28.01.2002

POLEN

Honorar für Tote

Der makabre Handel mit Leichen, wie er aus der zentralpolnischen Stadt Lodz bekannt wurde, hat sich offenbar auch in anderen Orten des Landes zugetragen. Wie ein Sprecher der Bundespolizei in Warschau bestätigte, ermitteln Kriminalbeamte mittlerweile in "über zehn Städten wegen Korruption". Die Behörden gehen von "mehr als 100 Verdächtigen" aus, die mit dem Tod ein lukratives Geschäft gemacht hätten. Zuerst hatte die Zeitung "Gazeta Wyborcza" gemeldet, dass Ärzte und Mitarbeiter eines Rettungsdienstes in Lodz Hinweise an einen Bestattungsunternehmer gaben, wenn Patienten im Sterben lagen. Dafür hatten sie bis zu 500 Euro kassiert. Einige Ärzte stehen sogar unter Mordverdacht, da nur ein toter Patient Geld brachte. Das Zahlen von Schmiergeldern ist in Polen wegen der schlechten Gehälter vor allem im Öffentlichen Dienst weit verbreitet. Die Korruption wurde auch von der Brüsseler EU-Kommission oft kritisiert.


DER SPIEGEL 5/2002
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