mit scharfer Munition bis auf wenige Millimeter an die Sektorengrenze am Checkpoint Charlie vorrücken. Chruschtschow gab Befehl, zehn sowjetische T-54-Panzer, ebenfalls mit scharfer Munition, direkt gegenüber halten zu lassen. 16 Stunden dauerte die Konfrontation. Über einen Mittelsmann einigten sich Chruschtschow und Kennedy schließlich, die Tanks abzuziehen. Einer der gefährlichsten Momente des Kalten Krieges war vorüber.

Die sowjetischen und ostdeutschen Offiziere hatten lange darüber gegrübelt, wie man verhindern könne, dass der Westen die Schließung der Grenze für einen Angriff halte. "Keiner unserer Panzer sollte aus Versehen zu weit fahren", erinnert sich der ehemalige NVA-Oberstleutnant Skerra. Doch die Spannung legte sich rasch. Am Abend des 13. August berichtete eine Quelle dem BND: "Es herrschte in der SED-Führung eine Siegesstimmung wie nie zuvor."

Nur eines kam anders, als Walter Ulbricht erwartet hatte. "Wir haben geglaubt, die Leute wären diszipliniert genug", sagt Dolmetscher Eberlein, "und würden sich durch den Stacheldraht beeindrucken lassen."

Doch gegen jede Ordnung und trotz Todesgefahr schwammen Ostdeutsche durch den Teltowkanal, sprangen aus Häusern an der Grenze, brachen mit dem Auto an der Grenze durch. In den ersten vier Wochen nach dem Mauerbau registrierten die ostdeutschen Behörden 216 "Grenzdurchbrüche".

Vor allem West-Berliner Studenten halfen. Noch am Abend des 13. August tat sich eine Hand voll zusammen und gründete spontan die erste Fluchthilfe-Organisation: Das "Unternehmen Reisebüro" - über das SPIEGEL TV am 13. August eine 30-minütige Dokumentation sendet - schmuggelte in den folgenden Wochen und Monaten zunächst 450 Kommilitonen mit Hilfe geliehener Pässe aus dem Ostsektor.

Ulbricht rief schließlich Botschafter Perwuchin zu sich. Der Stacheldraht, urteilte der SED-Chef, provoziere zu immer neuen Fluchtversuchen. Nur am Potsdamer Platz und an wenigen anderen Stellen hatte Ulbricht ab Mitte August Betonplatten aufstellen lassen; sie stammten von Großbaustellen aus der Umgebung. Nun wollte er die gesamte Grenze nach West-Berlin zumauern. "Wir werden an Stelle des Stacheldrahts eine Betonmauer bauen", übersetzte Kwizinski, "und sie sogar verputzen." Dafür werde man die Bauprogramme etwas reduzieren müssen.

Am 20. September rief Honecker seinen bereits aufgelösten Einsatzstab ein letztes Mal zusammen. Das Innenministerium gab bekannt, dass man zunächst 18 bis 20 Kilometer Grenzmauer errichten werde.

Unter den Genossen brach eine heftige Diskussion los. Viele sprachen sich gegen eine Mauer aus. Ihr Argument: "Sie wirft bei Nacht Schatten und gibt günstige Möglichkeiten der Annäherung für den Gegner." Das Bollwerk wurde dennoch gebaut.

Ganz dicht schloss die Grenze in Berlin und zwischen den beiden deutschen Staaten trotz Mauerbau und Stacheldraht, Selbstschussapparaten und Minen, Hundelaufanlagen und Schießbefehl nie. Die bundesdeutsche Statistik registrierte bis 1988 knapp 40 000 "Sperrbrecher" - so nannte der Westen jene Ostdeutschen, die nach dem 13. August 1961 unter dem Einsatz ihres Lebens die Flucht in den Westen schafften. Über 200 000 nutzten etwa Kurzbesuche im Westen, um sich abzusetzen, oder wurden von der Bundesregierung freigekauft.

Als im September 1989 die ungarische Regierung den Eisernen Vorhang an der Grenze zu Österreich öffnete, ergriffen Zehntausende die Chance, die Mauer der SED zu umgehen.

Mauerbauer und Ulbricht-Nachfolger Honecker war zu diesem Zeitpunkt bereits ein alter und kranker Mann, Symbol eines gigantischen Reformstaus. Längst hatte der sowjetische Kreml-Chef Michail Gorbatschow den osteuropäischen Verbündeten erlaubt, einen eigenen Weg zum Sozialismus zu suchen. Die Mauer, verkündete der deutsche Greis trotzig, werde "noch in 50 oder 100 Jahren" stehen.

Für die Menschen, die alles zurückließen, hatte Honecker nur Hohn und Spott übrig. "Man sollte ihnen keine Träne nachweinen", ließ er im SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" am 2. Oktober 1989 verkünden. 38 Tage später befreiten sich die Ostdeutschen selbst; das Jahrhundertbauwerk des Walter Ulbricht wurde am 9. November einfach überrannt.

KLAUS WIEGREFE

* In der Uno-Vollversammlung am 13. Oktober 1960. * Am 27. Oktober 1961. ** Bernd Eisenfeld, Roger Engelmann: "Mauerbau". Edition Temmen, Bremen; 119 Seiten; 19,90 Mark. * Oben: im September 1961; unten: beim Kontrollgang während des Mauerbaus. * Mit Senatskanzleichef Heinrich Albertz (r.) am 13. August 1961 am Brandenburger Tor.

DER SPIEGEL 32/2001
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