19.11.1952

Neu in Deutschland

ES GESCHAH IN PARIS (Frankreich). Vier fast banal, doch wirksam pointierte Kurzgeschichten: eine sentimentale, eine muntere, eine grauslige und eine groteske, wurden von Regisseur Christian-Jaque ("Fanfan der Husar") zu einem geistvollen, anmutigen Film vereint. Unabgeholte Fundsachen, die in den Stories mitspielen, schaffen die Übergänge zwischen den einzelnen Sätzen der Komposition. An der Spitze einer nicht nur durch die Namen glänzenden Starparade: Edwige Feuillère als melancholisch-erlesener Mannequin, Bernard Blier als schüchtern liebender Schupo und Gérard Philipe als rächender Würger. (Les Productions Jaques Reitfeld.)
DIE HEILIGE VON FATIMA (USA). Drei portugiesischen Bauernkindern spricht aus einer Wolke die Jungfrau Maria mütterlich zu. Trotz der listigen Schachzüge einer kirchenfeindlichen Polizei, trotz des Mißtrauens frommer Leute und trotz strenger Verhöre bekennen sich die auserwählten Minderjährigen zum Wunder, das sich am Ende auch einer größeren Pilgerschar mitteilt: Eine rotglühende Sonne bewegt sich auf die schon zweifelnden Menschen zu und zieht sich dann wieder in die gewohnte Entfernung vom Erdball zurück, Heilungen und Bekehrungen hinter sich lassend. Die schauspielerisch und farbtechnisch gelungene Heiligenmalerei und der Rückgriff auf einen historischen Fall übertünchen nicht den schadhaften Punkt: daß hier der Glaube mit einem Kinoeffekt gefördert werden soll. Wenig erfolgreiche europäische Erstaufführung in Berlin. (Warner.)
DAS UNVERGESSLICHE JAHR 1919 (Sowjet-Union). Jung-Stalin steht im wohlgebügelten, weißseidengefütterten Reitermantel auf dem Feldherrnhügel, verstößt den Kommissar, der, statt Listen ordentlich zu führen, bunte Abende arrangiert hat, und verjagt den Stadtsowjet, der kleinmütig Petersburg evakuieren ließ. Konspirateure und Spione erreicht die verdiente Kugel. Die Raubgier im englischen Lager, angetrieben von einem recht ähnlichen Churchill, entartet zum Grotesktanz. Läuft nur in der Ostzone. (Mosfilm.)
DR. WASSELLS FLUCHT AUS JAVA (USA). Dem alten Massenbeschwörer Cecil B. De Mille gelingt es, aus javanischer und chinesischer Vegetation, Technicolor-Pinup-Girls aller Rassen und US-Marinern aller Temperamente, rasenden und beschossenen Jeeps bombardierten Lazarettsälen und dem melancholisch-willensstarken Gary Cooper einen der langwierigsten Filme des Jahres zu machen. Ursache all der Aufregungen, die ihr Publikum nicht erreichen: Weltkrieg II. (Centfox.)
DIE WAHRHEIT UBER UNSERE EHE (Frankreich). Rückblendenreiche Analyse einer mißratenen Ehe, nach einem Roman von Georges Simenon. Sie, zu Beginn ganz jung, sehr aufrichtig, ohne Einschränkungen liebend, vereist nach den Erfahrungen von zehn Jahren. Er, sehr viel älter, gleichgültigen Herzens, ein Erfolgsmensch, der im Geschäft wie in der Ehe kleine Schwindeleien und Tricks anwendet, belebt und veredelt sich seelisch erst, bevor er von der enttäuschten Frau vergiftet wird. Trotz der gepflegten Atmosphäre und trotz kostbarer Leistungen von Danielle Darrieux und Jean Gabin zu abwegig privat, um die Beteiligung wachzuhalten. (Union Générale Cinématographique.)

DER SPIEGEL 47/1952
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