03.02.2003

GESTORBENAnnemarie Schimmel

Annemarie Schimmel , 80. Die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels sollte 1995 der Höhepunkt ihrer akademischen Karriere werden - und stürzte die Orientalistin von Weltruf in ein Fegefeuer der Kritik, das ihr Renommee fast aufgezehrt hätte. Zum Verhängnis war der deutschen Vorkämpferin für einen interkulturellen Dialog mit dem Islam ihre Äußerung geworden, mit seinem Roman "Die satanischen Verse" habe der von muslimischen Fanatikern mit dem Tode bedrohte Autor Salman Rushdie auf eine "sehr üble Art die Gefühle" gläubiger Muslime verletzt. Dass sie so gleichsam die menschenverachtenden Auswüchse des islamischen Fundamentalismus rechtfertigte, wollte Schimmel nicht einsehen. Sie entschuldigte sich damit, "absolut unpolitisch" zu sein. Vor allem über die Mystik des Islam lehrte sie in Marburg, Bonn, Ankara und Harvard. Die Orientalistin, die ihr Leben in ihrer Autobiografie als One- Woman-Show in einer Männerwelt beschrieb, bereicherte ihr Fachgebiet um rund hundert Bücher. Annemarie Schimmel starb am 26. Januar in Bonn an den Spätfolgen eines Sturzes.

DER SPIEGEL 6/2003
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GESTORBEN:
Annemarie Schimmel

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