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NORDIRLAND

Protestanten in der Defensive

Kaum sind die Schulferien zu Ende, da fliegen auch schon wieder die Pflastersteine, Benzinbomben und Gummigeschosse. Vor mehreren Schulen und in den umliegenden Straßen des Belfaster Viertels Ardoyne im Norden der Stadt standen sich Protestanten und Katholiken vorige Woche erneut so militant gegenüber, als sei der Friedensprozess nur eine Erfindung der Politiker. Vor der katholischen Holy-Cross-Grundschule kam es zu einer heftigen Straßenschlacht, Autos gingen in Flammen auf. Schulratsvorsitzender Pater Aidan Troy stöhnte: "Es ist der reinste Bürgerkrieg." Obwohl die meisten Nordiren der Gewalt längst überdrüssig sind, fällt den verfeindeten Bevölkerungsgruppen das Zusammenleben immer schwerer. Das wird nirgends deutlicher als im konfessionell stark durchmischten Nord-Belfast, wo beispielsweise an der Crumlin Road Protestanten die rechte Seite und Katholiken die linke Seite der Straße bewohnen. Dabei fühlen sich die Protestanten wie überall in Nordirland auch in Ardoyne unter Druck, weil sie weniger Kinder haben und politisch in der Defensive sind. Immer mehr Katholiken übernehmen in dem noch in den siebziger Jahren mehrheitlich protestantischen Stadtteil die Häuser wohlhabender Protestanten, die in sicherere Vororte flüchten. Mittlerweile stehen 7000 Katholiken nur noch 1000 Protestanten gegenüber, die sich einigeln und radikalisieren. Schon wurden bei den Krawallen vorige Woche militante Extremisten mit Walkie-Talkies gesichtet. "Wenn sie an der Oberfläche kratzen, sind die paramilitärischen Gruppen nie weit weg", sagt der Belfaster Polizeichef Alan McQuillan. Eilig hat die nordirische Regierung den Protestanten nun mehr Sozialleistungen und bessere Wohnungen versprochen. Doch die wollen auch eigene Geschäfte haben, damit sie nicht mehr bei katholischen Händlern einkaufen müssen.


DER SPIEGEL 3/2002
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