12.11.2001

TERROR-FINANZIERUNGGuter Muslim

In der Affäre um die Schweizer Finanzgesellschaft al-Taqwa führen auch Spuren nach Deutschland und zu einem kuweitischen Hilfswerk.
Früher war er Journalist und hieß mit Vornamen Albert Friedrich Armand. Heute nennt er sich Ahmed Huber, ist bekennender Muslim und ein Star der rechten Szene.
Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) sieht den Schweizer gern als Gast. Und in der braunen Postille "Deutsche Stimme" durfte sich Huber Anfang September ungeniert darüber freuen, dass in der Bush-Regierung "kein einziger jüdischer Zionist" vertreten ist. "Nach den Brüsseler und Berliner Kriterien müsste Bush eigentlich rechts von Jörg Haider stehen und als ''rechtsextrem'' eingestuft werden", erzählte er dem NPD-Organ.
Inzwischen kann sich Huber nicht mehr so recht freuen. Ausgerechnet sein neues Idol in Washington hat ihm vor wenigen Tagen die Polizei ins Haus geschickt.
Zusammen mit 61 weiteren Personen und Organisationen steht Huber auf der jüngsten Fahndungsliste von Bushs Terroristenjägern. Im finanziellen Netzwerk von Osama Bin Laden und seiner al-Qaida-Organisation sollen sie angeblich eine wichtige Rolle spielen. Dabei interessieren sich die Amerikaner vor allem für zwei Gebilde: al-Barakaat und al-Taqwa.
Barakaat ist ein Konglomerat mit Sitz in Dubai und Aktivitäten in 40 Ländern, darunter in den USA, und nach Angaben der US-Regierung allein 60 Büros in Somalia. Weltweit versorgen sich Terroristenzellen über dieses Netz mit Bargeld und Informationen, vermutet das FBI. Barakaat dementiert.
Ähnliches wird al-Taqwa vorgeworfen, was bei den Schweizer Behörden vergangene Woche Großalarm auslöste: Konten wurden gesperrt, die Häuser der Verantwortlichen durchsucht.
Denn die al-Taqwa Management Organization, die sich seit kurzem Nada Management Organization nennt, hat ihren Sitz in Lugano. Im Verwaltungsrat wirkt Ahmed Huber, der schon vor Jahren Bin-Laden-Leute getroffen haben will. "Sie fielen auf durch westliches Aussehen, Universitätsabschluss und Fremdsprachenkenntnisse", erinnert er sich.
Die Ermittlungen der Schweizer konzentrieren sich aber nicht auf Huber, sondern auf die Chefs Youssef Nada und Ghaleb Himmat, die im italienischen Steuerparadies Campione residieren. In Liechtenstein kontrollieren sie mehrere Investmentfirmen, deren Treuhänder letzte Woche ebenfalls Besuch von der Polizei erhielten.
Bis kurzem gehörte auch die islamische al-Taqwa-Bank auf den Bahamas zum verdächtigen Konglomerat. Doch dieses Institut wurde inzwischen liquidiert. "Wir hatten große Verluste in Südostasien", erklärt Nada, der von Terrorfinanzierung nichts wissen will und schon in früheren, ergebnislosen Untersuchungen seine Unschuld beteuerte.
Dass ihm die Amerikaner nicht glauben, könnte unter anderem mit seinem Partner zu tun haben. Himmat spielt im internationalen Netzwerk der Islamisten offenbar eine Schlüsselrolle. In München sitzt er auf dem Präsidentenstuhl der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD), hier zu Lande der größten Gruppierung der 1928 in Ägypten gegründeten Muslimbruderschaft. Die bayerischen Verfassungsschützer bezeichnen die IGD in einem internen Bericht als "ideologischen Nährboden für islamistische Gruppierungen".
Bislang unbeachtet sind Himmats enge Beziehungen zu Kuweit. Er gehört zum Verwaltungsrat der Genfer Filiale der International Islamic Charitable Organization (IICO) mit Hauptsitz in dem Wüstenstaat. Das Hilfswerk ist offiziell bei der Uno als Nichtregierungsorganisation akkreditiert.
Zwischen der IICO und al-Taqwa bestehen offenbar enge Verbindungen. Neben Himmat sitzt nämlich auch der Islamgelehrte Jussuf al-Kadrawi aus Katar im Verwaltungsrat. Laut eines ehemaligen IICO-Funktionärs fungierte dieser als "Präsident des religiösen Rates der Taqwa-Bank". Das Gremium musste darüber wachen, dass die Investments nach den Regeln des Korans getätigt wurden. Zinsgeschäfte waren tabu.
Auch im finanziellen Bereich der IICO gibt es bemerkenswerte Konstellationen. Spendenzahlungen fließen unter anderem über ein so fragwürdiges Institut wie die Dubai Islamic Bank. Bereits im Juli 1999 brachte das US-Außenministerium die Bank offiziell mit Geldwäsche und Bin Ladens Terrortruppe in Verbindung.
Der Verdacht besteht heute noch. So haben zum Beispiel die Luxemburger Behörden mehrere Konten gesperrt, deren Besitzer Geschäfte mit der Dubai Islamic Bank nachgewiesen werden konnten.
"Das Hilfswerk hat überhaupt nichts mit kriminellen Machenschaften zu tun", sagt dagegen der Ex-Funktionär, "und Himmat ist ein guter Muslim, kein Terrorist." Der Anwalt des Taqwa-Managers war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. BEAT BALZLI
* Mit Finanzminister Paul O''Neill und Außenminister Colin Powell.
Von Beat Balzli

DER SPIEGEL 46/2001
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