22.10.2001

FOTOGRAFIE

Ohne Maske

Der weibliche Fotografenblick auf Frauen - ist er anders? Oft ja, wie eine jetzt erschienene Dokumention beweist (Lothar Schirmer, Hg.: "Frauen sehen Frauen". Schirmer/Mosel, München; 248 Seiten; 98 Mark). 90 berühmte Künstlerinnen vereinigt diese prachtvolle Bild- und Kulturgeschichte, sie zeigt konventionelle Frauenporträts aus dem 19. Jahrhundert, Alltagsbilder von Arbeiterinnen, Müttern mit Kindern, Glamouraufnahmen berühmter Stars und Schriftstellerinnen des vergangenen Jahrhunderts und endet schließlich mit postmodernen Inszenierungen, wie man sie von Annie Leibovitz, Cindy Sherman oder Ellen von Unwerth kennt. Frauen sind einander vertraut, identifizieren sich, durchschauen Maskerade und Verkleidungen. Der Fotografinnenblick ist mal zärtlich wieder erkennend wie etwa in der Abbildung einer Mutter-Kind-Beziehung, mal distanziert-kühl bei erotischen Aktaufnahmen, mal analytisch genau in der Darstellung weiblicher Macht- und Amtsausübung.


DER SPIEGEL 43/2001
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