10.02.2003

GRIECHENLANDHellenische Stasi-Connection

Der frühere DDR-Staatssicherheitsdienst hatte enge Kontakte zu griechischen Terroristen. Möglicherweise war Ost-Berlin zwischen 1980 und 1990 sogar aktiv an Anschlägen beteiligt. Dank detaillierter Informationen aus Stasi-Archiven hat die griechische Polizei in den beiden vergangenen Wochen begonnen, die Terrorgruppe "Revolutionärer Volkskampf" (ELA) auszuheben. Zwischen 1974 und 1995 soll sie mehr als 200 Bomben gezündet und bis zu elf Menschen getötet haben. Erst kürzlich war es den Behörden gelungen, die berüchtigte Terrorgruppe "17. November" (17 N) zu zerschlagen. Spitzengenossen der ELA, die bis zu 200 Mitglieder und Unterstützer hatte, standen in enger Verbindung zu Emissären Ost-Berlins, vor allem zu Johannes Weinrich. Der war rechte Hand des seinerzeit weltweit meistgesuchten Terroristen Ilich Ramírez Sánchez alias "Carlos". Er stand zugleich unter genauer Beobachtung der Stasi, die die Carlos-Gruppe unterstützte. Weinrich wird ab 5. März in Berlin erneut der Prozess wegen seiner Aktivitäten in Deutschland, Frankreich und Griechenland gemacht. Die griechische Justiz hofft, dass dabei auch weitere Erkenntnisse über die hellenische Terrorszene abfallen.
So soll Weinrich den jetzt inhaftierten ELA-Anführern Sprengstoff besorgt haben: einem heute 56-jährigen Bauingenieur mit Stasi-Decknamen "Philippe", dessen Kumpel mit Aktennamen "George", 53, der inzwischen zum Bürgermeister einer kleinen Kykladen-Insel avanciert ist, und einem Architekten und Hotelier, 64, mit der früheren Stasi-Kennung "Andrew". Das Trio soll damit 1983 Anschläge auf die Athener Botschaft in Saudi-Arabien und 1988 auf die von US-Amerikanern frequentierte Bar "Oscar" in Glyfada verübt haben. Auch Reisen der Ägäis-Genossen zu libanesischen und syrischen Ausbildungscamps soll Weinrich organisiert haben. Ost-Berlin habe, glauben griechische Fahnder, sogar bei der Auswahl der Terrorziele mitentschieden. So fand sich in einem Versteck der mit der ELA eng verflochtenen 17-N-Gruppe eine Computer-Diskette mit der Datei "GERMANY.DOC". Auf der werden die Chancen und Risiken beschrieben, (west-)deutsche Firmen und Büros, etwa das Generalkonsulat, zu attackieren.

DER SPIEGEL 7/2003
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Hellenische Stasi-Connection

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