24.09.2001

GESTORBEN

Karl Eduard von Schnitzler

Karl Eduard von Schnitzler, 83. Seine Propagandasendung "Der schwarze Kanal" war das Bösartigste, was das DDR-Fernsehen zu bieten hatte. 1519-mal fixierte Karl Eduard von Schnitzler mit bohrendem Blick die geteilte Fernsehnation, Hunderte Male sprach er die Worte "Be-Er-De" und "Im-Pe-Ri-A-Lis-Mus" aus, als könnten seine Worte den "Klassenfeind" einfach niedermähen. Den kannte er aus nächster Nähe: "Sudel-Ede" (DDR-Bürger-Spott) war selbst ein Spross des Monopolkapitals. Er war ein Urenkel des 99-Tage-Kaisers Friedrich III., sein Vater war Generalkonsul, ein Onkel Bankier. 1947 siedelte Schnitzler aus dem Westen in die Sowjetische Besatzungszone über. Im Arbeiter-und-Bauern-Staat machte der Vorzeige-Adelige schnell Karriere und wurde Chefkommentator des DDR-Fernsehens. Dort leistete der überzeugte Kommunist - ganz dialektisch - seinen Beitrag zum Ende des SED-Regimes. Neben dem Unterangebot an Südfrüchten war es das Überangebot an Schnitzler-Kommentaren, das die Leute 1989 auf die Straßen trieb. Motto: "Schnitzler in die Muppets-Show". Karl Eduard von Schnitzler starb am 20. September in Berlin an den Folgen einer Lungenentzündung.


DER SPIEGEL 39/2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

DER SPIEGEL 39/2001
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Bei Spodats erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

GESTORBEN:
Karl Eduard von Schnitzler