16.12.2002

GESTORBENGerhard Löwenthal

Gerhard Löwenthal , 79. Kein anderer Nachkriegsjournalist spaltete das geteilte Land auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs so wie Löwenthal, der 19 Jahre lang in 585 Sendungen das "ZDF Magazin" moderierte. Er selbst sah sich als Kämpfer gegen den Kommunismus, gegen das SED-Unrechtsregime im Besonderen. Er lehnte die Ostpolitik Willy Brandts strikt ab, eine Annäherung an die DDR kam für ihn einem Verrat gleich; er agitierte gegen die "Nebenaußenpolitik" der Sozialdemokraten, was ihm lauten Beifall der CSU und harsche Ablehnung der Linken einbrachte. Die liberale Presse machte ihn für eine "Verwilderung der politischen Sitten" mitverantwortlich, die Springer-Blätter feierten ihn als Helden. Mit seiner Rubrik "Hilferufe von drüben" fesselte er bis zu 50 Prozent der DDR-Bürger an die Bildschirme, die sich durch ihn vertreten und verstanden fühlten; der offiziellen DDR, wo er selbstverständlich Einreiseverbot hatte, galt er als "Feindobjekt". Der Sohn eines jüdischen Industriellen aus Berlin, dessen Familie großenteils von den Nazis ermordet wurde, scherte sich kaum um die Meinungen anderer, obwohl ihm ein wenig Anerkennung alter Widersacher nach der Wiedervereinigung wohl gut gefallen hätte: "Es ist doch nur so, dass ich Recht behalten habe." Gerhard Löwenthal starb am 6. Dezember in Wiesbaden.

DER SPIEGEL 51/2002
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