07.07.2003

Nobel statt Nabel

In den Zeiten der Krise, des Pisa-Schocks und um sich greifender Verlotterung ist eine neue Bürgerlichkeit gefragt. Das Einhalten von Regeln, das Leben mit althergebrachten Tugenden und Ritualen wird wichtiger.
Die neuen Leiden der jungen Dora. Da steht die 15-Jährige aus Köln. Hübsch, herausfordernd - bauchfrei. So wie sie seien doch fast alle Mädchen in ihrer Klasse angezogen, erklärt sie, genauso wie die Teenie-Idole Britney Spears, Shakira, Christina Aguilera.
Gütiger Pophimmel, und wenn die Jungfrau Maria so herumliefe; die Mutter, eine liberale Medienfrau, findet das Auftreten ihrer Tochter degoutant. "Du reizt die Männer", sagt sie und schämt sich ein bisschen, dass es so spießig klingt.
Ob in einem solchen Moment der Familienkrise intellektueller Rat helfen würde, zum Beispiel der von Christoph Wulf, Professor für Erziehungswissenschaft und Historische Anthropologie an der Freien Universität Berlin? Der sieht das bauchfreie Top der Teenies als "Zeichen und Ausdruck ihrer Generation, ihrer Eigenständigkeit und Unabhängigkeit; dadurch unterscheiden sie sich von ihren Müttern".
Die Situation zwischen Mutter und Tochter bleibt trotz solcher Erklärungen verknotet. Die Mutter erfährt nach einigem Insistieren von ihrer Tochter, dass der freie Nabel keine Anmache, sondern "irgendwie luftig" sei. Aha. Ende der Diskussion, aber nicht Ende der Sorge.
Wer wie Dora, sagt sich die Journalistin, Schüler und Lehrer derart herausfordert, wie kann der sich an Regeln halten? Wer den Eltern für Miss-Sixty-Hosen, die nur den halben Po bedecken, damit das Tanga-Etikett sichtbar bleibt, 150 Euro abknöpft, was hat der eigentlich für ein Gesellschaftsverständnis?
Dora versucht zu trösten. In ihrem Kölner Gymnasium gälten sie und ihre Mitschüler "eigentlich als eine sehr soziale Klasse". Wer kein Geld für die Knappklamotte habe, werde nicht als "Aldi-Kind" ausgegrenzt. Da seien der Klassenlehrer vor und zur Not die "Streitschlichter", eigens ausgebildete Schüler, die in ihrem Gymnasium anrufen könne, wer sich gemobbt fühle oder wer sehe, dass dies geschehe.
Und so wird Dora vorerst weiter "luftig" zur Schule gehen, bis Britney Spears andere Körperpartien zur unbedeckten Demonstrationszone ausruft oder sich die Mode über Bauch und Nieren erbarmt. Letzteres könnte bald geschehen: Lothar Reiff, Kreativ-Vorstand bei Hugo Boss, sieht eine Herbstmode voraus, die "angezogener" sein soll. "Es wird wieder smarter und schicker, wir glauben, gerade in diesen Zeiten, an eine sehr frische, optimistische Mode."
Eine mögliche Lösung ganz nach den Gesetzen der Zeit. Die Mode bügelt gnädig aus, was sie selbst angerichtet hat. Lehrer und Eltern haben hinzunehmen, dass die Schüler das Klassenzimmer zum Laufsteg ausgerufen haben. Ob Flower-Power, Gammellook, Plumpsack-Outfit oder Girly-Stiefel - jeder Unsinn, jede Provokation gilt als göttlicher Gesang des süßen Vogels Jugend. Die Medien stehen stramm, die Lehrer seufzen in sich hinein - bloß nicht stören. Die Eltern bezahlen. Wenn sie können.
Die gesellschaftliche Botschaft heißt: In Fragen des Outfits regieren wir, die Schüler, streng und rücksichtslos. Wer nicht mithalten will oder wegen armer Eltern nicht kann, kommt unter die Räder. "Wie siehst du denn aus!", lautet das Todesurteil der Trendsetter für die Außenseiter.
Kleider machen nicht nur Leute, sie machen auch Opfer. Das "Abziehen", der mit Gewalt erzwungene Raub begehrter Klamotten, erreicht in der Statistik über Gewalt an den Schu-len immer höhere Werte.
Die Betroffenen schweigen, Eltern und Schüler sind ziemlich machtlos.
Der Modeterror funktioniert, typisch neudeutsch, durch die absurde Kombination von im Unterbewusstsein herumspukender 68er-Libertinage - du, Erwachsener, darfst dich nicht in die Sphäre deiner Kinder einmischen, sonst giltst du als repressive, autoritäre Persönlichkeit - und allgegenwärtiger Überforderungshaltung: Sollen wir Eltern und Lehrer uns auch noch darum kümmern?
Nach ähnlichem Muster hat sich über die Jahre überall in Deutschland ein Gefühl eingestellt, gegen die Verlotterung der Sitten sei nichts zu machen. Dass Jüngere nicht selbstverständlich aufstehen, wenn ein Älterer in der Bahn mit dem Stehen Probleme hat - gegen solche Haltung helfen keine erzieherischen Appelle, sondern allenfalls Behindertenausweise, resigniert der moralische Defätismus. Seine Turnschuhe auf die gegenüberliegende Sitzbank zu legen - wer möchte womöglich als faschistischer Knacker beschimpft werden, wenn er dieses Verhalten von Jugendlichen als ungehörig moniert?
Aber es ist durchaus nicht nur die seit ewig verderbte Jugend, die den Bürger reizt. Da gibt es die Versiffung des öffentlichen Raums: verkommene Bahnhöfe, beschmierte Häuserwände, vergammelnde Rostlauben in Wohnstraßen, ewige Baustellen, auf denen der letzte Arbeiter vor Monaten gesehen wurde. Niemand scheint sich zu kümmern. Stattdessen dreht sich zur Be(un)ruhigung die Gebetsmühle: Die Kassen sind ja so leer.
Als ob alles eine Frage des Geldes wäre. Erstaunlich erscheint die fatalistische Hinnahmebereitschaft, dem alltäglichen Verfall von Sauberkeit, Sitte und Ordnung - schon diese Worte erzeugen bei nicht wenigen ein Würgen - machtlos zuzusehen. Und doch: Es gibt Anzeichen, dass sich immer mehr Zeitgenossen gegen die Verlotterung wehren wollen und versuchen, die kollektive Lähmung angesichts des allgegenwärtigen Schlendrians zu
überwinden. Dabei marschieren nicht etwa die Heere verlogener Moralapostel, es droht kein neuer Faschismus. Nein: Es reicht vielen einfach.
Diese Menschen, die nicht auf Wunder und politische Erlösung hoffen, suchen sich im Alltag zuerst mal Inseln, auf denen Form und Rücksicht etwas gelten. Gepflogenheiten der frühkindlichen Erziehung, wie alte Reime nachsprechen oder gemeinsam halbwegs manierlich essen, werden nicht mehr als reaktionäre Abrichtung verunglimpft. Durchaus modernen Menschen macht es plötzlich Spaß, im hergebracht festlichen Rahmen zu heiraten oder in Benimmkursen zu lernen, dass die Achtung des anderen auch eine äußere Form hat. Eltern und Erzieher üben das Neinsagen, Schüler entdecken, dass Regeln durchaus sinnvoll sein können.
Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infas für den SPIEGEL belegt das schlagend. Auf die Frage, ob Höflichkeit, Anstand und Ordnung im Alltag wieder eine wichtige Rolle spielen sollten, antworteten 95 Prozent der Befragten mit Ja. Beim Thema "bauchfrei" - immerhin der heißeste Modetrend der Saison - äußerten ein Viertel der befragten 18- bis 29-Jährigen sogar Verständnis für Lehrer, die Anstoß an ihren leicht bekleideten Schülerinnen nehmen (siehe untenstehende Grafik).
Möglich, dass vor allem die akute ökonomische Krise das Erstarken der Bürgerlichkeit fördert, die allmähliche Rückgewinnung von Tugenden wie Höflichkeit, Sauberkeit, Verlässlichkeit, den Mut zur Wiederbelebung althergebrachter Gebräuche, überhaupt die Wiederentdeckung der Form - sie war lange verrufen als steife Verhinderung ungezwungener Selbstverwirklichung, aber sie kann eben auch im irritierenden Durcheinander der Moden und Trends Sicherheit bieten. "Je unsicherer die Welt wirkt", schreibt Florian Illies in seinem neuen Buch "Generation Golf zwei", "umso attraktiver werden die scheinbar altmodischen Werte."
An die Stelle schlaksigen Beziehungsgewusels im Hau-auf-die-Schulter-Unstil tritt lange Verlorenes: klare Verhältnisse, Distanz, gut sitzender Anzug, Respekt. Es war schließlich nicht nur der wirtschaftliche Erfolg, der das Bürgertum einst stark und selbstbewusst gemacht hat. Es war auch - selbst wenn das angesichts zahlloser öffentlicher Skandale vergessen zu sein scheint - die disziplinierte Lebensweise der den verderbten Adel ablösenden neuen Klasse. Für diese Lebensweise gibt es einen altmodischen Sammelbegriff: Sittlichkeit.
Darin steckt das Wort Sitte, das eingeübtes, üblich gewordenes Verhalten meint. Aber auch das Sittliche im Sinne von Anstand, Rücksichtnahme, Diskretion und Würde. Die guten Manieren gehören durchaus dazu. Angenehme Umgangsformen sind kein Naturprodukt, dazu wird der Mensch erzogen. Das wiederum setzt eine Autorität voraus, die erzieht - selbstbewusste Lehrer und eine intakte Familie. Beide Instanzen wirken zurzeit entkräftet: durch die kollektive Erinnerung an falsche Autoritäten der Nazi-Zeit, durch eine zum Fetisch abgesunkene Diskutierkultur, durch Zeit-Tendenzen wie Individualisierung und Medienhörigkeit.
Die aufrechten Kämpfer gegen alles gestrig Autoritäre, von der Jugendbewegung zu Beginn des vorigen Jahrhunderts bis zu den 68ern, haben sich dabei längst zu Tode gesiegt. Die männlichen Nachfahren der strengen Väter von einst schieben heute den Kinderwagen durch die Fußgängerzone, und aus dem berüchtigten Oberlehrer mit dem Stock ist ein eher konfliktscheuer Kumpel geworden, der sich krank meldet, weil ihm von der Gartenarbeit der Rücken wehtut.
Niemand sehnt sich zurück nach den alten, vordemokratischen Verhältnissen, aber die mehr oder weniger asketischen Haltungen, mit denen die Altvorderen diese Verhältnisse gemeistert haben, erscheinen vielen durchaus wieder als attraktiv und hilfreich. Aber wie steinig ist der Weg dorthin: Bei allen Versuchen, sich gegen die Beliebigkeit einer schnoddrigen Ego-Gesellschaft zu wehren, erweist sich, wie leicht es ist, Formen aufzulösen, doch auch wie schwer, sie wiederzugewinnen. Aktuelles Beispiel: das Thema Schuluniform. Seit Jahren dringt es immer mal wieder in die Schlagzeilen.
Den Startschuss in diesem Jahr gab die Schulleiterin der bei Hannover gelegenen Gesamtschule Sehnde, Helga Akkermann, 49. Wie die Kölner Journalistin bei ihrer bauchfrei gekleideten Tochter Dora, so vermutet die Pädagogin, dass junge Mädchen ihre Reize häufig gar nicht richtig einschätzen. "Wir wollen sie auch vor sich selbst schützen", erläutert sie ihren Rundbrief, den sie im Juni an Schüler und Eltern schrieb.
Nabel geht die Welt zu Grunde, jedenfalls die Schulwelt. Als Gegenwelt wird nicht gleich das Noble alter Schule beschworen, aber etwas davon schwingt doch mit, wenn Akkermann feststellt, dass "Strand- oder Discobekleidung die Lernsituation beeinträchtigen" und deshalb "Shirts mindestens bis zum Hosenbund reichen" sollten. "Bild", Heimstatt der nackten Schönen und der empörten Scheinheiligen, schaltete sich sogleich ein: "Laufen unsere Schülerinnen zu sexy rum?"
Reflexartig wehren sich die Jugendlichen und sehen sogleich die Freiheit in Gefahr (siehe Interview Seite 130). Milder ist die Reaktion, wenn die Schuluniform als Antwort auf die Klassenkonkurrenz um die schicksten Klamotten genannt wird. Die Mehrheit der Schüler ist spontan auch hier alles andere als begeistert, aber bei längerem Nachdenken lassen sie auch Argumente dafür gelten.
Anders die Erwachsenen. Da zeigen sich ungewohnte Allianzen zwischen links und rechts. Der Hamburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Klaus-Peter Hesse forderte einheitliche Kleidung in der Schule, damit "wieder vermehrt der Unterricht und das Lernen im Vordergrund stehen". Die Zweite Vorsitzende im Hamburger Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ilona Wilhelm, hat auch nichts gegen den Einheitsdress, allerdings aus anderen Gründen: "Uniformen sind sinnvoll, um dem Markenwahn entgegenzuwirken."
Wie geeignet Schuluniformen sind, Frieden in die Klassenzimmer zu bringen und auch Abziehdelikte zu unterbinden, weiß in Deutschland niemand genau, nicht mal die, die es eigentlich wissen sollten, die Erziehungswissenschaftler. "Die einschlägige Profession hat dazu bisher nichts beigetragen", sagt Ernst Rösner, 53, vom Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung. Das Thema Schuluniform "gilt wohl als etwas anstößiges, skurriles Sujet".
Schade. Denn man würde gern die genauen Gründe wissen, warum einige Versuche, auf freiwilliger Basis eine Einheitskleidung einzuführen, wieder eingeschlafen sind, andere aber noch existieren.
An der Hamburger Haupt- und Realschule Sinstorf funktioniert das Experiment ganz gut: Dort tragen Schüler einheitliche Pullis und Hosen, der Versuch kommt bei Eltern und Lehrern gut an. Anders in Berlin, an einem Gymnasium in Lichterfelde und an einer Hauptschule in Friedrichshain. Dort führte man 2001 probehalber Schuluniformen ein. Viele Schüler fanden die dunkle Bundfaltenhose und das hellblaue Polohemd jedoch langweilig und boykottierten die Aktion, die nach drei Monaten beendet wurde.
Die Klasse 9b der Realschule Herkenrath in Bergisch Gladbach entschied sich im Oktober 2002, weiße Hemden, schwarze Strickjacken und dunkle Jeans zu tragen. Nach anfänglichen Erfolgen bröckelte die Einheitsfront: Einzelne Schüler scherten aus, noch bevor das Experiment beendet wurde. In Wiesbaden sprachen sich im vergangenen Jahr zwei Klassen für beigegraue T-Shirts aus. Eine 10. Klasse der Realschule gab genervt auf, die 6. Gymnasialklasse hält bis jetzt tapfer durch.
Bedenkt man, mit welcher Selbstverständlichkeit angelsächsische Länder, nicht gerade Horte der Diktatur, in der Schule Uniform anlegen, ist die deutsche Haltung sonderbar. An dieser Stelle könnte leicht ein Stück neuer, antidiskriminierender und gut begründbarer Bürgerkultur durchgesetzt werden. Aber statt die Initiative zu ergreifen, kapitulieren Eltern und Lehrer vor dem Gemaule der Kinder. Warum eigentlich sollten nicht viel mehr Schüler die Bildungserfahrung machen, die die Hamburger Gymnasiastin Sophie, 17, gemacht hat?
Sie hatte sich entschieden, für die Dauer der 11. Klasse ein irisches Internat, das 1669 gegründete Institut The King''s Hospital in Dublin, zu besuchen. Die Vorstellung, eine Uniform zu tragen, war ihr allerdings ein Graus.
Schon die Anprobe der zur Schuluniform gehörenden Einzelteile in einem Dubliner Kaufhaus erlebte sie als Qual. Jedes Stück kommentierte Sophie, noch aus der Umkleidekabine heraus, mit den Worten: "So was trage ich nicht!" Igitt, die schwarzen Collegeschuhe, deren Absätze nicht höher als drei Zentimeter sein dürfen; schrecklich, die dunkelblauen Kniestrümpfe; unmöglich, der Rock mit Schottenmuster (nur im Winter sind ausnahmsweise dunkle Hosen erlaubt). Modische Zumutung auch die weiße oder blaue Bluse, bis oben zugeknöpft, dazu eine spezielle Krawatte, und nicht zu vergessen: der dunkelblaue V-Ausschnitt-Pullover mit dem Emblem der Schule. Sophies Welt, die totale Krise.
Als das Mädchen ein Jahr später aus Irland zurückkam, war es von den Vorteilen der Uniform gründlich überzeugt. "Das beginnt schon am Morgen: Man muss sich nicht lange überlegen, was man heute anzieht." Als sozial entlastend empfand das Mädchen, dass die Kaufkraft der Eltern nicht länger sichtbar war. Außerdem sei sie weniger vom Unterricht abgelenkt gewesen. Und: "Es gibt auch ein Gefühl von Einheit und Zusammengehörigkeit, wenn alle gleich aussehen."
Gleich? Nicht ganz. Sophie hatte das Geschick entwickelt, mit kleinsten Abweichungen, die den Lehrern nicht auffielen, der Uniform Extraschick abzugewinnen - eine raffinierte Frisur, eine nette Uhr, die richtige Ausstrahlung. Es sei trotz Uniform immer klar gewesen, "wer dazugehört und wer nicht".
In Deutschland hat die Uniformierung in der Schule wenig Tradition. HJ-Kluft und die blauen Blusen der DDR-frommen Freien Deutschen Jugend waren ausdrücklich nicht für die Schule vorgesehen. Die Kruppstahlhärte von Hitlers jungen Gefolgsleuten sollte nichts mit deren Lateinleistungen zu tun haben und der richtige Klassenstandpunkt keine Frage der Mathe-Kompetenz werden.
Über eine Art ständische Markierung, die den Gymnasiasten vom Lehrling unterschied, brachte es die Schulkleidung hier zu Lande nie hinaus. Die Welt der berühmten Kino-Klamotte "Die Feuerzangenbowle" kannte nur Schülermützen mit farbigen Bändern. Die zeigten die Klassenstufe an, wenn die "Schöler" durch die Stadt flanierten. Ärgerlich war das Pennälergeweih für Sitzenbleiber: Sie konnten den Mädels im neuen Schuljahr keine neue Farbe zeigen.
Viele Argumente sprechen eigentlich nicht dagegen, eine einheitliche Kleidung einzuführen, wenn Eltern, Kinder und Lehrer das wollen und mehrheitlich beschließen. Aber es zeigt sich dennoch bald ein sehr deutscher Affekt, wenn es gilt, moralisch inspirierte Projekte durchzusetzen. Es ist die Peinlichkeit, seine gut gemeinte Haltung nach außen zu zeigen. Das Richtige zu erkennen ist hier zu Lande eine Frage des Inneren, mehr Privatsache als öffentlicher Ausdruck.
Es war Immanuel Kant, der den Umgang mit dem moralischen Gesetz in das unsichtbare Selbst verlegte. Der Königsberger Denker des 18. Jahrhunderts misstraute den Überzeugungen der schottischen Moralphilosophen, die den Common Sense als oberste Instanz in Fragen des Sittlichen ansahen. Gewissen war für Kant eine einsame Veranstaltung, bei der ein Ich über das Ich zu Gericht sitzt. Wer Aufklärung als Anstrengung begreift, sich des Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen, der misstraut bei Fragen der moralischen Orientierung äußeren Formen, Bräuchen, Ritualen und Traditionen.
Ein Mann wie der Kant-Schüler Knigge, der die ins Innerliche verbannte Moralreflexion an die Oberfläche bringen wollte, so dass sich das Prinzip der Achtung auch in äußeren Formen, in Etikette, Tischsitten und richtigem Benehmen offenbart, gilt noch immer als eine lächerliche Figur. Knigge - das klingt nach Ja oder Nein zum Tragen langer Unterhosen oder zum Schneiden von Kartoffeln mit dem Messer.
Eine Moral, die man nur vor dem inneren Auge sehen kann, ist etwas sehr Abstraktes und deshalb vom Verschwinden bedroht. Ideen, die nicht irgendwie sichtbar erscheinen dürfen, sind von Verdunstung bedroht. Kant-Schüler wie die Dichter Kleist und Schiller haben diese Gefahr zu bannen versucht - ihre theoretischen Erörterungen zum Begriff der "Anmut" und über die ästhetische Erziehung des Menschen verbinden das sittlich Gute mit dem schönen Schein. Der humanistische Traum von der schönen Seele, deren innere Harmonie in praktizierter Moral und am besten auch noch im ansprechenden Äußeren des Körpers fasslich wird, geistert fortan durch etliche Romane und Gemälde des 19. Jahrhunderts.
Der moralische Rigorismus des radikalen Moralkritikers Friedrich Nietzsche hat diesen Traum am Ende brutal zerschlagen und in seine Bestandteile zerlegt. Der Philosoph des "Menschlich-Allzumenschlichen" verabsolutierte das Ästhetische und verachtete bürgerliche Moral als wohlfeile Selbsttäuschung. Er stellte die "ganze Moral" als "eine beherzte, lange Fälschung" an den Pranger. Der Mensch, "ein vielfaches, verlogenes, künstliches und undurchsichtiges Thier", habe Tugend und Gewissen nur erfunden, um "seine Seele einmal als einfach zu genießen".
Im Jahr 1887 notierte Nietzsche gar, der Staat selbst sei "die organisierte Unmoralität"; nur durch faule Tricks wie "Zwischenlegung der Tugenden des Gehorsams, der Pflicht, der Vaterlands- und Fürstenliebe" könne sich die gegenwärtige Gesellschaft erhalten. Bürgerliche Werte? Pure Disziplinierung zum blöden Mittelmaß, selbst verordnetes Schlafmittel für Power und Phantasie.
Dass ausgerechnet hehre Familien- und Bürgerideale wie Treue und Zuverlässigkeit, Fleiß, Disziplin und gute Kinderstube den Menschen sogar tragisch vernichten könnten, hatte auch schon 1844 der Dramatiker Friedrich Hebbel in seinem Drama "Maria Magdalene" vorgeführt: Weil der sittenstrenge Meister Anton mit Selbstmord droht, falls seine Tochter ihm Schande machen sollte, stürzt sich die unehelich schwangere Klara schließlich in den Brunnen.
"Ich trage einen Mühlstein wohl zuweilen als Halskrause", hatte Anton erst noch steif und stolz erklärt. Als Klara tot ist, bleibt ihm nur der Satz: "Ich verstehe die Welt nicht mehr."
Kein gutes Omen zu einer Zeit, da Bürgertugenden, einst als Standesgrundsätze gegen die Vorrechte des Adels ersonnen, ihren ungeheuren Siegeszug antraten. Vom Gartenlauben-Miteinander des Biedermeier zur wilhelminischen Offiziersehre, vom Arbeitsethos des deutschen Professors zur Beamten-Pünktlichkeit - wo immer bürgerliches Selbstgefühl sich regte, wurde Sittsamkeit zum Maßstab von geradezu religiöser Kraft. Zwar wurden immer wieder Saubermänner als Heuchler entlarvt. Aber in die Krise geriet das Moralgebäude der Bismarck-Ära erst wirklich, als - parallel zur Moralkritik eines Nietzsche - im Vorfeld des Ersten Weltkriegs der politische Optimismus der Gründerzeit mehr und mehr zerbröckelte.
Heinrich Manns "Professor Unrat", ein Moraltyrann, der ausgerechnet der Halbweltdame Rosa verfällt, wurde 1905 zum Sitten-Menetekel. Und 1911 dichtete der Expressionist Jakob van Hoddis in einer apokalyptischen Vision: "Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut." Tatsächlich entlarvten Moralisten wie Maximilian Harden oder Karl Kraus nun in greller Öffentlichkeit das dummdreiste Lotterleben vieler Biedermänner der Macht - nicht ohne selbst im Trubel der Metropolenhalbwelt mitzumischen.
Ein typischer Fall war der Philosoph Max Scheler, der 1913 einen Essay "Zur Rehabilitation der Tugend" schrieb, aber selbst ein so schwungvolles Leben führte, dass er zur Entschuldigung erklären musste, ein Wegweiser brauche doch wohl nicht selbst zu gehen, wohin er zeige.
Scheler hatte auf seine Art ganz Recht: Schon damals gehörte Antibürgerlichkeit unter Künstlern und Literaten fast zum guten Ton. Aber auch Nietzsche-Adepten und Zivilisationsskeptiker aller Couleur opponierten inzwischen gegen selbstzufriedene Wertschöpfer. Die Katastrophe des Ersten Weltkriegs bestätigte ihnen nur, dass die wilhelminischen Ideale im Kern faul sein mussten.
Umso eifriger suchten Vegetarier, Nacktheitsapostel und Ökosophen nun nach Ganzheitlichkeit jenseits der Muff-Moral in Frack und Zylinder. Ein paar Radikale sagten dem Leistungsdruck gleich ganz Ade, um in Landkommunen ein grünes Leben zu beginnen. Doch auch inmitten der zersplitterten, vergnügungssüchtigen Gesellschaft der Weimarer Republik tobte der Streit um die wahren Werte weiter: Durfte ein hochkultivierter Weltmann wie der "Rote Graf" Harry Kessler abends im Tingeltangel die hüllenlose schwarze Tänzerin Josephine Baker bewundern?
Listige Bohemiens scherten sich nicht mehr um Konventionen, nutzten aber die bürgerliche Mehrheit gern als Schlupfwinkel. Dada-Schlitzohr Walter Serner etwa, der 1927 ein Anarchie-sattes "Handbrevier für Hochstapler" unter dem Titel "Letzte Lockerung" herausbrachte, riet zur Tarnung in ironischer Normalität: "Es ist kein Standpunkt, keinen zu haben."
Gegen die frivolen Dada-Dandys hatte ein Jahr zuvor der Pädagoge Georg Kerschensteiner eine "Theorie der Bildung" geschrieben, in der die Empörung des Bürgertums zu Lehrsätzen gerann: "Aller wahre Sinn des Lebens ist seine Bezogenheit auf unbedingt geltende Werte", verkündete er. "So ist alle Kultur, das heißt alle Wiederverlebendigung des objektiven Geistes zunächst auf Autorität gegründet, und zwar auf die Autorität des inneren Zwanges der Liebe, Dankbarkeit, Bewunderung, Verehrung, Ehrfurcht."
Der brave, pedantische Wert-Arbeiter Kerschensteiner, der es leid war, dass von Moralsezierern "die Nachtseiten der Menschheit ebenso schonungslos enthüllt wie die Tagseiten als fragwürdig hingestellt werden", konnte nicht ahnen, dass wenige Jahre später jede freie Wertdebatte von der NS-Ideologie erstickt werden würde - einer Zwangsautorität, die kein Ethiker von Format hätte rechtfertigen mögen.
Als Perversion bürgerlicher Sittsamkeit stuften Gesellschaftsforscher das braune Überwachungs- und Zwangsregime schon während seiner Existenz ein. So kam bereits 1950 in den USA ein Wälzer heraus, der faschistischen Geist und selbst den Antisemitismus, nicht nur den deutschen, als sozialen Problemtyp beschrieb.
Die Forscher, unter ihnen der deutsche Exil-Intellektuelle Theodor W. Adorno, nannten das Denkmuster, das ihre Fragebögen ergaben, "Autoritäre Persönlichkeit". Nach dem Schema "Wir gegen die anderen" baue der autoritär Denkende ein Raster von Vorurteilen auf, das rasch zu Wertungen erstarre und dann von Demagogen politisch ausgenutzt werden könne. Sittsamkeit nach außen, doch darunter Zwang, Wahn und Terror - der Hoffnung auf heilsame Bürgertugenden war erneut ein schwerer Schlag versetzt.
Zwar sickerten die entlarvenden Ergebnisse erst allmählich im Adenauer- Deutschland durch. Doch Mitte der sechziger Jahre hatte sich bei jungen Leuten der Hass aufs sterile, latent braune Wertkorsett ihrer Eltern so angestaut, dass ihr Protest nicht mehr zu bremsen war. Die Studentenrevolte von 1968 sagte den letzten Resten von Bürgerdünkel den Kampf an. Wieder einmal verstanden Ältere die Welt nicht mehr - und wieder signalisierten Nacktproteste, Kommunengründungen, alternative Lebensentwürfe und die Emanzipationswelle, dass das bürgerliche Wertesystem in einer Krise steckte.
Allerdings, so hat sich inzwischen gezeigt, hatten die wackeren Rebellen wieder einmal das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Bei der witzig-aggressiven Demontage der verlogenen Väter-Autorität ging um ein Haar auch das Verständnis für moderate, vernünftig begründbare Autorität - eine Voraussetzung für jede Erziehung zum Anstand - verloren. Eine der fatalen Folgen von ''68: Die sittliche Benotung eines Menschen verschwand fast völlig aus den Schulzeugnissen.
Wer sich im 16. Jahrhundert als Sohn mittelloser Eltern um ein Stipendium bewarb, brauchte das aus moralischen Floskeln bestehende Gutachten eines Geistlichen. Als Wilhelm von Humboldt 1812 vergleichbare Maßstäbe der Abiturientenprüfung festlegte, ging es zuerst um das, was preußisch die "Aufführung" hieß, das Verhalten des Kandidaten gegenüber Vorgesetzten und Mitschülern, sowie um "Fleiß". Erst nach dieser - modern gesagt - Sozialkompetenz beziehungsweise Motivation kamen die "Kenntnisse", neudeutsch Leistungen genannt.
Heute ist man sich zwar weitgehend einig: Schulleistung hat nichts mit Moral zu tun und Zensuren über Sozialverhalten entscheiden nicht über das Fortkommen. Der Pisa-Schock lehrt aber auch: Selbstdisziplin und Fleiß sind leistungssteigernd (SPIEGEL 20/2002). Mangelnde "Aufführung", die viele Zeit, die mit der Herstellung von Ruhe im Unterricht vertan werden muss, behindern Lernfortschritte - eine Einsicht, die bewirkt hat, dass Sachsen als erstes Bundesland seit drei Jahren wieder Bewertungen des Verhaltens ins Schulzeugnis schreiben lässt.
Am Anfang von Gewaltkarrieren stehen Verstöße, die mit dem Verfall so genannter Sekundärtugenden zu tun haben: mangelnde Pünktlichkeit, Schuleschwänzen, die Missachtung der Höflichkeitsgrundsätze gegenüber Lehrern durch oft ungeahndet bleibende Beleidigungen. Die meisten Untersuchungen belegen: Gewalt schwappt nicht einfach von außen in die Schule hinein, die Schule trägt durch ihre innere Ausgestaltung zu gewalttätigen Handlungsformen bei.
Grundsätzlich müssen die Verantwortlichen, die etwas gegen Gewalt und Verschluderung tun wollen, nicht auf durchgreifende Maßnahmen der großen Politik warten - manchmal bewirken bereits kleine Taten viel. Eltern greifen zum Pinsel, schon sieht die Klasse ihrer Kinder freundlicher aus. An der Peter-Weiss-Gesamtschule in Unna stellte Schulleiter Uwe Ries arbeitslose Klofrauen ein, die von den Schülern für jeden Besuch zehn Cent verlangen. Der bisherige alltägliche - und teure - Vandalismus war plötzlich vorbei, Mädchen hatten keine Angst mehr vor gewalttätigen Jungen, die Toiletten wurden sauber.
Ein Beispiel, das leider noch nicht Schule gemacht hat. In einem Hamburger Elbvorort ärgerten sich die Eltern jahrelang über das heruntergekommene Gebäude eines Gymnasiums. Wacklige Treppengeländer, versiffte Vorhänge, Löcher im Wandputz, nackte Glühbirnen als Lampen. Das Angebot eines Elternbeirats, wenigstens den Unterrichtsraum der von ihm betreuten Klasse auf eigene Kosten renovieren zu lassen, wurde erst halbherzig begrüßt und führte am Ende zu nichts - die Schulleitung mochte nicht garantieren, dass die Schüler in dem von ihren Eltern renovierten Klassenraum auch bleiben würden.
Die Verwahrlosung eines Stadtviertels beginnt nicht selten mit einer zerborstenen Fensterscheibe und zwei zerbeulten Bierdosen auf dem Hof davor - das besagt die in den USA entwickelte "Broken Window"-Theorie, auf deren Grundlage mittlerweile so manches amerikanische City-Elend geheilt wurde. Simple Sauberkeit ist keine Spießerneurose, wie überzeugte Schmuddel-Existenzialisten hartnäckig unterstellen. Vielmehr spricht einiges für die These: Die Verlotterung der Schüler beginnt mit dem ersten Sprayer-Gefuchtel an der Toilettenwand und setzt sich fort in fettigen Schulbüchern und einer chaotischen Zettelwirtschaft - Folgen einer gut gemeinten, aber konsequent unterfinanzierten "Lernmittelfreiheit".
Schule ist keine Tankstelle, wo die Schüler Karrierekraftstoff für später abfüllen, um mit Vollgas durchs Leben zu brettern. Schule ist ein empfindlicher sozialer Mechanismus. Dort müssen Regeln eingehalten werden. Vorausgesetzt, es gibt überhaupt welche.
Warum an den meisten deutschen Schulen die ordentliche morgendliche Begrüßung zwischen Lehrer und Klasse abgeschafft ist, will einem nicht in den Kopf, besonders wenn man Nicolas Philiberts Kino-Dokumentation "Sein und Haben" über einen Zwergschullehrer in der französischen Provinz gesehen hat. Der dort gezeigte Maître Lopez erscheint gewiss nicht als autoritärer Drillmeister, der sich über seine Schüler erheben möchte, die allmorgendlich vor ihm bei der Begrüßung aufstehen und "Bonjour, Monsieur" sagen müssen. Der Lehrer weiß vielmehr einiges über die Wirkung von Ritualen, die die Zeit gliedern und feste Strukturen schaffen. Kein Wunder, dass der Film so erfolgreich war, erinnerte er doch an eine Dimension, die moderne Erziehung lange verloren zu haben scheint: das Vertrauen auf Tradition.
Mit Wiederverzauberung der ernüchterten Pädagogik und Retrobegeisterung hat zu tun, was heute mancherorts bei den Kleinsten geschieht. An schönen Tagen geht die Hamburger Tagesmutter Gesine Rittmann-Kiermaier, 46, mit den drei Kleinkindern, die sie zu betreuen hat, im innerstädtischen Park Planten un Blomen spazieren.
Auf einer Wiese fassen sich die Kinder an den Händen, drehen sich im Kreis und singen die Hits von gestern: "Ringel, Ringel, Reihe", "Häschen in der Grube", "Ri-ra-rutsch, wir fahren mit der Kutsch". In der Regel bleiben ganze Gruppen von Spaziergängern stehen und bewundern die kleine Musikantengruppe. "Ältere Leute werden wehmütig, singen mit und erinnern sich an ihre eigene Kindheit", sagt die Tagesmutter, "junge Mütter bedauern, dass sie weder Texte noch Melodien beherrschen."
Was wie eine nostalgische Übung wirkt, ist bei den ganz Kleinen schwer angesagt. Kindliche Lebenswelten werden wieder mit "Jüngferlein" und "Müllermeistern", mit "Wandersleut''" und "Königskindern" bevölkert - Tagesmütter und Kindergärtnerinnen schwören auf Volksweisen, uralte Reime und Fingerspiele.
Dass mit den Versen wieder archaische Bilder vom "Brunnen vor dem Tore" oder vom "Mühlenrad" im "kühlen Grunde" sowie Rollenmodelle von "fleißigen Waschfrauen" und "lustigen Zigeunern" zurückkehren - eine Horrorvorstellung für textkritische 68er-Pädagogen -, macht den jüngeren Erziehern wenig aus.
Anderes ist ihnen wichtiger: Sie beobachten, dass sich die Kleinen in der Welt der ewig wiederkehrenden Reime wohl fühlen, dass sie schlicht Spaß an den vertrauten Rhythmen haben, dass selbst weniger sprachgewandte Kinder sich ausgerechnet die skurrilen Volksliedtexte gut merken können.
So gelten die alten Weisen als Vehikel für die Ausbildung von Sprachkompetenz und Musikalität und überdies, weil sie die Kommunikation der Kleinen ritualisieren, als Stützen von Geborgenheit. So legitimiert, traut sich inzwischen auch mancher Erwachsene wieder, die alten Lieder mitzusummen.
Rückkehr der Rituale heißt auch außerhalb der Schule die Devise. Mütter und Väter erkundigen sich in der Vorweihnachtszeit bei den perplexen Großmüttern nach den besten Plätzchenrezepten, damit sie gemeinsam mit ihren Kindern Zimtsterne und Vanillekipferln backen können. Vor Ostern beratschlagen Mütter in Krabbelgruppen, woher die prächtigsten Ostereier - möglichst old-fashioned - für den Strauchschmuck im Wohnzimmer zu beziehen seien.
Vor allem im Alltag, so predigen junge Eltern, sei die Einhaltung fester Zeiten und Sitten unabdingbar. Viele folgen auch am Wochenende einem straffen Stundenplan, in dem genau festgelegt ist, wann die Kinder essen und schlafen sollen. Besonders auf das Abendritual wird großen Wert gelegt - in seinem neuen Erinnerungsbuch "Wie Gott in Deutschland" feiert der Franzose und ehemalige Automanager Daniel Goeudevert das gemeinsame "Abendbrot" der Familie als besonders liebenswertes, weil kommunikatives Ritual der Deutschen, das dann leider in den siebziger Jahren vom Fernsehabend verdrängt worden sei.
Junge Familien heute begreifen allmählich: Dieses Ritual darf dem TV-Geflimmer nicht geopfert werden, es hilft den Kleinen - und den Eltern -, die Trennungsängste vor dem Schlaf zu überwinden: Fläschchen, Umziehen, Zähneputzen, Einschlaflied oder Gute-Nacht-Geschichte - sklavisch halten viele Eltern neuerdings den einmal fixierten Ablauf ein.
In vertrauter Runde gestehen Eltern sogar, auch wieder das Abendgebet eingeführt zu haben, sich dabei aber ähnlich hilflos zu fühlen wie beim Absingen der Volkslieder - sie selbst sind weder mit dem einen noch mit dem anderen aufgewachsen.
Ohnehin geht es der heutigen Generation junger Eltern - wie den meisten vorigen Elterngenerationen - darum, bei der Erziehung eigene Mangelgefühle zu kompensieren. Viele haben beim Verlassen ihres Elternhauses die unangenehme Erfahrung gemacht, nicht in der Lage zu sein, den eigenen Haushalt zu führen. Kochen, Waschen, Bügeln, Ordnung halten - mit all diesen Verrichtungen sind viele der heute 25- bis 40-jährigen Frauen (von Männern gar nicht zu reden) in ihrem Elternhaus nie vertraut gemacht worden. Haushaltsbelange waren mit der Frauenbewegung abgewertet worden.
Die Erfahrung der Hilflosigkeit im Haushalt wollen viele der heutigen Mütter ihren Töchtern und Söhnen ersparen. Also werden schon die ganz Kleinen dazu angehalten, Erbsen zu pulen, mit eher stumpfem Werkzeug Möhren zu schälen und nach dem Essen den eigenen Teller abzutragen.
Wenn es gut läuft, verrichten die Kinder diese Aufgaben zwar nicht einwandfrei, aber doch mit Stolz auf die Kompetenz, die ihnen da zugesprochen wird. Den Kindern Verantwortung, nicht nur für bestimmte Aufgaben, sondern vor allem für ihre eigenen Gefühle zu übertragen, das vor allem legen die aktuellen Erziehungsratgeber nahe.
Die Diplom-Psychologin Annette Kast-Zahn, 47, und der Kinderarzt Hartmut Morgenroth, 63, empfehlen in ihrem Standardwerk "Jedes Kind kann schlafen lernen", einen festen Rahmen für die Kleinen zu schaffen, Zeiten und Regeln einzuhalten, den Kindern aber nicht alles und jedes abzunehmen.
Babys und Kleinkinder, die beim Einschlafen ständig herumgetragen oder mit Brust und Fläschchen traktiert würden, könnten nicht lernen, selbständig in den Schlaf zu finden. Also schreien sie nachts die Eltern immer wieder herbei.
Die Autoren entwickelten ein straffes Einschlafprogramm, bei dem die Eltern dazu angehalten werden, das Protestgeheul der Babys (Mindestalter: sechs Monate) beim Einschlafen auszuhalten - ohne groß einzugreifen. Allerdings sollen die Eltern in einem genau festgelegten Zeitabstand wieder ans Bett der Kleinen eilen und ihnen so signalisieren, dass sie nicht allein sind und die Eltern mit ihnen mitfühlen.
Es ist die Verbindung von Zuwendung und Grenzen setzen, die als Zauberformel gilt - "Gute Autorität", wie der hannoversche Erziehungswissenschaftler Wolfgang Bergmann dieses Konzept nennt.
Die rigoros-autoritäre Erziehung der Großelterngeneration habe vielerlei Schäden an der kindlichen Psyche angerichtet, so die Auffassung von Pädagogen und Psychologen, aber auch Laisser-faire oder Überprotektion sorgten im kindlichen Gemüt für Verwirrung.
Die Mischung macht''s, so raten heute die Experten. Und nicht nur leistungsorientierte Mütter mühen sich um die neue Balance aus Autorität und Freiheit. Auch Pädagogen, die mit vorbelasteten Kindern aus so genanntem schwierigem Milieu zu tun haben, üben sich darin, zugleich hart und herzlich zu sein.
Gerade an Hauptschulen, an denen beinahe ausschießlich von der Schule entmutigte Kinder landen, verzeichnen Lehrer mit dem Prinzip der "guten Autorität" pädagogische Erfolge.
An der Hauptschule im Bielefelder Stadtteil Baumheide arbeiteten Lehrer eine neue Schulordnung aus, in der die Regeln, die an der Schule einzuhalten sind, in kindgerechter Sprache formuliert wurden. "Wir lösen Streit stets mit friedlichen Mitteln", steht da etwa. "Wir möchten sein dürfen, wie wir sind, und wir achten die anderen, wie sie sind." Und: "Wir sagen unsere Meinung deutlich, aber stets höflich."
Jeder neue Schüler ist verpflichtet, sich mit der Schulordnung zu befassen und schriftlich zu versprechen, dass er sich an das Regelwerk halten wird: "Ich habe die Schulordnung gelesen und verstanden, und ich bemühe mich, die Vereinbarungen einzuhalten." Unterschrift des Schülers. Das Konzept wird inzwischen auch an anderen Schulen ausprobiert.
Natürlich sind mit der Unterschrift nicht die Probleme aus der Welt, doch die Lehrer beobachten, dass sich die Schüler als Vertragspartner ernst genommen fühlen und es in vielen Fällen durchaus schon Erfolg haben kann, die Schützlinge einfach an die Vereinbarung zu erinnern. Verträge, es sei nur an Rousseaus "Contrat social" erinnert, waren schon immer des Bürgers liebste Instrumente, Ordnung in die Welt zu bringen.
Bürgerliche Konventionen, die zugehörige Kultur und ihre ästhetisch-ethischen Normen - auch Marcel Reich-Ranickis erfolgreiche "Kanon"-Edition der wichtigsten deutschsprachigen Romane passt in diesen Kontext - erleben einen Aufschwung wie lange nicht. 35 Jahre nach der pubertär auf "Establishment" und "Vater Staat" zielenden Parole "Macht kaputt, was euch kaputtmacht!" heißt es nun offenbar: Rettet, was zu retten ist! Statt um Zerschlagung und Auflösung geht es jetzt um Rekonstruktion - verschwundener Schlösser ebenso wie verschollener Höflichkeitsspuren; geht es um den schonenden Wiederaufbau des verwüsteten Respekts zwischen den Generationen, um die kreative Erinnerung an fast alles, was in den Befreiungskämpfen, Selbstverwirklichungskrämpfen, Modernisierungs- und Globalisierungsprozessen der vergangenen Jahrzehnte unter die Räder kam.
"Die philosophische Wacht am Nein", wie der Philosoph Odo Marquard in seinem Buch "Zukunft braucht Herkunft" die von Adorno und anderen Gelehrten der Frankfurter Schule propagierte "Totalnegativierung des wirklichen Lebens, den Luxus des Krisenstolzes" genannt hat, weicht allmählich der Suche nach dem lebbaren, bürgerlichen Alltag. Der skeptische Neo-Traditionalist arrangiert sich schon deshalb mit allerlei "Üblichkeiten" (Marquard), weil die faktische Kürze des Lebens es unmöglich macht, dieses Leben und seine Rituale von Grund auf neu zu erfinden. Revolutionäre, die das trotzdem versuchen, scheitern und mutieren auch deshalb leicht zu Terroristen.
Allerorten wächst das Bedürfnis, sich lieber an Verlässlichem festzuhalten, als immer neue Lebensexperimente zu riskieren. Auch das erklärt die wundersame Unverwüstlichkeit von Institutionen wie Ehe und Familie, die immer noch ein transzendentes Glücksversprechen enthalten.
Dabei beeindruckt nicht die Masse derer, die heiraten (es werden ja auch viele Ehen geschieden). 1992 wurden noch 453 428 Ehen geschlossen, im vergangenen Jahr waren es 388 300 Paare, die sich trauten. Was überwältigt, ist der Wille zur Form. Was Stil-Ikone Claudia Schiffer 2002 vormachte, indem sie sich zur Feier ihrer Hochzeit ein Schloss in Ostengland kaufte samt einem schulterfreien Prunk-Outfit mit viel Spitze, Schleppe und Schleier für 160 000 Euro - gab es überhaupt einen Bräutigam? -, entspricht den geheimen Wünschen nicht weniger junger Frauen.
Hochzeiten müssen auf alle Fälle einfallsreich gestaltet sein. Wie wär''s auf einer alten Burg, mit cremefarbenen, von der Braut genähten Bezügen für die Stühle im Rittersaal, selbst geschmiedeten Ringen, selbst gebastelten Windlichtern in den Bäumen, einer eigens verfassten Hochzeitszeitung, Wunderkerzen, Tanzkarten, fünfstöckiger Hochzeitstorte, das Ganze in Weiß, Gehrock und Zylinder? Er ist Informatiker, sie Angestellte, und beiden ist egal, dass es ja eigentlich auf innere Werte ankommt, wenn eine Ehe halten soll. Die feierliche Form ist keine Garantie, aber ein Anfang.
Denn es geht um Zeichen, um den Mut zur schönen Äußerlichkeit und um die Abwehr einer gestrigen Ehrlichkeit ohne Aura und Stil, nicht zuletzt um persönliche Vor-
griffe auf eine bessere Welt. Die "Ausweitung der Kampfzone", das aggressive Programm des französischen Kulturpessimisten Michel Houellebecq - das war gestern. Heute macht man es sich, durchaus nachdenklich, im Bürgerplüsch bequem: Der sozialwissenschaftliche Fachbereich der Uni Essen etwa bot ganz unverkrampft ein Seminar unter dem Titel an: "Tanzschulkultur(en) - Neue Bürgerlichkeit?"
Auch außerhalb der Universitäten geschieht, was bei der Null-Bock-Generation der achtziger Jahre nur unverständiges Hohnlachen ausgelöst hätte. Benimm-Kurse aller Art sind gefragt, ob für Führungskräfte, Handwerker, Studenten oder - neuester Trend - sogar für Kinder.
Bücher zum Thema erreichen zweistellige Auflagenzahlen. Sie stellen ohne großes theoretisches Gesülze eine Sammlung von Do''s und Don''ts dar. Soll man oder soll man nicht? Soll eine junge Frau auf dem Stuhl sitzen bleiben, wenn ihr ein älterer Herr vorgestellt wird? Wer geht zuerst durch die Drehtür?
Die Elterngeneration ist den Jüngeren, die sich nach Formen und Manieren sehnen, kaum eine Hilfe. Wohl auch deshalb finden die Sprösslinge schick, was Großmutter kochte und Großvater sang. Die Eltern wuchsen im kulturellen Schatten der Apo auf, und die pfiff auf Konventionen aller Art. Die Kinder merken, dass man mit der bloßen Lockerheit der Eltern in der postmodernen, auf Designglanz fixierten Geschäftswelt nicht landen kann. Kein Wunder, dass am Münchner Maria-Ward-Gymnasium - wie es sich gehört, an einem unterrichtsfreien Tag - ein Kursus für Tischmanieren angeboten wird. Dozentin ist Sabine Schwind von Egelstein.
Im schönen grünen Hamburg-Hasselbrook versammelt sich einmal im Monat das literaturinteressierte Szenevölkchen zwischen Gummibaum und Porzellankännchen zum "Kaffee.Satz.Lesen" bei Jacobs Krönung und Käsesahnetorte, in Berlin werden Aldi-Partys mit "salzigen Snacks" gefeiert. Und in den eigenen vier Wänden, so stellte gerade der Schweizer "Tages-Anzeiger" fest, folge die Trendumkehr unter lukullischen Aspekten dem Motto "Ab 30 lieber Sauce statt Sause". Kurz und bündig: "Die 30-Jährigen haben das Kochen entdeckt." Das alles gemäß der Devise: "Abkehr vom Partyrausch; Rückkehr an den häuslichen Herd". Vorwärts zurück in ein neues Biedermeier.
Die meisten Mieter eines großen Hamburger Jugendstilhauses, nicht weit vom Hafen, leben allein - auch wenn deshalb natürlich nicht alle Singles sind. Dort geht es in der Hausgemeinschaft über das übliche Zuckerborgen am Sonntag hinaus. Die meisten haben das gleiche Alter, so zwischen 30 und 40, und alle hatten eine unbestimmte Sehnsucht nach mehr Zusammenhalt. Jedenfalls begannen die zwölf Mietparteien irgendwann damit, sich gegenseitig einzuladen. Die ersten Partys wurden mehr oder weniger spontan in den Wohnungen organisiert, später dann Bierbänke und Biertische angeschafft, die nun bei den Festen im Hausflur aufgestellt oder zum winterlichen Glühweintrinken auf die Straße vor dem Haus gerückt werden. Weihnachten steht ein riesiger Tannenbaum im Flur. "Viele von uns kommen nicht aus Hamburg", erzählt eine Mieterin, "deshalb ist die Hausgemeinschaft unser Ersatz für eine Großfamilie." Eine Sehnsucht nach Geborgenheit, wie sie auf andere Weise die Genremalerei des 19. Jahrhunderts beschwor, zum Beispiel mit dem Gemälde "Selbstbildnis im Kreise der Familie" des baltisch-russischen Künstlers Gustav Adolf Hippius (1792 bis 1856), das auf dem SPIEGEL-Titelbild zu sehen ist.
Für den Zukunftsforscher Matthias Horx, 48, kommt die Sehnsucht nach einem Nest nicht überraschend. In seiner Studie "Future Living" steht: "Die Familie erlebt eine vitale Renaissance."
Natürlich geht es da eher um versprengte kulturelle Symptome, die einen gesellschaftlichen Kurswechsel andeuten und verheißen, nicht um einen abrupten Bruch etwa mit allen Errungenschaften moderner Emanzipation. Aber, so "Zeit"-Autor Thomas E. Schmidt, "aus vielen kleinen Partikeln entsteht ein Mosaik des Neubürgerlichen, auch wenn dessen Konturen noch unbestimmt sind".
Zuweilen braucht die neue Bürgerlichkeit sogar jene harte Hand, die von der sozialpädagogischen Softie-Ideologie immer nur als autoritär-faschistoide Unterjochung verabscheut wurde und wird. Jüngst verriet Bob Geldof, 48, Pop- und Punk-Ikone der inzwischen aufgelösten Boomtown Rats ("I Don''t Like Mondays"), wie sehr er auf eine strenge Erziehung seiner drei Töchter achte. Während er selbst in seinen wilden Zeiten keinen Exzess und keine Droge ausgelassen hat, verbietet er nun seiner immerhin 20 Jahre alten Tochter, einen Jungen mit auf die Stube zu nehmen. Mehr noch: Die Ärmste muss auch noch "ihr Zimmer in Ordnung halten".
Geldofs Begründung passt zum neubürgerlichen Zeitgeist: "Wir leben in einer völlig durchsexualisierten Gesellschaft, und man muss ihnen erklären, warum es Regeln gibt." In seiner eigenen Jugend galten offensichtlich noch die anderen, die wüsten Regeln des Rock''n''Roll. Fast kleinlaut beichtet der bekehrte Rockstar: "Wie sollte ich sonst an Mädchen herankommen?"
SUSANNE BEYER, NIKOLAUS VON FESTENBERG,
VOLKER HAGE, PER HINRICHS, ULRIKE KNÖFEL, JOACHIM KRONSBEIN, REINHARD MOHR, JOHANNES SALTZWEDEL,
MATHIAS SCHREIBER,
MARIANNE WELLERSHOFF
* Prinz Constantijn, Prinzessin Laurentien (am 19. Mai 2001 in Den Haag).
Von Susanne Beyer, Nikolaus von Festenberg, Volker Hage, Per Hinrichs, Ulrike Knöfel, Joachim Kronsbein, Reinhard Mohr, Johannes Saltzwedel, Mathias Schreiber und Marianne Wellershoff

DER SPIEGEL 28/2003
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