19.12.1951

HALACZAuf dem Namen liegt ein Fluch

Die sieben mal zehn Meter große Baracke, die der Bremer Fabrikant Johannes Lüssen im Jahre 1942 in einem kleinen waldbestandenen Seitenweg Drakenburgs bei Nienburg an der Weser als Ausweichquartier im Bombenkrieg aufstellen ließ (Lüssen hat in Drakenburg eine Kiesgrube), hat vier Bewohner beherbergen müssen, die ein schlechtes Ende nahmen.
Bis 1945 wohnte Fabrikant Lüssen übers Wochenende selbst in dem Behelfsheim, dann stellte er es seinem ausgebombten Bremer Nachbarn de Harde zur Verfügung. De Harde zog aber schnell wieder aus, so daß die Gemeinde das Haus mit Flüchtlingen belegte.
Am 6. September 1945 kam die Familie Czarnecki aus Bromberg da hinein. Wilhelm Czarnecki war Dentist, lungenkrank, er starb einen Tag nach dem 20. Geburtstag seiner Tochter Margot. Margot fand eine Anstellung in einem Bremer Hotel. Sie freundete sich in Bremen mit einem Manne an, von dem sie später erfuhr, daß er verheiratet war. Daraufhin nahm sie sich am 6. Mai 1950 mit Veronal das Leben.
Als ihre Mutter Ella, 60 Jahre alt, von dem Selbstmord der Tochter erfuhr, schluckte sie Zyankali. Sie starb einen Tag nach ihrer Tochter in der Baracke in dem kleinen Seitenweg Drakenburgs. Zwei ihrer Schwägerinnen verließen daraufhin das Sterbehaus.
Nun verpachtete Fabrikant Lüssen sein Haus an Sprengmeister Georg Keese, der bei ihm beschäftigt war. Keese ließ verschiedene Umbauten vornehmen und erreichte die Trennung aller Zimmer voneinander, die nun nur über den Flur zu
betreten sind. Bis auf eine Ausnahme: bis auf das Zimmer seines Pflegesohnes, des am 29. November 1929 zu Düsseldorf geborenen Erich Zederik Wenclewicz, der sich seit seinem 21. Geburtstag Cederik E von Halacz nennt, Cederik mit C.
Cederik E. von Halacz wird Anfang 1952 vor Gericht stehen, weil er drei Menschen durch Sprengstoff vorsätzlich morden wollte (und zwei mordete), um die Hinterbliebenen durch Drohung mit dem gleichen Schicksal erpressen zu können.
Zum erstenmal war Erich Zederik Wenclewicz Beklagter vor einem Gericht. als er gerade 19 Monate alt war. Am 29. Juni 1931 fällte die Zivilkammer des Landgerichts zu Prenzlau in der Uckermark folgendes Läuterungsurteil: "In Sachen des Dentisten Kurt Wenclewicz in Schwedt an der Oder, Schloßfreiheit 20, gegen den Minderjährigen Erich Zederik Wenclewicz hat die Zivilkammerverhandlung vom 29. Juni 1931 für Recht erkannt ...: Der am 29. November 1929 geborene Beklagte ist kein eheliches Kind des Klägers... Verkündet am 29. Juni 1931." Der Vater Dentist hatte die Ehelichkeit des Kindes erfolgreich angefochten, das seine Gattin Elisabeth während der Ehe mit ihm bekommen hatte und das nach dem Gesetz zunächst ehelich galt. Trotzdem führte der Knabe Erich Zederik den Namen Wenclewicz.
Der Kläger in Prenzlau, Dentist Kurt Wenclewicz, hatte in den zwanziger Jahren eine Elisabeth von Halacz heimlich geheiratet. Das Geschlecht derer von Halacz läßt sich bis in das elfte Jahrhundert zurückführen. Halacz ist ein Ort südlich Budapest. Friedrich der Große, um Kavallerieoffiziere verlegen, holte sich den Panduren Halacz in seine Armee. Der brachte es bis zum General. General von Halacz endete in geistiger Umnachtung. Das war der Ur-Ur-Großvater der Elisabeth von Halacz.
Die heimliche Hochzeit war nicht der erste Kummer, den Vater von Halacz mit seiner Tochter hatte. "Sie hat mir schon in jungen Jahren meine goldene Uhr genommen", behauptet ihre Schwester Lani heute. Sogar die Schuhe der Mutter habe sie verkauft.
Elisabeth von Halacz war eine temperamentvolle Frau. "Selbst die nächste Verwandtschaft kann nur vermuten, wer der Vater Erich Zederiks ist", sagte Schwester Lani über ihren Neffen Erich Zederik.
Während Elisabeth Wenclewicz, geborene von Halacz, noch mit ihrem betrogenen Dentisten-Gatten in Scheidung lebte, hatte sie Kontakt mit der Radiozentrale in der hannoverschen Rosenstraße. Die Radiozentrale siedelte nach Düsseldorf über, und dort wurde dann Erich Zederik geboren. (Heute lebt Elisabeth geborene von Halacz nicht, wie die Zeitungen schreiben, in der Schweiz, sondern in Essen.)
Das Kind mußte weg. Die Mutter schrieb an Sprengmeister Keese, der schon ihre 1926 geborene eheliche Tochter Ingeborg in Pflege genommen hatte. Mutter Keese erschrak, als sie den kleinen Erich Zederik sah, den sie in Pflege nehmen sollte. Er war über und über mit Milchschorf bedeckt (Erich litt an diesem Uebel bis 1947). Der Knabe wuchs zusammen mit seiner Stiefschwester Inge bei den Keese-Leuten auf. Hin und wieder kamen Mutter Elisabeth oder Tante Lani und besuchten die Kinder.
Als Erich Zederik, schlicht Erich gerufen, nun so weit gediehen war, daß er in die Volksschule nach Holtorf gehen mußte, nannte er sich, um unnötigen Verwicklungen vorzubeugen, wie sein Pflegevater: Keese. Die Schule machte ihm keine Schwierigkeiten. Er lernte leicht.
Als der Krieg zu Ende war, nahmen Amerikaner Erich Wenclewicz, genannt Keese, mit nach Frankfurt. Er wurde "clerc" bei einer amerikanischen Dienststelle. Er verkehrte in der Familie eines amerikanischen Hauptmanns, 1946 bezahlte ihm ein amerikanischer Freund eine Ferienreise in die Schweiz (zu Tante Lani sagte er im März 1951: "Mit Mädchen gebe ich mich nicht ab"). Einer seiner beiden Mäntel, der Lodenmantel (neben seinem Kamelhaarmantel), stammt noch aus dieser Zeit.
Aber dann kehrt er doch wieder in sein nicht sehr komfortables Zimmer in der Baracke zu Drakenburg zurück. Neben dem Bett steht ein Nachttisch mit einem älteren großen Körting-Radio, daneben an der Wand eine einfache Couch, ein kleiner Kleiderschrank, Teppich, bunte Gardinen und Tüll-Stores.
1947 redet Nienburg von dem Pflegesohn des Sprengmeisters Keese zum erstenmal. Im Rehburger Moor hatte der Rat der Stadt Torfstücke verkauft. Die Nienburger stachen sich selbst ihr Brennmaterial unter fachmännischer Anleitung von Pflegevater Keese.
Als viele Nienburger wegen des überraschenden Endes der Aktion ihren Torf nicht abfahren konnten, teilte ihnen Pflegesohn Erich, der für Sprengmeister Keese die Abrechnung machte und sich ständig zu seinen Gunsten verrechnete, den Bürgern mit, daß sie auf ihren Torf keine Eigentumsansprüche mehr hätten. Erich verscheuerte den Torf unter der Hand. Der Rat der Stadt Nienburg wollte den jungen Erich nicht anzeigen, um seinen Pflegevater nicht in Schwierigkeiten zu bringen.
1949 ist Erich bei der Eisenfabrik Thieß in Nienburg und lernt technisch zeichnen. Auch seine Stiefschwester Inge ist als Sekretärin dort beschäftigt. Sie steht kurz vor der Heirat mit dem angesehenen Buchhändler Leeseberg. Da werden Diebstähle aus dem Tresor aufgedeckt. Der Täter: Erich Zederik Wenclewicz, genannt Keese.
Er hatte sich die Tresorschlüssel nachgefeilt und etwas aus dem Stahlschrank herausgenommen, wenn er Geld brauchte. Fabrikbesitzer Thieß, der Erichs Schwester sehr schätzte und ihre bevorstehende Hochzeit durch eine polizeiliche Anzeige nicht gefährden wollte, verprügelte seinen Lehrling Erich und warf ihn heraus.
Erich, anstatt dankbar zu sein, noch so davonzukommen, klaute kurze Zeit später den Mercedes 170 V seines ehemaligen Chefs, fuhr mit dem Wagen durch die Gegend, bis er an einem Baum landete.
Er widmete sich fürderhin dem Schrotthandel. In dieser Zeit passierte es, daß in den frühen Morgenstunden die Züge nicht die Nienburger Strecke fahren konnten, weil in der Nacht die Kabel der Signalanlagen abmontiert waren. Hier und da verschwand ein Elektromotor, der erst jetzt im Laufe der Fahndung in Bremen wieder auftauchte.
Erich lebte immer auf großem Fuße. Seine Freunde und Saufkumpanen, die er stets freihielt, schätzten sein Monatseinkommen auf 700 DM netto. Er pflegte ihnen zu erzählen, daß er für die große Kiesfirma Lüssen, Bremen (der die Baracke
gehört), als Makler tätig sei. Er suche kies- und sandhaltige Grundstücke an der Weser und habe bereits so gut an den Vermittlungen verdient, daß er 3000 DM auf seinem Bankkonto stehen habe.
Die Freunde hielten das für möglich. Erich fuhr per Taxe - die Fahrt kostete jedesmal 65 DM - nach Bremen, um sich ein Paar Schuhe zu kaufen. "So etwas, was ich brauche, gibt es in diesem Kaff ja nicht."
Den Hut stets in der Hand tragend, schwänzelte er durch Nienburgs Hauptstraße. Seine Alterskameraden lachten über ihn und nannten ihn "Graf". Er hatte mittlerweile einen Personalausweis auf den Mädchennamen seiner Mutter, von Halacz, bekommen.
Im Eiscafé Perdoni in der Georgstraße gründete Erich einen Schachclub. Zwei Jahre lang war er dort der Mittelpunkt gleichaltriger Nienburger.
Im Café Perdoni bediente die heute 19jährige Rita Biermann aus der Karl-Schütte-Straße, gegenüber dem Gaswerk. Mitte August 1951 sprach Erich das Mädchen zum ersten Mal: "Na, Sie kleines Biest, bringen Sie mir mal ''ne Tasse
Kaffee." Diese Anrede von Halacz gefiel ihr: "Es war so etwas anderes als sonst." Und als er noch sagte: "Wann treffen wir uns", verabredete sie sich gleich nach Dienstschluß für den selben Abend. Rita: "Es war Liebe auf den ersten Blick."
Es war nicht die erste Liebe auf den ersten Blick der 19jährigen Rita. Ihre erste große Liebe war ein Lebkuchenfabrikant. Rita war nach ihrer Volksschulzeit zwei Jahre im Haushalt gewesen und reiste dann mit Verwandten, die Schausteller waren und auf den Jahrmärkten der Umgebung Süßigkeiten verkauften, durch Norddeutschland. Der Lebkuchenfabrikant immer mit. "Ja, wir hatten uns sehr gern." Rita war 16 Jahre alt.
Ihre zweite große Liebe war ("Nach einem Intermezzo mit Eiskonditor Perdoni") der Sohn eines Möbelfabrikanten. Rita: "Es war Liebe auf den ersten Blick." Aber die Eltern waren dagegen. "Als ich einsah, daß es keinen Zweck mehr hatte, machte ich Schluß."
Die dritte große Liebe war von Halacz. "Ich habe eben immer Pech mit meinen Männern."
Erich nannte Rita "Baby". Sie erzählt, daß er immer nett zu ihr war, so schön lachen konnte und immer viel erzählte. Rita, keine Leuchte des Geistes, sah in dem charmanten jungen Adligen den Mann, der sie zu dem "erstrebten Höheren" führen würde. Wenn sie abends durch die Straßen bummelten, sagte von Halacz ihr, daß sie nur noch Pelze und große Abendkleider tragen würde. "Du sollst es gut bei mir haben."
Ritas großes Erlebnis mit von Halacz war eine Reise nach Bremen. Mutter Biermann, die von Halacz stets "Gnädige Frau" anredete, gab dazu die Erlaubnis, als er mit drei Nelken ihr Herz erweichte. In Bremen aß man im Ratskeller und vergnügte sich beim Tanz im Excelsior.
Gedanken, wo bei ihrem Erich das Geld herkommen könne, hat sich Rita nie gemacht. "Wir liebten uns eben." Mutter Biermann bestätigt, in der winzig kleinen Wohnküche in dem alten Eckhaus in der Karl-Schütte-Straße - man geht durch den Hinterhof und steigt eine finstere Treppe empor - : "Es gab keine glücklicheren Menschen."
Rita wunderte sich gar nicht darüber, daß ihr Erich oft zwei, drei Tage mit dem Wagen unterwegs war. Das Wochenende hatte er nie Zeit für sie. Ueberhaupt, wenn er die zwei-, dreimal in der Woche kam, blieb er nur Stunden. Rita wurde nie böse. "Wir haben uns nie gestritten."
Sie ist ihm auch nicht gram, daß er sie so belogen hat. Er hatte ihr von seiner Zeit als Tellerwäscher in Amerika vorgesponnen, von den großen Geschäften, die er für den Steinbruch seines Vaters führte, und daß er bald ein Schallplattenverleihgeschäft in Nienburg aufmachen werde.
Seinen Pflegeeltern erzählte von Halacz, daß er "sein Herz habe wählen lassen". Das Mädchen habe reiche Eltern mit Auto und Besitzungen im Oldenburgischen. Von seiner Pflegemutter hielt er nicht viel: "Mein Blut protestierte. Inge (die Stiefschwester) scheint wohl aus der Art geschlagen zu sein."
Erichs Steckenpferd war Henry Ford. Ueber die Fließbandproduktion konnte er stundenlang Vorträge halten. Aber auch über die FBI (die amerikanische Kriminalpolizei), ihre Arbeitsweise und Methoden war er informiert.
Eine seiner Ideen war, Journalist zu werden. "Damit kann man sich einen Namen machen." Er faßte mit seinem Genossen Heinz Kühling den Plan, eine Autofalle zu bauen. Ein Drahtseil sollte an einer schon ausgesuchten Stelle über die belebte Straße Hannover-Bremen gespannt, Scheinwerfer sollten aufgebaut werden, dann wollte man das Ganze filmen
und fotografieren und an die Wochenschauen als Reportage verkaufen.
Die Autofalle wurde abgeblasen, denn Erich hatte inzwischen eine andere Idee. Im Februar 1951 gründete er einen amerikanischen Kulturclub.
Eine Woche vor dem Attentat*) (siehe SPIEGEL 49/51) bat von Halacz die Witwe Biermann um die Hand ihrer Tochter. Weihnachten sollte Verlobung sein.
Nach seiner ersten Verhaftung am Freitag (7. 12.) auf der Nienburger Hauptstraße wurde von Halacz abends um 22.15 Uhr wieder freigelassen, weil ihm seine Freundin Rita Biermann ein Alibi verschaffte (s. Bericht Dr. Zirpins, S. 10).
Nach der Freilassung ging Erich zu Rita. In der Nacht von Freitag auf Sonnabend tauchte er gegen zwei Uhr in der Raststube der Tankstelle Göldner auf, wo Erich Prüssner, Chefredakteur der "Harke", der Nienburger Kreiszeitung, mit seinen Redakteuren nach dem Umbruch eine Tasse Kaffee trank.
Erich sagte ganz stolz zu Prüssner: "Ich bin verhaftet gewesen." Prüssner: "Das können Sie morgen in der Zeitung lesen." Erich: "Mit Namen?" Prüssner: "Nein." Erich: "Ach, schade."
Prüssner hatte der Kripo schon seinen Verdacht gegen Halacz gemeldet. "Das kann nur Halacz sein", hatte er in der Nacht auf Freitag zu seinem Redakteur Wittke gesagt, als die beiden am Umbruchtisch
die von der Sonderkommission "S" angegebene Täterbeschreibung gesehen hatten. Aus dem Gefängnis schreibt Doppelmörder von Halacz jetzt jeden Tag einen Brief an Rita Biermann (der erste: unten).
Kommentiert seine Tante Lani, die die Halaczsche Familiengeschichte besitzt, den Fall des Doppelmörders: "Man könnte glauben, auf dem Namen liegt ein Fluch."

Cederik E. von Halacz
12. Dezember 1951 Allerliebste Rita!
Versuche bitte, bitte in diesen Minuten an mich zu denken. Du weißt, daß Du für mich das bist, was für den Vogel die Luft und für den Fisch das Wasser bedeutet. Du weißt, daß meine Liebe zu Dir kein Strohfeuer ist, denn dafür kennen wir uns zu lange. Du weißt ebenso, daß mein Gefühl für Dich, die ich in Gedanken immer mit der Mutter Gottes verglich, die schwerste Prüfung bestanden hat. Ich sagte Dir oft, daß ich ein entsetzlich feines Empfinden habe, und dieses Empfinden sagte mir gestern nacht, als wir von der unseligen Stadt Bremen zurückkamen, daß Du in Deinem Entschluß wankend geworden bist. Nur deshalb bin ich völlig verzweifelt, besonders weil ich fürchte, daß Deine Frau Mama Dir jegliche Verbindung mit mir untersagte. Ich weiß, daß Du meine Seele hast, und ich Dich deshalb auch nicht freigebe, obwohl mein Verstand mir das befiehlt. Ich war nie ein großer Egoist, Du weißt, nur Dich werde ich immer verlangen, sei es bis zu meinem Tode. Du wirst lächeln über das Wort "Tod". Mir aber ist es damit fast zu ernst. Seit Sonntag habe ich keinen Bissen, außer Kaffee, Wasser, Zigaretten und, bevor wir beide in dem großen Funkwagen zurück in unsere Heimat fuhren, zwei Brötchen, mehr angerührt. Vor mir steht auf einem sauberen Holztisch mein Mittagessen, Frühstück usw. In Bremen habe ich 9 belegte Schnitten zurückgelassen. Bevor ich über Deine Liebe zu mir schlechtem Menschen nichts weiß, esse ich nichts
mehr und wenn ich dabei eingehen sollte. Vielleicht wäre dieses der beste Weg. Aber bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte warte, bis über mich das Urteil gesprochen wird ...
Und das, allerliebste Rita, kann ich Dir bei allem schwören, was mir heilig ist, die Intelligenz, die ich sonst bei verworfenen und grausamen Dingen einsetzte, werde ich mit Dir für eine ehrliche, saubere und korrekte Basis, auf der man in Ruhe und Gemütlichkeit leben kann, aufwenden. Und Du weißt ja bald besser als ich, wie ich die Gemütsruhe, Beschaulichkeit und das Philosophieren über die kleinen Dinge des harten Lebens schätze. Ich fürchte fast, daß ich den Begriff für ein Menschenleben im Kriege verloren habe. Heute nachmittag werde ich mich darüber mit einem Priester unterhalten. Den richtigen Begriff, und das weiß ich sehr genau, kannst nur Du vermitteln. Ich, der ich keiner Fliege was zuleide tat, muß wie von Sinnen gewesen sein. Ich glaube, ich bin es jetzt noch, sonst würde ich nicht vorhin schreiben, daß ich mit einem Priester darüber eine Unterhaltung führen wolle. Darüber unterhält man sich nicht, sondern bittet stillschweigend Gott um Vergebung.
Morgen schreibe ich wieder. Ich lege in diesen Brief ein winziges Stück Brot von mir. Ich esse nicht eher, bis Du mir sagst, daß Du mich noch etwas liebst. Ferner eine Haarlocke. Bitte sende mir ein Andenken und eine Fotografie von Dir. Ferner ein halbes Tuch. Die andere Hälfte habe ich dort, wo Du bei mir ruhst.
Sende ich ungezählte Küsse -
Dein Cederik.
*) Nach dem Attentat kam ein Anruf aus Washington (USA). Damit erkundigte sich die Frau des ehemaligen Chefredakteurs der "Bremer Nachrichten", Walter Gong, jetzt Presseattaché beim deutschen Geschäftsträger in Washington, ob das Paket an Herrn Wolfard persönlich oder nur allgemein an den "Herrn Chefredakteur" adressiert gewesen sei. Sie schien zu glauben, daß ihrem Mann unter Umständen das Paket gegolten haben könne. Es war aber ausdrücklich an Dr. Wolfard gerichtet.

DER SPIEGEL 51/1951
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