SPIEGEL: Sie fahnden seit 1990 nach versteckten SED/PDS-Vermögen, lohnt sich das noch?
Hammerstein: Sicher. Denn wir haben neue, ernst zu nehmende Hinweise auf unentdecktes SED-Vermögen. Eine Beendigung unserer Ermittlungen wäre jetzt ein falsches Signal.
SPIEGEL: Wo fahnden Sie nach den versteckten Geldern?
Hammerstein: In der Schweiz, Liechtenstein und Osteuropa haben wir Wirtschaftsprüfer im Einsatz. Sie arbeiten im Einvernehmen mit Banken vor Ort. Das war nicht immer so - aber inzwischen hat sich die Kooperation erheblich verbessert.
SPIEGEL: Wen vermuten Sie hinter den Schwarzgeldkonten?
Hammerstein: Treuhänder der SED, die sich heute der PDS verbunden fühlen und das Vermögen über Spenden gewaschen an die Partei zurückschieben könnten.
SPIEGEL: Hat die PDS mitgeholfen, alle Geldverstecke offen zu legen?
Hammerstein: Im Gegenteil. Die Partei hat gezielt und systematisch versucht, riesige Millionenbeträge vor dem staatlichen Zugriff zu sichern - und das nicht nur vor, sondern auch nach Inkrafttreten der gesetzlichen Rechenschaftspflicht im Juni 1990.
SPIEGEL: So dass Sie wie ein Detektivbüro arbeiten mussten?
Hammerstein: Manchmal schon. Erkenntnisse über das Parteivermögen mussten wir durch unendlich mühsame Ermittlungen beschaffen. Zum Glück hatte uns schon die frei gewählte DDR-Volkskammer mit Befugnissen ausgestattet, wie sie sonst nur einer Staatsanwaltschaft oder einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zustehen.
SPIEGEL: Hat sich die PDS-Führung um Gregor Gysi inzwischen ernsthaft von ihren Verschleierungstaktiken distanziert?
Hammerstein: Gysi schreibt in seinem neuen Buch, er habe versucht, "aus der SED heraus eine neue, moderne, demokratisch-sozialistische Partei für ganz Deutschland zu entwickeln". Er verliert aber kein Wort darüber, dass "modern" und "demokratisch" notwendigerweise auch einen auf finanzieller Chancengleichheit beruhenden Parteienpluralismus voraussetzen. Kein Wort davon, dass die SED ihre absolute Vorherrschaft in 40 Jahren auch dazu genutzt hatte, ein gewaltiges Vermögen aufzubauen, dessen Größe in einem krassen Missverhältnis zu dem der anderen Parteien stand. Und er verschweigt, dass selbst nach der Wiedervereinigung noch versucht wurde, das Geld für die Partei zu sichern - und es damit dem Wiederaufbau in den neuen Ländern vorzuenthalten.
SPIEGEL: Könnte Ihnen denn ein Sinneswandel der PDS heute noch helfen?
Hammerstein: Es ist nicht zu spät für einen öffentlichen Appell von Gregor Gysi und der PDS-Führung an alle, die als Treuhänder oder wie auch immer im In- und Ausland über SED-Vermögen verfügen, ihr Wissen zu offenbaren. Nur so könnten sie dem politischen Willen gerecht werden, dieses Vermögen den Menschen in dem bis zur Wende von der SED beherrschten Gebiet zugute kommen zu lassen.
DER SPIEGEL 50/2001
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