17.11.2003

MUSIKINDUSTRIE

Japan bleibt draußen

Verblüfft reagierte die Musikbranche, als die Konzerne Sony und Bertelsmann vor knapp zwei Wochen den geplanten Zusammenschluss ihrer Musiksparten Sony Music und BMG zum zweitgrößten Plattenkonzern der Welt als Fusion unter Gleichen verkündeten. Bislang galt Sony Music immer als das weit größere Unternehmen, trotzdem sollen beide Konzerne an der neuen Sony BMG jeweils 50 Prozent halten. Nun aber wird klar: Zu Hause behält Sony das Sagen. Der japanische Musikmarkt, immerhin der zweitgrößte der Welt, ist nicht Teil des Geschäfts. Der Hintergrund: Sony ist klarer Marktführer in der Unternehmensheimat Japan und erwirtschaftet dort - im Gegensatz zur relativ schwach vertretenen BMG - hohe dreistellige Millionenumsätze, die aber in den Umsatzvergleich zwischen den beiden Unternehmen nun nicht einfließen. Dadurch nähert sich der Jahresumsatz von BMG tatsächlich dem von Sony bis auf rund 20 Millionen Euro an. Aber auch die verbleibenden geringen Umsatz- und Erlösunterschiede werden ausgeglichen: Sony darf das Joint Venture mit einem Darlehen von 90 Millionen Euro belasten - wovon die BMG entsprechend die Hälfte tragen muss. Die Konstruktion hat einen wichtigen Zusatznutzen für die Japaner: Bilanztechnisch hat Sony damit das wirtschaftliche Übergewicht an dem Joint Venture und kann es deswegen voll konsolidieren.


DER SPIEGEL 47/2003
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