13.11.1963

LENGEDE / KATASTROPHENAus der Gruft

Über Tage läuteten die Totenglocken. Unter Tage atmeten die Totgesagten in ihrer Gruft - über ihnen der brüchige Fels, neben ihnen das Gurgeln des Wassers und das Gestöhn sterbender Kumpel, fernab das Surren von Bohrern, das nicht näher kam.
In einem Bruch von der Größe eines Wohnzimmers, der ein Dom genannt wurde, verrichteten Männer ihre Gebete und ihre Notdurft. Sie tranken Wasser aus dem Felsen und gaukelten sich Brötchen mit Mett vor. Sie mühten sich, ihre Glieder warm zu hauchen, und betasteten ihre Füße, die geschwollen waren.
Sie waren ohne Licht. Einen packte die Verzweiflung: Er lachte irre auf und riß sich die Kleider vom Leibe. Ein anderer verknobelte in der Düsternis Pfund um Pfund das Schwein, das er über Tage gemästet hatte.
Dann - nach zehn Nächten und neun Tagen, die nur Nächte waren - kam das Knirschen der Bohrer doch noch näher. Mit einer Präzision, die Zufall war ("Wir hätten hundert Bohrungen in diesem Areal niederbringen können, ohne das Verlies zu treffen..."), brach der Meißel durch den First der Gruft. Die Eingeschlossenen konnten ein Kabel fühlen, und eine Stimme fragte: "Wer ist unten?"
Unten waren elf. Oben war, wie Londons "Daily Mirror" schrieb, "die ganze Welt". Bischöfe beteten, der Kanzler und der Gewerkschaftsboß sprachen Trost, Staatsanwälte ermittelten. Witwen fielen einander in die Arme, weil sie nicht länger Witwen waren.. Zum erstenmal in der Geschichte sprach ein amtierender Regierungschef, der im Hubschrauber durch Nebel herbeigeeilt war, zu Knappen, die verschüttet waren. Erhard: "Meine lieben Landsleute." Seine Landsleute: "Haben gut verstanden."
Durch Schlagzeilen ("Daily Express": "Lifeline for Eleven"), Fernseh-Direktübertragungen (Tagesschau-Reporter Guido Schütte: "Hier kann nur der Himmel helfen") und Rundfunk-Sondersendungen (der NDR strahlte Bandaufnahmen von den Sprechkontakten mit den Eingeschlossenen aus) nahm "die ganze Welt" Anteil an einem Rettungswerk ohne Beispiel.
Es hatte schlimmere Bergkatastrophen in Deutschland gegeben - so 1946 auf der Zeche "Monopol-Grimberg" bei Bergkamen im Ruhrgebiet (402 Tote) oder 1962 auf der saarländischen Zeche "Luisenthal" bei Völklingen (299 Tote). Und es gab Bergleute, die viel länger verschüttet waren - so bei der 1100 Tote fordernden Schlagwetter-Explosion in einem französischen Bergwerk bei Courrieres (1906), wo die Räumtrupps erst drei Wochen nach der Katastrophe auf ein Dutzend Kumpel stießen, die sich vom Fleisch der Grubenpferde und von tröpfelndem Wasser ernährt hatten.
Aber nie kam es zu einer derart nervzermürbenden Rettung auf Raten, die Bergleute und Zeitungsleute dazu brachte, die Wunder zu numerieren. Als wundersam wurde verzeichnet, daß drei Bergleute in einer Überdruck-Blase entdeckt wurden; als wundersam, daß sie in der technisch kompliziertesten Rettungsaktion des Bergbaus emporgeholt werden konnten; als wundersam, daß zehn Tage nach dem Desaster eine Bohrung noch das Verlies von elf Eingeschlossenen traf; daß eine zweite Bohrung danebenging (weil die Höhle sonst hätte zusammenbrechen können); daß die dritte, die rettende Bohrung aber entgegen der Planung die Höhle traf (weil das Gestein hielt).
Aber weitere Wunder, bereits avisiert, blieben aus. Vergebens senkten die Retter einen Apfel durch den dünnen Schacht einer 62-Meter-Bohrung; niemand griff nach ihm. Ein Lautsprecher, dessen schrille Töne selbst Halbtote hätten wecken müssen, weckte niemanden. Fünfzehnmal senkten sich die Bohrer in die Tiefe - wenige Male nur mit Erfolg. Hoffnung und Verzweiflung lösten einander ab. Ein Gemeinwesen von 3700 Seelen wurde zur Kulisse eines Dramas mit absurden Akzenten:
Auf einem Rübenacker ein Arzt, der durchs Mikrophon Wirtinnen-Verse in die Tiefe sprach, um die Kumpelseele aufzuheitern. In der Kirche die Witwe Erna Kendzia, die keine Trauerkleidung trug, weil sie nicht Witwe sein wollte - und auch keine war. Am Bohrturm ein riesiger Ölwerker, dem zu gleichen Rex Harrison "vergeblich versuchen würde, wenn er einen Bohringenieur zu spielen hätte" ("Die Welt").
Auf einem zerwühlten Acker ein Telepath, der plötzlich stehenblieb und sagte: "Hier ist es." Und auf einer Pressekonferenz der Hauer, der zum erstenmal in seinem Leben dem Hüttendirektor widersprach: "Herr Direktor, was Sie sagen, das stimmt nicht."
So wurde Lengede in zwei Wochen zur Saga menschlicher Ingeniosität und Beharrlichkeit, aber auch zum Drama menschlicher Unzulänglichkeit und menschlichen Irrens.
Glück auf und ab
Donnerstag, 24. Oktober, 20.03 Uhr:
Auf der 60-Meter-Sohle der Eisenerzgrube "Mathilde" bei Lengede -Broistedt hält kreischend eine Grubenlok. Der Lokführer springt ab und zerrt einen Kumpel am Arm: "Mensch, Herbert, was rauscht denn da?" Es ist das Wasser.
Es kommt zwei Stunden vor dem Ende der Tagschicht, zu der 129 Bergleute um 14.00 Uhr eingefahren waren. Zwei Stunden - die längste Nacht des deutschen Erzbergbaus ist angebrochen.
Zur selben Minute, da der Lokführer in 80 Meter Tiefe das Rauschen der hereinbrechenden Fluten vernimmt, tappt durch einen Querschlag über der 60 -Meter-Sohle der Lehrhauer Wolfgang Roloff. Er will seinen Steiger Hornicher fragen, was das Rauschen zu bedeuten habe. Ehe er den Steiger erreicht, ist es ihm klar: Im Schein seiner Grubenlampe sieht auch er das Wasser kommen.
Roloff stürzt die Strecke zurück und schreit seinen sechs Arbeitskameraden zu: "Kommt 'raus, da unten ist ein Wassereinbruch." Hauer Butzek:. "Mensch, mach keinen Quatsch."
Alle laufen zur 60-Meter-Sohle hinunter und sehen, wie das Wasser steigt - in jeder Minute einen Meter. Dann machen sie kehrt und klettern wieder in ihren Querschlag zurück. Unter ihnen gluckst die Schlammflut. Sieben Mann sind eingesperrt.
20.05 Uhr: Ein Steiger meldet über Telephon den Wassereinbruch nach oben. Während des Gesprächs reißt die Verbindung ab. Alarm in allen Revieren.
Auf der 80-Meter-Sohle versuchen sich Hauer Arthur Schulz und sein Schlepper zum Stollen "Osten I" durchzuschlagen: "Erst konnten wir noch durchwaten. Dann verloren wir den Halt unter den Füßen. 20 Meter lagen noch vor uns. Wir schwammen um unser Leben." Sie retten sich. Mittlerweile haben der Lokführer und sein Kumpel Anschluß an eine Gruppe von 30 Mann gefunden. Bis zum Hals in der schlammigen Brühe watend, tasten sie sich bis zu einem Wetterloch (Luftschacht) vor. Sie retten sich.
Die sieben Bergleute, die über der 60-Meter-Sohle eingeschlossen sind, machen sich daran, aus Grubenholz ein Floß zusammenzubauen. Ihr Versuch, damit einen Ausstieg zu erreichen, mißlingt. Die Schlammflut treibt sie zurück.
23.07 Uhr: Schmutzverkrustet, durchnäßt, klettern 35 Bergleute aus einem Wetterschacht. Einer von ihnen: "Um uns herum waren nur noch Wasserstrudel. Sie rissen alles mit sich. Ich schrie vor Angst. Es ist alles so schnell gekommen."
01.05 Uhr: Fahrsteiger Albrecht unternimmt die erste Erkundungsfahrt. Auf der 60-Meter-Sohle muß er umkehren: Wasser. Keine Lebenszeichen.
Um diese Zeit raste der Hüttendirektor Rudolf Stein, 62, im Karmann-Ghia mit seiner Frau über die Autobahn nach Niedersachsen. Die Unglücksbotschaft hatte ihn um 22.15 Uhr im Aachener Kurhotel erreicht. Sie war unklar. Stein: "Ich hörte nur etwas von Schlammeinbruch und konnte mir gar nicht vorstellen, was passiert war."
Zwanzig Minuten lang versuchte der Hüttendirektor vergebens, präzise Auskünfte aus seinem führerlosen Betrieb zu erhalten. Erst kurz nach 23.00 Uhr konnte ihn seine Sekretärin über das ganze Ausmaß der Katastrophe informieren. Stein stieg ins Auto und jagte im Nebel davon.
Als er nach fünfstündiger Fahrt durch das Zechentor rollte, hatten sich die Konturen der Katastrophe vollends abgezeichnet: Um 03.18 Uhr gab die Grubenleitung bekannt, daß 50 von 129 Bergleuten der "Mathilde"-Tagschicht vermißt würden; 79 Knappen hatten sich aus den wirbelnden Wassermassen retten können, die durch den schlammigen Schlund des Klärteichs Nr. 12 niedergebrochen waren.
500 000 Kubikmeter Schlamm und Wasser hatten den größten Teil der Schachtanlage ersäuft. Eine Frau, die neben dem Klärteich wohnt: "Es war ein furchtbares Grollen in der Dunkelheit."
Im Licht des heraufdämmernden Tages sammelte Hüttendirektor Stein die Einsatzleitung im Zimmer 5 des Verwaltungsgebäudes der Grube. Markscheider und Ingenieure begannen, Grubenkarten und den Belegungsplan zu durchforschen, in dem alle "Betriebspunkte" (an denen gearbeitet wurde) verzeichnet sind. Sie suchten nach Stellen, die Bergleuten in dem verzweigten Netz der Schachtanlagen als Zufluchtsort hätten dienen können.
Erstes Suchziel: der sogenannte Hauptbremsberg, ein bestimmter Stollen in der Nähe des Hauptschachtes. In den Morgenstunden wurde die Bohrung 1 (siehe Graphik Seite 30) auf diesen Punkt angesetzt. Um 10.23 Uhr traf sie genau den Querschlag, in dem Hauer Butzek mit sechs Kumpeln kauerte.
Am Bohrloch warf sich ein Retter flach auf die Erde: "Hallo. Hört ihr mich?" Die Antwort war unverständlich. An einem Stahlseil ging ein leerer Zettel hinab. Beschriftet kam er wieder hoch: "Preßluft kaputt. Wetter noch gut. Wir sind sieben Mann."
Sofort wurden zwei weitere Bohrungen (2, 3) gestartet. Durchmesser: 65 Zentimeter - weit genug für den Einsatz einer torpedoförmigen Rettungskapsel (Rettungsbombe), die mittlerweile schon im Ruhrrevier angefordert und per Blaulicht-Transport unterwegs war.
Aber am Freitagnachmittag (25. Oktober) gegen 18.00 Uhr, als die Rettungsbohrungen erst wenige Meter tief eingedrungen waren, zogen die Techniker einen zerknitterten Zettel aus dem Bohrloch, dessen Kritzel-Botschaft verblüffen mußte. Die sieben Eingeschlossenen wollten, bei leicht abfallendem Wasser, einen Ausbruchsversuch unternehmen: "Wir versuchen nach oben zu gehen! Viel Glück!"
Für vier Steiger war es das Signal, ein eigenes Rettungsunternehmen zu starten. Heimlich drangen sie durch einen intakten Schacht in den Berg ein. Etwa einhundert Meter kämpften sie sich durch das Lehmwasser, dann fiel der Lichtstrahl ihrer Lampen auf die sieben Eingeschlossenen.
Der Ausbruch glückte mit einem Floß. In einem später abgefaßten Bericht hieß es: "Vier Mann trug das Floß, zwei wenigstens mußten es rudern und lenken. Zwei der Steiger blieben freiwillig mit den anderen fünf in dem feuchten Gefängnis, zwei Retter und zwei Gerettete machten sich auf den Weg zum Ausgang des Tunnels. Einmal, zweimal, dreimal, viermal und ein fünftes Mal machte das Floß die Fahrt
- beim letzten Einsatz holten die beiden Piloten nur noch den übriggebliebenen der vier Steiger ans Tageslicht."'
Die erste organisierte Rettungsaktion von Lengede war geglückt; nun galten noch 43 Bergleute als vermißt. Die beiden Rettungsbohrungen, die den Weg zu den sieben Männern hatten freimachen sollen, wurden eingestellt. Zwei weitere Suchbohrungen (4, 5), auf Streckenstümpfe im westlichen Teil des Grubengeländes, stießen in leblose Hohlräume. Hochempfindliche Mikrophone, die in die Tiefe gelassen wurden, fingen nur das eintönige Geräusch tropfenden Wassers ein.
Am nächsten Morgen (26. Oktober) wurde eine neue Bohrung (6) angesetzt - diesmal mit begründeten Hoffnungen. Nach einer trigonometrischen Tüftelei, die später als "Triumph der Technik" gerühmt wurde, glaubten die Techniker darauf schließen zu können, daß sich am Ende eines Streckenvortriebs in 79 Meter Tiefe - 15 Meter unter dem Wasserspiegel - eine Luftblase gefangen hatte. Infolge der auf ihr lastenden Wassersäule mußte sie unter Überdruck stehen.
Laut Belegungsplan hatten an dieser Stelle die Hauer Pohlei, Leder, Hanusch und Eull gearbeitet, als die Schlammflut einbrach. Direktor Stein verkündete zuversichtlich: "Zu neunzig Prozent Wahrscheinlichkeit haben sich ... vier Männer an einen Einzelbetriebspunkt auf der 100-Meter-Sohle West vor dem Wasser geflüchtet. Wir hoffen, sie dort lebend zu finden."
Aber während sich auf dem Rübenacker des Bauern Holland bei Barbecke, 2,7 Kilometer vom Hauptschacht entfernt, die Bohrer durch den Sand in Richtung Luftblase fraßen, ließ die Grubenleitung für die anderen vermißten Bergleute alle Hoffnung fahren: "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit", wurde gegen 12.00 Uhr verlautbart, "haben 39 Bergleute den Tod gefunden."
Um 16.00 Uhr heftete der Pförtner eine Liste der Totgesagten ans Zechentor. Die Fahne auf dem Förderturm des Schachtes "Mathilde" wehte auf halbmast. Ministerpräsident Diederichs in Hannover verfügte drei Tage Landestrauer. Die niedersächsischen Minister Bennemann und Partzsch begaben sich an den Ort des Desasters.
Unbemerkt blieb zunächst, daß sich auch andere staatliche Instanzen in Lengede einfanden: Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei. Erst Tage später präsentierte sich der Hildesheimer Oberstaatsanwalt Erich Topf der Öffentlichkeit.
Er erklärte: "Es läuft... ein Ermittlungsverfahren, weil die Staatsanwaltschaft verpflichtet ist, in jedem Fall zu ermitteln, wenn die Möglichkeit einer strafbaren Handlung auftaucht." In diesem Fall ermittele die Staatsanwaltschaft,
* ob der Professor für Bodenmechanik an der Technischen Hochschule Hannover, Dr. Alfred Streck, sein Gutachten für die Anlage des Klärteichs "nach den Regeln der Kunst" erstattet habe;
* ob die Grubenleitung den Gutachter mit zuverlässigen Angaben versehen habe;
* ob das zuständige Bergamt Hildesheim das Prüfungs- und Genehmigungsverfahren für die Anlage des Klärteichs sorgfältig genug geführt habe;
* ob der Bauunternehmer den Teich vorschriftsmäßig angelegt habe. Überlebende und Hinterbliebene erinnerten sich voll Ingrimm, daß die Gefahr eines Wasserdurchbruchs von jeher gefürchtet wurde. "Mein Mann", klagte die Bergmannsfrau Sigrid Ebeling, "hat mir oft gesagt: Wenn das Wasser aus dem Teich mal zu uns in den Schacht läuft, dann ertrinken wir wie die Ratten."
Mehr noch: Was nun geschehen war, hatten die Bergleute bereits im vergangenen Jahr - allerdings in weit geringerem Ausmaß - erlebt. Damals wurde
der Klärteich 11 angelegt, der dem Unglücks-Klärteich 12 benachbart ist. Beim Bau der Anlage waren Sprengungen erforderlich: Grundwassereinbruch im Schacht "Mathilde". "Das Wasser rauschte 'runter bis auf die 90-Meter-Sohle. Alles war überspült mit Schlamm und Sand", erinnerte sich der "Mathilde"-Hauer Manfred Söllinger aus Lengede. "Einer von uns ruderte in einer Sprengstoffkiste umher."
Die Klärteiche 11 und 12 wurden in ausgeschürften, dreißig Meter tiefen Gruben des früheren Erz-Tagebaus der Ilseder Hütte angelegt. In der Umgebung von Gruben sind solche Klärteiche durchaus üblich; sie nehmen das bei der Erz- oder Kohlenwäsche verwendete Wasser auf. Ihre Anlage muß vom zuständigen Bergamt genehmigt werden - in Lengede vom Bergamt in Hildesheim. Für den Klärteich 12 wurde die Erlaubnis Mitte Juli vergangenen Jahres erteilt.
Die Teichbauer sahen sich einer besonderen Problematik konfrontiert: Bei der Anlage der Klärbecken war zu berücksichtigen, daß vom Gelände des ehemaligen Tagebaus - dem Bett der geplanten Wasserbecken - mehrere Stollen schräg abwärts in den Untertagebau führten (der in Lengede seit 1920 betrieben wird).
Die Experten hielten daher für erforderlich, die Stollenzugänge durch Betonpfropfen und Gesteinsfüllungen von insgesamt je 230 Meter Länge gegen den Wasserdruck (3000 Tonnen auf jeden Verschluß, bei vollem Teich) abzusichern. Das geschah auch. Zusätzliche Sicherheit erwarteten die Fachleute von einer wannenartig ausgebildeten Tonschicht im Klärteich, die sich infolge ständiger Ablagerungen (Ton und Mergel von der Erzwäsche) noch verstärken sollte. Ehe sich der schützende Mergel setzen konnte, brach der Grund des Teiches - Anlaß für die IG Bergbau, darauf hinzuweisen, daß im vergangenen Jahr bei Dinslaken der Deich eines Klärbeckens gebrochen sei, dessen Bau ebenfalls von dem Hannoveraner Professor Streck begutachtet worden war. Die Münchner "Abendzeitung": "Eine Katastrophe, der nur durch Zufall keine Menschenleben zum Opfer gefallen sind."
In Lengede stürzten die Wasser über den "Bremsberg W 2", einen Schrägstollen, in das Schachtsystem ein. Ob dabei - was nach Ansicht von Bergkundigen als unwahrscheinlich gilt - einer der künstlichen Stollen-Verschlüsse nachgegeben hat, oder ob - was Fachleute glauben - eine zu stark abgebaute natürliche Wand unter Tage dem Druck nicht mehr standhalten konnte, blieb vorerst offen.
Gutachter Streck: "Wenn die Aufregung vergangen ist, wird man dort mal bohren müssen." Hüttendirektor Stein: "Der Wassereinbruch ist an der nach unserer Ansicht sichersten Stelle erfolgt."
An der schwächsten Stelle aber - und zu einem kritischen Zeitpunkt - brach die Katastrophe auf die Ilseder Hütte AG herein, die das Bergwerk betreibt. Die Finanzlage der Firma ist äußerst angespannt; sie steckt - wie Vorstandsmitglied Dr. Kurt Rasch bestätigt - im "umfangreichsten Investitionsprogramm ihrer über 100jährigen Geschichte".
Die Gesellschaft (Aktienkapital: 140 Millionen Mark) ist dabei, ihre Werke mit einem Aufwand von 450 Millionen Mark grundlegend zu erneuern. Während große Ruhrfirmen, etwa die Rheinische Stahlwerke AG, wegen schlechter Marktlage Investitionsprogramme zurückstellten, beschlossen die Ilseder Unternehmer, ein Blas-Stahlwerk zu bauen (110 Millionen Mark), neue Anlagen im Hochofen- und Kraftwerk (110 Millionen Mark) und ein neues Block- und Halbzeug-Walzwerk (110 Millionen Mark).
Ziel des Programms: Erhöhung der Stahlkapazität von jetzt 900 000 Tonnen "auf mindestens 1,4 Millionen Tonnen pro Jahr" (Rasch). Den überwiegenden Teil der Investitionsmittel hat die Firma (Gesamtumsatz 1962: 587 Millionen Mark) von Kreditinstituten geliehen. Bereits im vergangenen Jahr konnte sie die Dividende von acht Prozent nur durch einen Kniff ausschütten. Sie benötigte für die Ausschüttung 11,2 Millionen Mark, hatte jedoch nur 3,8 Millionen Mark Gewinn erwirtschaftet. Aber auch die fehlenden 7,4 Millionen Mark wurden den Aktionären erschlossen - aus den Rücklagen, die eigentlich als Notgroschen für schwere Zeiten bestimmt waren.
Erst im Jahre 1965, so mußte Dr. Rasch seinen Aktionären gestehen, werde die Ilseder Hütte "wieder ein modernes, auf dem neuesten Stand der Technik arbeitendes Hüttenwerk sein".
Die Hütte, 1858 von niedersächsischen Bürgern gegründet, hatte den Anschluß an das technische Niveau verloren. Ende 1961 stand die Firma, wie vergangene Woche ein Aufsichtsratsmitglied erklärte, vor der Alternative, "entweder die alten Buden dichtzumachen oder das Risiko einzugehen, in der gegenwärtigen schlechten Lage für Kohle und Stahl mit fremden Geldern das Werk zu renovieren".
Um die Ilseder Muttergesellschaft (1961: 16000 Beschäftigte) rankt sich ein kleiner Montankonzern, zu dem im Peiner Raum eine Anzahl kleinerer Verarbeitungs- und Handelsbetriebe und an der Ruhr die Steinkohlenbergwerke Friedrich der Große AG gehören. Fernab vom großen Stahlverbrauchszentrum Ruhrrevier, konnte sie ihre Existenz vor allem dadurch bewahren, daß ihre Stahlöfen auf eigenem Erz stehen. Die drei Gruben Bülten-Adenstedt, Lengede -Broistedt und Dörnten förderten im vergangenen Jahr mit einer Belegschaft von 1400 Kumpeln 2,5 Millionen Tonnen Erz. Davon stammte knapp die Hälfte aus der Ilseder Paradegrube Lengede.
Nach dem Unglück in Lengede fielen nicht nur die Aktienkurse (um elf auf 90,5 Punkte). Auch das Investitionsvorhaben, das an der Ruhr ohnedies als Hasardspiel gewertet wird, schien gefährdet. Das Wasser des Klärteichs schwemmte die Firma in einen Strudel finanzieller Einbußen und zusätzlicher Verpflichtungen:
* Die Erzförderung auf der Unglücksgrube fällt für Monate aus; nach Schätzungen von Experten wird sie erst im Sommer nächsten Jahres wieder voll förderfähig sein.
* Die Kosten für die Wiederinstandsetzung dürften "hoch in die Millionen gehen", wie Aufsichtsräte in der vorletzten Woche schätzten.
* Die Kosten der Bergungsaktionen werden ebenfalls auf Millionen beziffert.
Denn allein die Aktion zur Rettung der Bergleute in der Überdruck-Luftblase, die zwei Tage nach dem Desaster anlief und "alle Hilfsmittel einer gewaltigen Industrie mobilisierte, um den Erfolg zu erzwingen" ("Daily Mirror"), kostete schätzungsweise 2,5 Millionen Mark - ungeachtet der zahlreichen Helfer und Firmen, die sich selbstlos und unentgeltlich beteiligten.
Auf dem Rübenacker von Barbecke hatte sich eine Armada von Hilfskräften versammelt: Rotes Kreuz, Grenzschutz, Bundeswehr, Technisches Hilfswerk, Feuerwehr, Polizei, Arbeiter-Samariterbund. Welches Gerät benötigt wurde, entschieden die Techniker und Mediziner von Einsatzbesprechung zu Einsatzbesprechung.
In Eiltransporten wurden herangebracht: ein Spezialbohrgerät für Flachbohrungen aus Watlingen, ein 100-Tonnen-Großbohrgerät von der Firma Deilmann aus Bentheim, ein Bohrgreifer von der Firma Dr. Kirchhoff aus Braunschweig, ein Saugbohrgerät von der Salzgitter Maschinen AG, eine Überdruckkammer aus Winsen an der Luhe, eine zweite aus Frankfurt, ein Hochleistungskompressor von der Gutehoffnungshütte aus Oberhausen, Spezialsonden mit Fernsehkameras von der Geophysikalischen Anstalt in Hannover und der Firma Ibak aus Kiel, Horchgeräte und Rettungsbomben von den Hauptrettungsstellen der Berufsgenossenschaft Bergbau in Clausthal und Essen.
Es kamen: Spezialbergungstrupps aus dem Ruhrgebiet, Luftfahrtmediziner aus Bad Godesberg und Rendsburg, Druck_ kammerspezialisten von der Dräger AG aus Lübeck, Horchgerät-Experten aus Essen, Bohrtrupps der Deutschen Erdöl AG aus dem Emsland, Verrohrungsfachleute von der amerikanischen Firma Halliburton (sie wurden an der holländischen Grenze abgerufen), Bohrspezialisten aus der hannoverschen Filiale der französischen Firma Schlumberger.
Sie alle fanden sich zusammen zu einer "phantastischen Maßarbeit" ("Die Welt"), die in dem Augenblick begann, als - am 26. Oktober, 17.12 Uhr - die sondierende Bohrung die Luftblase erreichte. Aus 79 Meter Tiefe transportierte das Bohrgestänge Klopfsignale nach oben. Um 19.18 Uhr bestand Sprechverbindung. Erste Botschaft von unten: "Wir frieren nicht."
In diesen Minuten offenbarte sich auch, daß entgegen den Vermutungen der Zechenleitung nicht vier, sondern nur drei Bergleute in der Luftblase ausharrten; der vierte, Fahrhauer Karl Eull, war schon während der Katastrophe bei dem Versuch, andere Kumpel zu warnen, im Wasser versunken. Die Zahl der Vermißten erhöhte sich wieder: 40.
Aber noch waren die drei Eingeschlossenen nicht gerettet. Ihre Rückkehr ins Leben über Tage hing davon ab, daß die Ingenieure eine Aufgabe bewältigten, vor der Rettungsmannschaften im Bergbau noch nie gestanden hatten:
* Sie mußten verhindern, daß die in dem Hohlraum unter Tage komprimierte Luft, die das Wasser von den drei Eingeschlossenen zurückhielt, durch die Bohrlöcher entwich. Ausweg: ein Ventilverschluß (Preventer).
* Sie mußten die Bergleute, die unter einem Überdruck von 1,4 Atmosphären atmeten, ohne lebensgefährlichen Druckabfall an die Oberfläche holen. Ausweg: Druckkammern (SPIEGEL 45/1963).
Während die Techniker die Rettungsbohrungen (7, 8) vorantrieben und jeder neugewonnene Meter in den Schlagzeilen der Weltpresse minuziös registriert wurde, setzte sich am Montag (28. Oktober) der Betriebsrat der Unglücksgrube zusammen und legte dem Hüttendirektor Rudolf Stein, der eben einmal hereingeschaut hatte, die Frage vor, ob nicht vielleicht auch noch an anderen Stellen nach Überlebenden geforscht werden sollte.
Stein war sich sicher, daß niemand mehr in den überfluteten Teilen des Bergwerks davongekommen sein konnte. Das handgeschriebene Sitzungsprotokoll verzeichnet die Erklärung des Direktors, "daß an weiteren Betriebspunkten wohl für keinen Eingeschlossenen eine Lebensmöglichkeit besteht".
Unterdessen wandelte sich der Rübenacker über den in der Luftglocke eingeschlossenen Hauern Pohlei, Hanusch und Leder zum Marktplatz der Sensationen (siehe Seite 43). Die Photos, die sie im Schein von Taschenlampen mit einer hinabgelassenen Kleinbildkamera von sich selbst geknipst hatten, gingen per Bildfunk um die Welt.
Als am Donnerstag (31. Oktober) die kritische und entscheidende Phase der ganzen Aktion, das Aufsetzen der Luftschleuse auf den Bergungsschacht, heranrückte, tagte der Betriebsrat abermals. Erneut wiesen die Betriebsräte die Werksleitung darauf hin, daß keine Chance ausgelassen werden sollte, nach weiteren Verschütteten zu suchen. Und Bergwerksdirektor Dr.-Ing. Peter Ferling versprach nunmehr, eine neue Bohrung (9) bei Barbecke niederbringen zu lassen - freilich nur "zur Kontrolle des Wasserstandes".
Der folgende Tag brachte die Rettung für die Eingeschlossenen Hanusch, Leder und Pohlei. Um 4.16 Uhr brach der Bohrmeißel zur Lufttasche in 79 Meter Tiefe durch. Ein Preventer schloß das Bohrloch luftdicht ab. Keine acht Stunden später fuhr der Steiger Paul Syska, der durch das Los gewählt worden war, mit der Rettungsbombe (siehe Kasten Seite 33) in die Tiefe, um seinen Kumpeln heraufzuhelfen. In Abständen von acht Minuten erblickten sie - nach 190 Stunden in der Falle - das Licht. Der Katastrophenfunk setzte eine chiffrierte Meldung ab: "Alle drei Äpfel hängen am Baum." Die komplizierteste Rettungsaktion in der Geschichte des Bergbaus war geglückt.
Während Hanusch, Leder und Pohlei zur Beobachtung ins Peiner Krankenhaus transportiert wurden, begannen die Retter, ihr Gerät abzubauen. Das "Feldheizgerät 2 Typ F", an dem sich fünf Nächte lang Journalisten und Hilfswillige aller Formationen gewärmt hatten, wurde auf einen Lastwagen verfrachtet. Funk- und Fernseh-Leute spulten ihre Kabel auf. Der Acker von Barbecke verödete von einer Stunde auf die andere.
Am nächsten Tag, Sonnabend, war nur noch die Windei-Bohrung (Stein) Nr. 9 im Gange. Sie stieß gegen Mittag in 62 Meter Tiefe auf eine Lufttasche im überfluteten Stollen. Eine Sensation schien sich anzubahnen, als Klopfzeichen aus der Tiefe drangen - aber es war nur das Bohrgestänge, das an den Fels schlug. Mikrophon, Schreibzeug, eine brennende Taschenlampe, schließlich eine Fernsehkamera wurden nach unten gelassen. Es war nichts zu hören und nichts zu sehen. Auf dem Bildschirm erschienen nur die nackten Wände des Stollens.
Inzwischen war für den darauffolgenden Montag (letzter Woche), 11.00 Uhr, in der Mehrzweckhalle der Lengeder Volksschule die Trauerfeier anberaumt worden. Prokurist Arendts von der Ilseder Hütte ließ die Wände der Halle mit schwarzem Stoff drapieren. Blumen wurden angefahren, keine Kränze - es gab keine Särge zu bekränzen. 40 Grubenlampen sollten die 40 im Berg Verbliebenen symbolisieren. Ein Aushang am Pförtnerhaus der Grube "Mathilde" ersuchte die Kumpel, im feierlich schwarzen Knappenrock zu erscheinen.
Sechs weltliche Sprecher - von Hüttendirektor Stein über Arbeitsminister Blank bis zu Bergbaugewerkschafts-Chef Guterrnuth - bereiteten sich auf Gedenkreden vor; zwei Geistliche beider Konfessionen, Landesbischof Dr. Hanns Lilje und Heinrich Maria Janssen, Bischof von Hildesheim, arbeiteten Predigten aus. Die Bergkapelle der llseder Hütte sollte zunächst Beethovens Trauermarsch, dann "Jesus, meine Zuversicht" spielen und die Feier mit dem Lied "Ich hatt' einen Kameraden" ausklingen lassen.
Das Lied erklang nicht. Ein Blumenhändler holte die Trauergebinde wieder ab. Denn am Wochenende geschah, was Hüttendirektor Stein als "etwas Unwahrscheinliches, also für Fachleute etwas Wunderbares" bezeichnete: Aus der Tiefe der Grube meldeten sich Totgesagte.
Das Wunder von Lengede war aus Gerüchten erwachsen. Am Mittwoch zuvor hatten Kumpel, die sich nicht mit dem Gedanken abfinden mochten, daß alle auf der Todesliste verzeichneten Arbeitskollegen dem Berg zum Opfer gefallen seien, in der Waschkaue dies Schachts "Mathilde" gefachsimpelt. Wortführer war Hauer Hütter, dessen langjähriger Schlepper Heinrich Bartella
- Hauer und Schlepper arbeiten paarweise - unter den Totgesagten war.
Hutters Kollege Manfred Söllinger "Unser aller Gedanke war: Die sind im Bruch, die sind im alten Mann."
Ein "alter Mann" ist eine abgebaute Erzstrecke, die durch Nachbrechen des darüberliegenden Gesteins ausgefüllt wird: Die aufgegebene Strecke wird "zu Bruch geworfen". Dabei kann es vorkommen, daß sich oberhalb der Bruchstrecke neue Hohlräume formen. Es gehört zu den Gesetzen des Bergmanns, solche Brüche - in denen ständig akute Lebensgefahr besteht - zu meiden.
Hauer Hütter und die anderen Bergleute in der Waschkaue rechneten sich aus, daß ein Hohlraum über dem "alten Mann" auf der Strecke "Osten 92", den Kumpel vor Ort erst kurz zuvor entdeckt hatten, zum Zufluchtsort für Überlebende geworden sein könnte.
Aber erst am Sonnabend (2. November) trug Hütter die Vermutung dem Bergwerksdirektor Dr. Ferling vor. Ferling konferierte daraufhin am späten Samstagabend mit Hüttendirektor Stein. Ferling zu Stein: "Das Gerede geht um, wir müssen jetzt was tun." Stein zu Ferling: "Ausgeschlossen, daß da noch was ist. Aber wir bohren."
Auf ihren Grubenkarten lokalisierten die beiden Direktoren die vermeintliche Zuflucht und ließen den Markscheider Schoenfeld kommen. Mit dem Zeigefinger tippte Direktor Stein auf einen Punkt der Karte: "Vermessen Sie das mal!"
Gruben-Vermessungsfachmann Schoenfeld tat es. Ergebnis: "Ich stehe da mitten auf den Schienen. Kann ich nicht ein Stück daneben bohren?"
Die Direktoren, die ohnehin an einen Erfolg nicht glauben mochten, waren einverstanden. So wurde noch am selben Abend auf dem Hüttengelände, 150 Meter vom Hauptschacht entfernt, die über den Daumen gepeilte Suchbohrung 10 "wider besseres Wissen" (Stein) niedergebracht.
Am Sonntagmorgen wurde offenbar, daß Stein sich geirrt hatte. Um 6.45 Uhr klopften die Retter im Rhythmus "1-2, 1-2-3" Signale über das Bohrgestänge in die Tiefe des Bohrlochs. Zehn Minuten vergingen. Und dann, 227 Stunden nach der Flutkatastrophe, tönte es dumpf zurück: "1-2, 1-2-3". Zweifler Stein: "Ich bin völlig fertig."
Das waren die elf Eingeschlossenen auch. Zehn Tage ohne Nahrung (siehe Kasten Seite 28), die meiste Zeit ohne Licht, durchnäßt, zum Teil verletzt, in der Nachbarschaft toter Kumpel, auf Rettung hoffend und verzweifelnd - eine Tortur, nach der sie sich "den Umständen entsprechend gut" fühlten, wie die Mediziner am Bohrschacht unverbindlich formulierten. Nie wurden die Tonbänder abgespielt, die den ersten Sprechkontakt mit den Eingeschlossenen konserviert hatten.
Dann wiederholte sich das technische Faszinosum. Während in den Lokalblättern die Todesanzeigen gestoppt wurden, die für die Montagausgaben vorgesehen waren, formierten sich die Rettungstrupps erneut. Europas größtes fahrbares Bohrgerät, ein 100-Tonnen-Gigant, fuhr neben der Verbindungsbohrung auf.
Im Vergleich zum Barbecker Rettungsmanöver schien die neue Bergungsaktion konventionell. Aber sie war heikler. Das Gestein über dem "alten Mann" war derart mürbe, daß - so fürchteten Techniker - die Höhle durch die geringste Erschütterung zusammenbrechen konnte. Dennoch blieb nur eine Wahl: Bohren.
Allerdings wurde die Rettungsbohrung (11) nur bis zu einer Tiefe von etwa 40 Metern mit der üblichen Wasserspülung vorangetrieben (die das zermahlene Gestein nach oben schleust). Der Druck der dutzendtonnenschweren Wassersäule im Bohrschacht hätte ein Desaster heraufbeschwören können.
Statt dessen entschieden sich die Re tter, mit Preßluf tspülu ng zu arbeiten. Der dafür benötigte, einzig brauchbare Kompressor lief gerade - frisch konstruiert - auf dem Prüfstand der Gutehoffnungshütte in Oberhausen. Statt zum Käufer nach Belgien, wurde das 15-atü-Gerät im Blaulicht-Konvoi nach Lengede transportiert: Es fegte das zermahlene Gestein wie Papierschnitzel aus dem Bohrloch und kühlte zugleich den Bohrmeißel.
In die kerzendicke Versorgungsleitung zwängten die Retter mittlerweile wurstförmig zusammengedrehte Kleidungsstücke, Tee und Nahrung in Tüten, aufblasbare Kunststoffkissen, vor allem aber dünnes Eisengestänge und Plastikfolien, mit denen sich die Kumpel ein Notdach fertigen sollten. Denn immer wieder prasselte Gestein von der Decke des Bruchs - des Bergmanns Urbedrohung.
Fallender Fels ist die weitaus häufigste Unfallursache im risikoreichen Berufsleben des Bergmanns: In jedem Jahr verunglücken in den westdeutschen Gruben weit mehr als hunderttausend Kumpel; andere Berufsgruppen haben eine niedrigere Unfallquote (siehe Graphik Seite 35).
1958 wurden im Bergbau der Bundesrepublik 186 970 Unfälle registriert. 1962 waren es 130 680; 771 Bergleute wurden vom einstürzenden Berg erschlagen oder verbrannten in den Flammen von Schlagwetter-Explosionen.
Allein im Ruhrrevier wurden im letzten Jahr 86 477 Unfälle gezählt. Fritz Pott, Vorstandsmitglied der Industrie-Gewerkschaft Bergbau und Energie: "Das bedeutet, gemessen an der Zahl der Untertage-Beschäftigten*, daß etwa jeder dritte Mann an der Ruhr ... einen Unfall hatte."
Nach dem Unglück auf der Heessener Grube "Sachsen", bei dem - am 9. März 1962 - 31 Bergleute umkamen, konstatierte Bergwerksdirektor Werner Hofmann: "Wir Bergleute wissen, daß die Erde ihre Schätze ohne Opfer nicht hergibt."
Das Unfall-Risiko, die Arbeit in der Düsternis (Kumpel-Deutsch: "Hinter der Hacke ist es duster") fördert eine psychische Disposition, die wiederum unfallträchtig ist. Karl Schneider, der frühere Leiter der Bergwerksdirektion Gladbeck, formulierte es vor Jahren so: "Der Bergmann in seinem engen Loch unter Tage reagiert sehr stark auf seelische Impulse. Wenn er gallig ist, paßt er nicht auf."
Daß sich die Bergleute unter Tage auch heute noch als "moderne Sklaven" fühlen, erkannten die evangelischen Pfarrer Gert Leipski und Helmut Disselbeck, die im Ruhrrevier selbst längere Zeit vor Ort arbeiteten und ihre Erfahrungen zu Beginn dieses Jahres in der "Gewerkschaftlichen Rundschau" veröffentlichten. Sie schrieben: "Was der Kumpel tun muß, ist für ihn malochen, würgen, krücken, torfen, wühlen und schuften, aber nicht arbeiten."
Und: "Der Kumpel fühlt sich weithin bei seiner Arbeit nicht als Mensch." Immer wieder mußten die Geistlichen vernehmen: "Wenn in der Förderung etwas passiert, dann ist alles auf den Beinen, dann regt man sich auf und bringt sich um; aber wenn ich kaputtgehe, dann kräht kein Hahn danach."
In Lengede kümmerte sich der Staatsanwalt um das Schicksal der Bergleute. Er - nicht die Bergbehörde, wie sonst üblich - leitete unmittelbar nach der Katastrophe Untersuchungen ein, "damit nicht von vornherein gesagt wird: Da kommt nichts 'raus" (Staatsanwalt Topf). Das Bergamt in Hildesheim wurde nur zur Beratung hinzugezogen. Dazu Direktor Stein: "Das halte ich für verkehrt, weil dadurch viel Zeit verlorengeht und Herren tätig sind, die nur wenig vom Bergbau verstehen."
Daß sich die Staatsanwaltschaft unmittelbar einschaltete, entsprang offenbar dem Wunsch, eine mögliche Interessenkollision zu vermeiden: Leiter des Bergamts Hildesheim und damit für die Erzgrube "Mathilde" zuständiger Bergrevierbeamter ist der Oberbergrat Dr.-Ing. Wilhelm Ferling, Vater des Lengeder Bergwerksdirektors Dr.-Ing. Peter Ferling.
Neben dem Ursachen-Komplex befaßte sich der Staatsanwalt auch mit der meistdiskutierten Frage der letzten Woche: wie es geschehen konnte, daß die elf Eingeschlossenen so spät entdeckt wurden. In den Schlagzeilen der Tagespresse spiegelte sich die Problematik: "Antworten Sie, Herr Direktor" - "Es wurde alles getan" - "Tumult gegen Direktion: Kumpel klagen an".
Die von Journalisten registrierte "explosive Stimmung" in Lengede kam auf, als einige Bergleute kundtaten, sie hätten schon Tage vor der auf den "alten Mann" angesetzten Bohrung darauf hingewiesen, daß dort Überlebende sein könnten. Aber weder ein Mitglied des Betriebsrats noch ein Steiger, die nach Angaben der Kumpel informiert worden waren, konnten namhaft gemacht werden. Und es stellte sich auch heraus, daß weder irgendein Steiger noch irgendein Betriebsratsmitglied der Direktion frühzeitig solche Informationen übermittelt hatte.
So blieb als bestürzendes Resultat, daß eine möglicherweise frühzeitig aufgetauchte Vermutung, die das Schicksal der Eingeschlossenen erleichtert und zur Rettung weiterer Bergleute hätte führen können, aus dem Kreis der Kumpel nicht rechtzeitig nach oben drang; und sie wurde auch nicht von oben abgefordert - ein typischer Kommunikationsfehler in einem überaus hierarchisch gegliederten Berufssystem. Die Untertage-Pfarrer Leipski und Disselbeck: Der Kumpel "hält seinen Mund und damit seinen Posten".
Streng sind im Pütt die Bräuche. Noch heute nehmen sich die Jubilarfeiern der Kumpel wie Kasernenhof-Übungen aus. Beim Singen der Verszeile:
Wir Bergleute sein kreuzbrave Leut' und tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht ...
muß und darf nur das technische Grubenpersonal aufstehen. Die Kaufleute dürfen sich erst bei der Zeile
Die Kaufleute sein auch kreuzbrave Leut', sie tragen zwar kein Leder, aber saufen tut ein jeder...
erheben.
Und militärisch straff ist die Hierarchie. Über allem thront der Bergassessor. Mit diesem Titel lassen sich auch heute noch so erfolgreiche Konzernchefs wie Hermann Reusch, Generaldirektor der Gutehoffnungshütte, und Hans-Günther Sohl, Generaldirektor der August Thyssen-Hütte, bevorzugt ansprechen.
Die Hierarchie: Bergwerksdirektor, Betriebsdirektor, Inspektor, Betriebsführer, Obersteiger, Reviersteiger, Grubensteiger, Ortsältester. Hauer, Lehrhauer, Gedingeschlepper. .. Man muß sich", so Leipski und Disselbeck, "einfach diese Skala einmal vor Augen führen."
Am Donnerstag letzter Woche wagte sich auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" mit einer vornehmen Frage in die Lengede-Problematik: "Liegt es am ,System' der dezentralisierten Verantwortung, daß Vorschläge nicht rechtzeitig an die Direktion kamen, vielleicht nicht kommen konnten?"
Glaubhaft konnte Ilsede-Direktor Stein versichern: "Ich habe erst Sonnabendabend von der Ansicht einiger Hauer erfahren, daß unter dem Bruchfeld Leute Zuflucht gefunden haben könnten, und schon um 23.00 Uhr erging meine Order an die Bohrmannschaft."
Unverständlich aber blieb, wieso die Zechenleitung schon 44 Stunden nach dem Desaster 39 Kumpel für tot erklärt hatte. Karl Krämer, Sicherheitsbeauftragter der IG Bergbau aus Bochum: "Verfrüht."
Krämer monierte vor allem, daß die Werksleitung nicht sogleich nach dem Unglück alle Davongekommenen ausgeforscht habe, ob und wo sich ihres Wissens noch Überlebende im Berg aufhalten könnten. Krämer: "Das ist bei einem Bergwerksunglück das übliche Verfahren." Es seien aber, so Krämer, nur meinige Aufsichtspersonen" befragt worden - nicht die Kumpel. Wiederum: eine Kluft zwischen Berg-Oberen und Kumpeln.
Aber wie die Kumpel dachten offenbar auch Mitglieder der Einsatzleitung. Sie mochten nicht ausschließen, daß noch Bergleute am Leben seien. Zu ihnen gehörte der Diplom-Ingenieur Helmut Borges, Leitender Elektroingenieur der Erzgrube. Später erläuterte er, warum die Preßluftleitung in der Grube auch nach dem Unglück in Betrieb gehalten wurde: "Wir hatten das Gefühl, daß unten noch Leute am Leben sind."
Und nur die Preßluft war es, die den elf Totgesagten noch das Atmen ermöglichte. Preßluft und Sickerwasser boten den Eingeschlossenen zehn Tage lang das Existenzminimum.
Dann, nach ihrer Entdeckung, wurden sie mit leichter Kost und Vitaminstoffen behutsam aufgepäppelt. Eine zweite Versorgungsbohrung (14) mit einem Durchmesser von 152 Millimeter wurde angesetzt, damit man den Eingeschlossenen stabile Metallstempel zum Abstützen des brüchigen Doms hinabschikken konnte. Denn kurz vor der Rettung gaben Techniker den Eingekerkerten nur eine Überlebenschance von 50 zu 50. Die Gefahr, daß die Rettungsbohrung (11) das Gestein zum Einsturz bringen könne, bestand nach wie vor.
Freilich hätte die zweite Versorgungsbohrung das Desaster ebenfalls auslösen können. Sie ging daneben - Enttäuschung in den Schlagzeilen, aber auch Erleichterung bei den Rettern. Direktor Stein: "Die Fehlbohrung war für die Eingeschlossenen vielleicht ein Glücksfall. Denn dadurch bestand keine Einsturzgefahr für die Höhlendecke."
Wieder erwies sich, daß das Wunder von Lengede im Grunde eine Kette von Pannen war:
* Die Verbindung zu den Eingeschlossenen war nur zustande gekommen, weil die Werksleitung eine Verlegung der Eisenbahngeleise hoch über dem "alten Mann" vermeiden wollte und neben den Gleisen bohren ließ.
* Die Eingeschlossenen selbst hatten ihre füllhornförmige Grotte seitenverkehrt aufgezeichnet. Die fehlerhafte Angabe bedingte, daß die zweite Versorgungsbohrung die Höhle nicht erreichte und eingestellt werden mußte.
Und noch einmal ereignete sich eine Panne: Am Donnerstag letzter Woche, 6.07 Uhr, erreichte die rettende Preßluft-Bohrung die Tiefe der Höhle. Aber der Meißel fraß sich nicht ein bis zwei Meter neben der Höhlenwandung durchs Gestein, wie geplant worden war (das Wandstück sollte entweder von den Eingeschlossenen oder von einem Retter
aus dem Bohrloch durchbrochen werden) - er brach direkt in den "alten Mann" ein. Preßluft zischte in die Höhle.
Der Dialog zwischen oben (Ingenieur Dr. Jank) und unten (Bergmann Wolter), der in diesem Augenblick per Kabel geführt wurde, war später der Nation am Funkgerät vernehmlich:
Jank: Was ist, Herr Wolter? Was ist, Herr Wolter?
Wolter: Fällt etwas mehr.
Jank: An derselben Stelle?
Wolter: Ja.
Jank: Liegt die Stelle in der Nähe des Geräusches? Liegt die Stelle in der Nähe des Geräusches?
Wolter: Ja.
Jank: Ausgezeichnet. Wie ist die Wetterführung, wie ist der Staub?
Wolter: Staub normal, Wetterführung auch normal.
Jank: Hören Sie das Zischen austretender Luft?
Wolter: Ich höre ...
(Sehr starke Zischgeräusche)
Stimme: Schieber zu!
(Preßluft wird abgestellit
Jank: Herr Wolter, hören Sie mich?
Wolter: Ich kann nichts sehen wegen dem Mülm.
Jank: Herr Wolter, bitte melden.
Wolter: Ja, hier.
Jank: Was ist los?
Wolter: Bitte?
Jank: Was ist los?
Wolter: Ich kann doch nicht sprechen wegen des Staubes.
Jank: Alles in Ordnung, ausgezeichnet gelaufen. Ruhe bewahren.
Wolter: Ja.
Jank: Jetzt ist es bald soweit.
Wolter: Augenblick warten ... Es kann langsam weitergehen.
Jank: Bitte jetzt langsam und ruhig alle Besonderheiten an mich melden, es geht noch nicht weiter, ich muß erst hören, was alles los war.
Wolter: Muß jetzt aber 'raus, nicht?
Jank: Ja. Bleiben Sie ruhig sitzen.
Wolter: Ja, in Ordnung.
Jank: Wie hat sich das Geräusch angebahnt?
Wolter: Hat sich ganz einfach angebahnt, erst Schalung gefallen, dann mittelgroßer Brocken.
Jank: Haben Sie den noch fallen hören?
Wolter: Ja, und dann unmittelbar darauf kam Luft.
Jank: Deckt sich die Stelle mit der, die wir schon vorher angenommen haben?
Wolter: Ja, etwa 80 Zentimeter etwa ungefähr von unserem Verpflegungsrohr entfernt.
Jank: Das haben Sie ausgezeichnet geschätzt. Was gibt es sonst noch zu melden? Sind die Kameraden ruhig?
Wolter: Kameraden sind alle ruhig, ja.
Jank: Ist außer an dieser Stelle noch etwas gefallen?
Wolter: Wie bitte?
Jank: Ist außer an dieser Stelle noch etwas gefallen?
Wolter: Nein.
Jank: Hat es besondere Erschütterungen gegeben? Wolter, bitte antworten !
Wolter: Ja, das Gerüst hat geschaukelt.
Jank: Hat etwas gewackelt, was? Sonst alles klar?
Wolter: Bis jetzt noch, ja.
Jank: Zieht der Staub ab?
Wolter: Staub zieht ab.
Jank: Wie ist die Staubentwicklung, wie ist die Wetterführung? Herr Wolter, Sie halten das Mikrophon nicht richtig.
Wolter: Gut.
Jank: Wird die Luft langsam klar?
Wolter: Ja.
Jank: In Ordnung.
Der Weg war frei. Während die Männer über Tage die Rettungsbombe vorbereiteten, schwanden einen Kilometer entfernt letzte Hoffnungen: Beim Broistedter Friedhof waren drei Suchbohrungen (12, 13, 15) ergebnislos abgebrochen worden.
Nun senkte sich kein suchender Bohrer mehr ins Land: 29 Bergleute waren im Schacht geblieben.
Die elf Totgesagten wurden am Donnerstagmittag in kaum mehr als einer Stunde, während die Nation am Fernsehschirm zusah, aus ihrem Verlies gehievt.
Im Hamburger Hafen ertönten die Schiffssirenen. Die Kirchenglocken läuteten. Aus den Rundfunklautsprechern erklang ein Choral.
* Die Mutter eines Bergmanns spricht mit ihrem eingeschlossenen Sohn.
* Im Jahre 1958 waren im westdeutschen Bergbau 660 000 Personen beschäftigt. Seitdem haben 170 000 Bergleute die Gruben verlassen. Die Steinkohlenbergwerke Mathias Stinnes AG zum Beispiel bilden in ihren Lehrwerkstätten heute nur noch 155 Lehrlinge aus - 1955 waren es 1500.

DER SPIEGEL 46/1963
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