08.04.2002

GESTORBENKlaus Croissant

Klaus Croissant, 71. Sein größter Coup gelang ihm 1974, als er den greisen Philosophen Jean-Paul Sartre zum Besuch von Andreas Baader in den Hochsicherheitstrakt von Stammheim lotste. Doch warum der gutbürgerliche Scheidungsanwalt, der gerne sein Viertele Roten trank und mit der FDP liebäugelte, sich die Weltsicht linksradikaler Terroristen zu Eigen machte, bleibt ein Rätsel. Anfang der siebziger Jahre einer der Verteidiger von Ulrike Meinhof und Baader, wurde seine Kanzlei zum Rekrutierungsbüro für die linksextremistische RAF und zur Nahtstelle von inhaftierten Terroristen und ihren Helfern draußen. 1979 wurde Croissant, der zeitweise nach Paris geflohen war, wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung zu zweieinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Als nach der Wende herauskam, dass er als IM "Taler" die westdeutsche linke Szene ausspioniert hatte, angeblich, um den Kommunisten "zu einer realistischen Einschätzung der Linken in der BRD zu verhelfen", wandten sich auch frühere Mitstreiter von ihm ab. Klaus Croissant starb am 27. März in Berlin.

DER SPIEGEL 15/2002
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