21.02.2004

ZEITGEIST

ORPHEUS AUS DER TIEFGARAGE

BOTHO STRAUSS ÜBER GENE, LIEBE UND DIE VERBRECHEN DER INTIMITÄT

Dürfte ich das Unwort des Zeitalters bestimmen, so käme nur eines in Frage: kommunizieren. Ein Autor kommuniziert nicht mit seinem Leser. Er sucht ihn zu verführen, zu amüsieren, zu provozieren, zu beleben. Welch einen Reichtum an (noch lebendigen) inneren Bewegungen und entsprechenden Ausdrücken verschlingt ein solch brutales Müllschluckerwort! Mann und Frau kommunizieren nicht miteinander. Die vielfältigen Rätsel, die sie einander aufgeben, fänden ihre schalste Lösung, sobald dieser nichtige Begriff zwischen sie tritt. Ein Katholik, der meint, er kommuniziere mit Gott, gehört auf der Stelle exkommuniziert. Zu Gott betet man, und man unterhält nicht, sondern man empfängt eine Heilige Kommunion. All unsere glücklichen und vergeblichen Versuche, uns mit der Welt zu verständigen, uns zu berühren und zu beeinflussen, die ganze Artenvielfalt unserer Regungen und Absichten fallen der Ödnis und der Monotonie eines soziotechnischen Kurzbegriffs zum Opfer. Damit leisten wir dem Nichtssagenden Vorschub, das unsere Sprache mit großem Appetit auffrisst.

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Dass der Mensch der Moderne (das ist der "Heutige" von vor hundert Jahren!) zusammenhanglos lebt, empfindet und spricht, hat der Konservative früh beklagt. Aber war die "Zusammenhanglosigkeit" etwas anderes als das Versteck einer aufregenderen Ordnung, die wir Zug um Zug erst entdecken sollten? Die Teile tanzen, und es ist ein Tanz mit vielen Sprüngen und Kehren. Er bildet wohl auch ein schönes Ganzes, das offenbar intelligenter ist als das Denken in Zusammenhängen, die wir nicht mehr erkennen können.

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Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts zerfiel dem Krisenfühligen das Ganze zu immer kleineren Teilen, zu isolierten Partikeln. Doch die Nachfolgenden verstanden bald den Staub zu lesen und brachten den Teil und das Ganze in neuen Zusammenhang. Kein Zerfall, der nicht zu anderer Ordnung überginge. Keine isolierte Einzelheit, die unter neuen Blicken, neuem Wissen nicht bisher unbekannte Verbindungen preisgäbe. Niemand würde mehr von einer Krise des Erkennens sprechen. Es sei denn, man fände das Dilemma in der Ausbreitung des Wissens selbst, das wie die Moosflechte den Lebensbaum überwuchert, entstellt und irgendwann austrocknet.

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War der Ruf nach "Rückbesinnung" auf Werte und Sekundärtugenden schon hilflos und lächerlich, weil "Rückbesinnung" selbst bereits zu den aufgegebenen Tugenden zählt, so wird die Suche nach den verschollenen Gefühlen zum schmerzhaften Paradox. Sehnsucht nach einem verlorenen Empfindungsgut kann es nicht geben, da jene mit diesem unterging.

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Ein Appell von falscher Unerschrockenheit wie: Glaubt an gar nichts! ist immer nur für den Moment des Ausrufs ein Impuls der Stärke - was er auslöst, was ihm folgt, ist lang anhaltende Schwäche.

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Der Reaktionär ist der letzte Phantast in einer nahezu kompletten Fantasy-Welt.

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Interessiert mich bei jenem amerikanischen Romancier "die aufregende Mischung aus Rassismus-Problemen und Sex-Problemen"? Rassismus, Sex unter Umständen, ihre Probleme kaum, ihre Mischung keinesfalls. "Ein alter Mann und, ein letztes Mal, die sexuelle Kraft. Was könnte für irgendjemand anrührender sein?" Antwort: Vieles. "Wenn Sex die erlösende Verschmutzung ist, die den Menschen 'entidealisiert'" - dann möchte ich dagegenhalten, dass Sex ohne Idealisierung nicht praktiziert werden kann. Und dass ohne die Metaphysik oder Vorstellungswelt des Sexus auch die leibliche Freude zu kurz kommt. Keine säuerlichere Kulturkritik gibt es als die Sexualidolatrie des spätmodernen Intellektuellen. Das Gegenteil des Libertins ist nicht der Verklemmte sondern der Liebende. Sex ist Geschwätz, Liebe ist Sprache.

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Der Unterschied zwischen Blut und Boden seinerzeit und Blut und Sperma, wie eine zeitgenössische Belletristik sie verschwendet, besteht darin, dass sich die Ideologie damals ihrer Geschmacklosigkeit nicht bewusst war, das abgefeimte Bewusstsein heute aber die Geschmacklosigkeit selbst verherrlicht.

Wenn man sich auf die menschlichen Säfte beschränkt, so fließen alle in den gleichen Boden. Blut, Urin, Sperma, Schweiß, Erbrochenes und immer wieder: giftgelbe Lymphe. Das Zerstörerische wurde beim ersten Mal als perverses Heil ausgerufen und beim zweiten als coole Inventarisierung eines Lebensformen-Unheils ausgegeben. Fraglos bezieht sich die spätere, die kühle der beiden Zerstörungsphasen untergründig oder fetischartig auf die frühere, die heiße und gläubige. Das hilft, um alle Niedrigkeiten zu rechtfertigen. Folglich wird das Gesamtzerstörerische beider Phasen später einmal nicht leicht zu sondern sein.

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Ein Kulturkampf: die Hässlichkeits- gegen die Schönheitskomplizen (die hoffnungslos in der Minderzahl). Jene, die lüstern auf das Erhabene sind, es aber nur brauchen, um die Reize der Verkehrung zu kosten.

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Das Hässliche ist zu verstehen, das Schöne nicht.

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Die Schönheit wird die Welt erretten, meinte Dostojewski. Doch sie entzieht sich mehr und mehr unserer Wahrnehmung. In einem Lifestyle-Leben dekoriert man Dekorationen. Attrappen werden Wunderdinge. Spätere könnten uns vor allem ein verblüffendes Nachlassen der sinnlichen Unterscheidungskraft vorhalten. Es wird heißen, wir seien nicht im Stande gewesen, die Dimensionen unserer materiellen Welt sorgfältig zu differenzieren. Wir hätten die Tapete für die Wand, den Trick für ein Mysterium, Brot und Spiele für Kultur gehalten.

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Niemand "verbürgerlicht" mehr. Nach und nach wird er hilflos. Abhängig von den täglichen Infusionen einer klassenlosen Öffentlichkeit. Das Individuum hängt am Tropf dessen, was alle angeht und niemanden besonders.

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Moral, sagt Reinhold Schneider in seinem Tagebuch, ist ohne Transzendenz nicht haltbar. Ohne sie besitzt sie keine Autorität. Das Jenseits stützt das Diesseits. Früher fürchteten die Menschen sich vor dem Jenseits, heute vor dem Tod.

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Die Vorstöße der Gentechnologie haben eine moralische Grenze nach der anderen überwunden. Das Machbare wird allenfalls aus Gründen der Unvorteilhaftigkeit eingeschränkt. Ein so genannter Wissenschaftler erklärte vor kurzem: Der Mensch habe nun Gottes Status erreicht, und folglich sei es seine moralische Pflicht, sich wie Gott zu verhalten. Die genetischen Tüftler und Bastler können, so scheint es, vor lauter Nanometrie sich selbst nicht mehr ermessen. Und wie sie sich vermessen, werden sie immer kleiner.

Der Schöpfergott, auf die Keimbahn reduziert? Prometheus, der nicht die Stirn gegen den Himmel erhöbe, sondern sich auf das Sammeln von Zündhölzern konzentrierte, wäre für Zeus ein Wichtel. Mögen sich also die Ingenieure noch so sehr mit ihrer Selbstvergottung blähen, sie verlassen den Bannkreis des menschlichen Scheiterns nicht. Sie haben Ihm nichts entgegenzusetzen.

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Es gehört zu den übelsten Unsitten unserer Soziozentrik, alles, was man als das Höhere ausgemacht hat, vor allem in Kunstwerken, zu sich herabzuholen und mit sich selber zu vergleichen. Auf Kanzeln, Kongressen, Theaterbühnen geschieht es bis zum Überdruss, der immer gleiche Orpheus aus der Tiefgarage. Aber auch im Gefühlsleben, in der Begegnung von Mann und Frau ist sie weit vorgerückt, diese unerträglich scheele Anmaßung des korrekten Demokraten, der, was immer er an Höherem erwischen kann, ins Breite und ihm Passende verziehen muss. Erstes Gesetz dem entgegen: Erkenne, was höher ist als du selbst. Lerne die Fremdsprache. Meide die Pädo-kata-gogen: die Herunter-Erzieher.

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Diejenigen, die politische Macht haben, besitzen weder andere Sitten noch Ideen oder Gebärden als jene, die sie dazu legitimieren. Sie könnten weder einen Stil kreieren noch einen Ton angeben in der Kultur, wie es doch zur Macht gehört, dass die Menge etwas zum Nachahmen an ihr findet. Es gibt einen Systembruch zwischen Demokratie und Massendemokratie. Und dieser verläuft jenseits der Verfassungsmäßigkeit ausschließlich im Kulturellen. Das Tonangebende zieht hier mit dem Populären gleich. Das Populäre wiederum pflegt die Idolatrie des Außenseiters, und man kreiert für die Massen die Außenseiterkonfektion. Gleichzeitig kennt die totale Öffentlichkeit keinen Außenseiter mehr. Sie ist unüberschreitbar und allgegenwärtig. Und unausgesetzt damit beschäftigt, aus jedem größeren Belang den seit Menschengedenken dünnsten aller breitgetretenen Quarke herzustellen.

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Das Raffinement wird einzig auf den Grobianismus verwendet. Lediglich die sinnliche Vermittlung von Brutalität wird immer erfindungsreicher und manierierter.

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Eine brutalere Zerstörung der Landschaft, als sie mit Windkrafträdern zu spicken und zu verriegeln, hat zuvor keine Phase der Industrialisierung verursacht. Es ist die Auslöschung aller Dichter-Blicke der deutschen Literatur von Hölderlin bis Bobrowski. Eine schonungslosere Ausbeute der Natur lässt sich kaum denken, sie vernichtet nicht nur Lebens-, sondern auch tief reichende Erinnerungsräume. Dem geht allerdings voraus, dass für die kulturelle Landschaft allgemein kaum noch ein Empfinden lebendig ist. So verbindet sich das sinnliche Barbarentum der Energieökologen dem des Massentourismus.

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Welch staunenswerte Methode ist das briefing, das die Führungskräfte dieser Welt in Minutenschnelle vom Nicht-Wissen zum Bescheid-Wissen befördert! Zweifellos bedarf es eher mimetischer als analytischer Fertigkeiten, um ein solch fremdes, genau geordnetes Wissen-Wie-Wann-Warum kurzfristig zu beherrschen und als eigenes vorzustellen. Darin übt man sich in den Zentralen der Macht oder eigentlich überall, wo an reibungslosen Abläufen gearbeitet wird. Unvermeidlich ist dabei die fast nur schablonenhafte Wahrnehmung ebenfalls reibungslos funktionierender Menschen. Unsereins ist verwirrt, mindestens einen ganzen Arbeitstag lang mit der Bewältigung einer zufälligen Begegnung beschäftigt. Zum Beispiel mit der Nachwirkung einer bildschönen Frau, die einen im Regionalexpress anspricht und in ihre Urlaubspläne einweiht. Man kommt von ihr lange nicht wieder los. In den Fluren des Funktionierens übergeht man vergleichbare Wunderlichkeiten, obwohl sie dort wie in allen anderen Lebensbereichen ebenso häufig geschehen. Aber man ist darauf abgerichtet, von Mensch und Ding nichts als sein gröbstes Profil zu bemerken, man muss und will aus allem und jedem den aktiven Nutzen ziehen. Beeindruckbarkeit aber ist die intelligenteste Form der Trägheit, der Passivität.

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Kaum noch erstaunen die jeweils neuesten Entwicklungen. Und nichts langweilt in ihrer Begleitung mehr als die Standpunkte oder das emsige Festhalten an Selbstbestimmungs- und Schutzbegriffen vom Menschen und vom Menschlichen. Nichts erscheint gestriger als solche Kautelen, nichts blasser als die Farben der Bedenkenträger.

Der große Brand wird nicht mehr in der Sprache gelegt, wie einst von Hegel oder Nietzsche. Sprachliche Ausdruckskraft reicht nur noch, das unruhige Flackern eines Widerscheins zu sein. Und die meisten begnügen sich mit den Spielen des Widerscheins. Aber wie Ethik und Moral nur leere Begriffe sind ohne Furcht, so flackert die Rede der Losgelösten am unruhigsten, wenn das Feuer fast heruntergebrannt ist. Die Losgelösten erfreuen sich an ihrem unbegrenzten Können und verzweifeln an der Unverbindlichkeit ihrer Rede.

Wie kann es sein, dass ich, ob als Experte oder Zeitungsleser, in die persönliche Freiheit versetzt werde zu sagen: Ich finde die medizinische Verwendung adulter Stammzellen akzeptabel! Oder: Ich lehne therapeutisches Klonen strikt ab! Wo es zu einer solchen Freiheit kommt, ist die Debatte bereits entschieden. Ein Ethiker müsste die subjektive Freiheit der Ja/Nein-Entscheidung im Voraus bestreiten. Das durchschnittliche Öffentlichkeitsfaktotum, der Politiker und seinesgleichen, wird sie sich immer herausnehmen.

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Allein die vielen Verbrechen der Intimität, die ungesühnt bleiben!

Die vielen trostlosen Falschheiten und Täuschungen des Zusammenlebens, die Verschlagenheiten der Liebe, Gemeinheiten und Verletzungen oft, die in jedem anderen sozialen Bereich undenkbar wären ... Ist denn Intimität kein sozialer Bereich? Ich sehe Schuld und Übeltat, doch die Verhältnisse soufflieren mir etwas von Wechselseitigkeit, schwieriger Kindheit, Schwäche der Lebensführung, mangelndem Schuldbewusstsein, Launen und verlorener Beherrschung. Die Verhältnisse plädieren für Verzeihen, wo ich nur Unverzeihliches erkennen kann. Für mich sind die Verbrechen des Gefühls nicht entschuldbar aus übergeordneten sozialen oder psychologischen Gesichtspunkten. Ich bedaure, dass es in der zivilisierten Welt keine Instanz der Gerechtigkeit gibt, die sie ahndet. Nur uns gibt es. Den kleinen unabhängigen Bund der erotischen Rigoristen, eine auf Dantes fedeli d'amore zurückgehende schlagkräftige Vereinigung, die schon so manches schlimme Intimvergehen aufspürte und die Schuldigen zur Rechenschaft zog. Auch im dunkelsten verborgensten Winkel einer "Privatangelegenheit" finden wir euch! Wir entdecken jeden und werden ihn der Kälte, der Feigheit, des Betrugs oder der Infamie überführen. Und anschließend für die angemessene Vergeltung sorgen!

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Moralische Bemerkungen sind nur in Zeiten etwas wert, in denen man sich über seinesgleichen noch verwundern kann. Wo aber wäre noch Platz zum Verwundern in diesen Augen, die von früh bis spät auf Fertigkeiten gerichtet sind, die so virtuos mit den Schatten spielen, die das Mögliche vorauswirft? Wozu den Virtuosen wiedergeben, wie sie sich geben? Laster, Fehler, Missbildungen, das gesamte Repertoire des moralischen Bemerkens nimmt sich im Übrigen zwischen den Kräften, die jetzt auf die Welt einwirken, Kräften der liberalen Gewalt und Kräften der religiösen Gewalt, ein wenig betulich aus. Man spürt in den kleinsten Dingen heute Ausläufer einer stärkeren Bewegung, als sie ein "Sittenspiegel" einfangen könnte. Dennoch frappiert jede Nuance, die La Bruyère an seinen Charakteren schildert, sie stimmt gestern wie heute. Die Beschreibung der Einzelnen bei Hof und der Einzelnen auf den "Weltmärkten" unterscheidet sich dort nicht, wo es um die Wesensmerkmale des Gesellschaftsmenschen geht. Gleichwohl drängen sich Großformate der Bewertung auf, welche die Nuance bedrohen. Die Menschen, und was sie so treiben, bilden auf einmal nur ein Schaumgekräusel auf der mächtigen Woge, die ihr Massenschicksal ist.

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Der Liberale hat den Christen in seinem Missionseifer beerbt. So wie dieser seine Offenbarungstheologie zu Recht für die Endstufe alles Religiösen hält, so propagiert der Liberale die Segnungen der Demokratie als das "katholische" Bekenntnis schlechthin, gültig für alle Welt.

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Es ist, wie es kommen musste. Das Voltairesche "Alles geht uns an" führte mit ein wenig Verspätung zu einer industriellen Supermacht der Anteilnahme, die ein einzelnes Menschenherz nicht mehr verkraften kann. An einem einzigen Tag könnte sich die gesamte Wachheit (also das tatsächlich aktive Interessepotenzial) eines "Alles geht mich an"-Mannes restlos erschöpfen. Vollkommen indifferent starrte er dann vor sich hin bis zum Ende seiner Tage.

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Gibt es ein Bewusstsein jenseits des medialen? Der Befreiung von der Verengung, den Konventionen der "bürgerlichen Klasse" widmeten sich viele Künstler seit der vorletzten Jahrhundertwende. Ein ebenso universelles Projekt wäre nun die Auflehnung gegen die ungeheure Erniedrigung des Menschen durch eine totalitäre Unterhaltungsindustrie. Hier aber hat sich die Intelligenz nach kurzem Zögern zur Kollaboration entschlossen. Man kann es auch eine ironische Mitläuferschaft nennen.

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Ursprünglich entstand die Wissbegierde des Menschen, als er Genaueres über die Letzten Tage erfahren wollte. Dabei schärfte sich seine Beobachtungsgabe, und die Sucht nach Gewissheit ließ ihn Instrumente erfinden, mit denen er präziser den Lauf der Sterne verfolgen konnte. Dabei vertiefte er sich in immer interessantere Beobachtungen und verlor sich in viele atemberaubende Einzelheiten. Das Letzte wurde ihm mehr und mehr schleierhaft, er verschob es zur Metapher, es schwand als Forschungsgegenstand aus dem Beobachtungsfeld. Er verstand es, auf Gewissheit jeder Art zu verzichten, und lebte in der unentwegten Faszination.

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Zwei albernde Mädchen mit zurückgegeltem Haar sitzen unter einer schick obszönen Reklametafel und benehmen sich wie die Backfische aus Großmutters Tagen. Sie zeigen Unverdorbenheit in einem Maße, das an die Wirkung eines Immunstoffs gemahnt. Die Unverderbbaren oder: Niemand teilt mehr das Allgemeine. Dem Witz der Feen gleich, wissen sie alles und bewegen sich ohne Rücksicht auf ihr Wissen unbeschwert. Es ist, als baute die Generation von selbst die nötigen Abwehrstoffe auf und brauchte dazu weder Konzepte noch Doktrinen.

Botho Strauß schreibt in der Uckermark, wo er ein Haus besitzt, fortlaufende Kommentare zu Moden und Meinungen, Kultur und Kommerz - ein Beobachter, scheinbar am Rande, der mit seinen Formulierungen ins Herz der Gegenwart zielt. Für den SPIEGEL hat Strauß, 59, eine Auswahl aus neuesten Texten getroffen, die auch in seinem Buch "Der Untenstehende auf Zehenspitzen" enthalten sind, das im März im Hanser-Verlag erscheinen wird.


DER SPIEGEL 9/2004
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