28.07.2003

PSYCHOLOGIEUnterdrückte Wünsche

Aggressive Kinder haben Schwierigkeiten, ihre eigenen Gefühle zu verstehen, und sind meist nicht in der Lage, sich in andere Kinder hineinzuversetzen. Auch gelingt es ihnen schlechter als nicht aggressiven Kindern, soziale Kompetenz zu entwickeln und Konfliktsituationen moralisch zu bewerten. Wird einem ihrer Altersgenossen im Klassenzimmer etwa eine Tafel Schokolade gestohlen, fällt es ihnen schwer, sich in die Rolle des Täters oder des Opfers hineinzudenken. Zu diesem Ergebnis kommt eine empirische Studie der Psychologin Tina Malti an der Freien Universität Berlin. Malti, 29, stellte fest, dass vor allem aggressiven Kindern im Alter von neun und zehn Jahren die Unterstützung der Eltern fehlt. Bei hoch aggressiven Kindern, die in der Schule auffallend extrovertiert auftreten, seien Wünsche und Befindlichkeiten von den Eltern in der Regel unterdrückt worden. Solche Kinder widmen bei Gruppenspielen anderen Kindern nicht die Aufmerksamkeit, die sie für sich selbst fordern. Wird ein Kind verletzt, ist es ihnen unmöglich, Mitleid zu äußern. Die Folge: Sie müssen meist allein spielen. Geschlechtsspezifische Unterschiede bei aggressiven Kindern konnte die Psychologin übrigens nicht feststellen.

DER SPIEGEL 31/2003
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