03.12.2001

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Die Liebenden vom Alexanderplatz
Montag, 20.15 Uhr, ZDF
Die New Yorker Lektorin Sarah wird von ihrem verheirateten Liebhaber durch die Ankündigung überrascht, er wolle sich ihretwegen scheiden lassen. Währenddessen wird ihre Großmutter durch einen Todesfall an eine alte Liebe erinnert: damals in Berlin, aus dem sie 1942 als Jüdin nach Amerika geflüchtet ist. Da die muntere Alte von Inge Meysel, 91, verkörpert wird, wundert es nicht, dass sie den nächsten Flieger nimmt und zusammen mit der liebesflüchtigen Enkelin (Johanna Christine Gehlen) Richtung Germany düst. Wohl weil die Meysel noch einmal in New York drehen wollte, ließ ihr Haussender ZDF eine deutsch-amerikanische Generationenstory entwerfen, die durch stilsichere Regie (Detlef Rönfeldt) nicht rührselig, sondern durchaus anrührend geraten ist. In Berlin, das die jüdische Familie nie mehr betreten hatte, wartet auf Oma und Enkelin doppeltes Liebesglück.
Start-up in den Popmusikhimmel
Mittwoch, 23.00 Uhr, ARD
Der Sprung ins Popgeschäft macht Christine, Melanie und Claudia ein wenig Angst. Noch. Aber Thomas Richter, Chef der Produktionsfirma Boombastic, hat den Mädchen die ganz große Karriere versprochen: als Girlgroup, nach einem Erfolgsrezept gestrickt, das den "Endverbraucher", wie Richter ihn nennt, zum Endverbrauchen zwingt. Unter dem Namen Fox Force werden die drei gestylt, frisiert, geschminkt und in ein Trainingscamp verfrachtet, wo sie nach einem strengen Stundenplan tanzen und singen und singen und tanzen. Monatelang. Claudias Nerven sind bald zerrüttet; macht nichts, denn Ersatzfrau Linda hat sich schon warmgesungen. Was nach der Serienwelt von "Popstars" klingt, ist harte Realität - weswegen zumindest der erste Auftritt der Fox Force noch nicht den großen Durchbruch bringt. Linda, Melanie, Christine und die boombastischen Producer sind trotzdem happy. Der Zuschauer aber rätselt nach der hervorragenden Dokumentation von Dieter Köster und Hannelore Conradsen, ob er die bizarre Branche nun zum Lachen oder zum Weinen finden soll.
Roter Stern über Deutschland
Donnerstag, 21.45 Uhr, ARD
Als die letzten Soldaten der ramponierten Sowjetmacht Anfang der neunziger Jahre aus dem Osten Deutschlands abrückten, hinterließen sie Dankbarkeit und Groll - und ein Land, das sie erst erobert und vom Joch der Nazis befreit und dann gut fünf Jahrzehnte lang nach Gutdünken beherrscht hatten. Denn ob die russischen Militärs ihre Truppen und Atomraketen durchs Land rangierten, ob sie bei Rot die Kreuzung querten, Politiker ihrer Posten enthoben oder schließlich eines Tages durch Tatenlosigkeit den Beschluss ihres obersten Kriegsherrn umsetzten, der ganzen DDR ein Ende zu machen: Der große Bruder hatte immer Recht. Christian Klemke und Jan Lorenzen, die Autoren des ORB-Dreiteilers "Roter Stern über Deutschland", zeigen mit vielen neuen oder vergessenen Details, wie die Russen das Land im Kalten Krieg zum Frontstaat rüsteten und am Ende im Stich ließen - als, wie es einmal heißt, "geschlagene Sieger".
Eine Liebe in Auschwitz
Donnerstag, 22.35 Uhr, Vox
Es ist ein Ort des Schreckens, an dem sich die Jüdin Cyla Cybulska und der polnische Widerständler Jurek Bielecki 1943 ineinander verlieben: das Konzentrationslager Auschwitz. Um seine Geliebte zu retten, stiehlt Bielecki SS-Uniform und Passierschein und führt Cyla aus dem Lager. Die Flucht gelingt, beide überleben. Doch der Krieg ist noch nicht vorbei und Jureks katholische Mutter entsetzt von dem Gedanken, ihr Sohn könnte eine Jüdin heiraten. Das Paar wird getrennt und findet erst nach 39 Jahren wieder zueinander. Jens Nicolai hat keinen Spielfilm, sondern eine angenehm stille Dokumentation aus dem Buch des SPIEGEL-Redakteurs Thilo Thielke gemacht. Jurek Bielecki und seine Leidensgenossen aus Auschwitz berichten vom Grauen des Lageralltags, aber auch von kleinen Flirts. Nur Cyla Cybulska konnte Nicolai nicht zu Wort kommen lassen - seit einem Schlaganfall kann sie nicht mehr sprechen.
Schimanski - Kinder der Hölle
Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
Diesmal ist Duisburg besonders hässlich. Zwischen Kränen, Beton und Baugruben rollen Lastwagen, die Menschen wohnen in widerlichen Löchern. Und auf einem Campingplatz am Rhein verkaufen Eltern ihre Kinder an fiese Freier. Eines Morgens findet die Prostituierte Niki (Sabine Timoteo) ein totes Mädchen in einem Wohnwagen. Das passt gerade schlecht, denn Schimanski (Götz George) ist dabei, seine Marie Claire (Denise Virieux) in Weiß zu heiraten. Die Ehe aber hätte zum Proleten Schimi, der ganze Sahnetortenstücke mit der Hand in den Mund stopft, Computer zertrümmert und wie gewohnt ausgiebig "Arschloch" brüllt, schlecht gepasst. Deshalb verlässt er die Trauung vor dem Jawort - und macht sich an die Arbeit.

DER SPIEGEL 49/2001
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