21.06.2004

SPORTMit Stasi-Trainern zu Olympia

Wegen seiner Weigerung, vor den Olympischen Spielen im August in Athen die Mitglieder der deutschen Mannschaft auf Stasi-Kontakte zu überprüfen, gerät das Nationale Olympische Komitee unter Druck. Mindestens zwei Trainer sind als Olympiabetreuer vorgesehen, die während der DDR-Zeit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) gedient hatten: So will der Leichtathletik-Verband den Bundestrainer der Geher, Ronald Weigel, entsenden, der wegen seiner IM-Tätigkeit vor Jahren seine Anstellung bei der Bundeswehr verloren hatte. Für den Schützenbund soll der Suhler Trainer Axel Krämer (IM "Werner Hoppe") nach Athen, obwohl er einst laut Stasi-Akten Schützenkameraden beim MfS angeschwärzt hatte.
Unterdessen hat der Landessportbund Thüringen nach den Stasi-Enthüllungen vor der Biathlon-Weltmeisterschaft im Februar in Oberhof (SPIEGEL 52/2003) ausgerechnet den ehemaligen Sport- und Sozialminister des Landes, Frank-Michael Pietzsch, zum Vorsitzenden einer neuen Stasi-Kommission berufen. MfS-Opfer kritisieren, dass Pietzsch das Stasi-Problem jahrelang vernachlässigt habe, so dass bisher keine Aufarbeitung möglich gewesen sei. Der CDU-Politiker war 1997 auch in die Kritik geraten, weil er als Aufsichtsratsmitglied beim damaligen Fußball-Zweitligisten FC Carl Zeiss Jena ehemalige Stasi-Zuträger in führenden Positionen des Vereins geduldet hatte.

DER SPIEGEL 26/2004
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